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18. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung

Fast so schön wie in Irland

Wirtschaft im Gespräch: Frank Duggan entdeckt für ABB die Reize Dubais

Frank Duggan, Head of Global Markets ABB (Bild: ILLUSTRATION CHRISTOPH FISCHER)Zoom

Frank Duggan, Head of Global Markets ABB (Bild: ILLUSTRATION CHRISTOPH FISCHER)

bet. Dubai

Die Unterschiede zwischen dem Wüstenemirat Dubai und der grünen Insel Irland sind nicht so gross, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Er spiele gern Golf, sagt der gebürtige Ire Frank Duggan, und wenn er auf einem der Handvoll Golfplätze Dubais stehe, sei kein Unterschied zu seiner Heimat feststellbar – natürlich abgesehen davon, dass es rund 15 Grad wärmer ist. Duggan ist seit 2008 beim Elektrotechnikkonzern ABB zuständig für den Nahen Osten, Afrika («MEA») und Indien; sein Büro liegt in einem der wenige Jahre alten Wolkenkratzer in einer Freihandelszone ausserhalb des Stadtzentrums. Ringsherum gibt es viel Sand und viel Asphalt, doch der nächste Golfplatz, ebenso künstlich wie verschwenderisch bewässert, ist tatsächlich nicht weit entfernt.

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Aufstieg in die Konzernleitung

Abseits vom Golfspiel liegen natürlich Welten zwischen Irland und Dubai, auch für ABB. Aus der MEA-Region stammten 2010 rund 11% aller Aufträge; Saudiarabien zählt zu den vier Schwellenländern, aus denen Orders über mehr als 1 Mrd. $ eingingen. Insgesamt zeichnen die Emerging Markets bei ABB für 50% des Umsatzes verantwortlich; aus ihnen wurde in den vergangenen fünf Jahren 9% mehr bestellt. Aus den Industrieländern kamen nur 5% mehr Aufträge. Auch dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass Duggan im Februar zum Leiter Globale Märkte ernannt wurde und in die ABB-Konzernleitung aufgerückt ist. Als Irland-Chef wäre ihm das wohl nicht passiert.

Man täte Frank Duggan unrecht, wollte man ihn auf seine irische Herkunft reduzieren. Der 51-Jährige begleitet ABB seit der Firmengründung 1998 und ist viel in der Welt herumgekommen. Er war fünf Jahre in Thailand tätig, zwei Jahre in Polen, drei Jahre in der Tschechischen Republik, ebenso lange in der Schweiz und arbeitet nun seit drei Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In den vielen Schwellenländern, in denen er gearbeitet hat, seien zwar die Fundamentaldaten und Wachstumschancen ähnlich gewesen, aber die Voraussetzungen und die Geschäftskultur hätten sich häufig deutlich unterschieden. Als Duggan zwischen 1996 und 2000 im ehemaligen Ostblock für ABB wirkte, habe er verkrustete Strukturen und Seilschaften zwischen ehemaligen Staatsbetrieben und abgelösten politischen Entscheidungsträgern angetroffen, sagt er. Der schnellste Weg für westliche Unternehmen zu höheren Marktanteilen führte damals über Akquisitionen.

Im Nahen Osten ist das anders. Hier gibt es nichts, was man übernehmen könnte. Alles muss neu geschaffen werden – die Infrastruktur genauso wie eine breite Unternehmenslandschaft. Die Länder investieren massiv, unter anderem in den Häuserbau und die Diversifizierung der Wirtschaft. Um an die lukrativen Staatsaufträge zu kommen, braucht es gute Beziehungspflege, Durchhaltevermögen und ein nicht immer so direktes und offensives Vorgehen, wie es westlichen Firmen eigen ist. Doch der Aufwand lohnt sich: Der potenzielle Markt für Umspannstationen sei in den Staaten des Golfkooperationsrates um ein Vielfaches grösser als in Westeuropa, sagt Duggan. Wie viele andere Firmen nutzt ABB die Drehscheibe Dubai nicht nur als Standort für den lokalen Markt, sondern auch als Zentrum für die Aktivitäten in der gesamten Region. In vier Flugstunden kann man von Dubai aus theoretisch ein Drittel der Menschen auf der Welt erreichen. Duggans Zuständigkeitsgebiet deckt 41% der Weltbevölkerung ab.

Um eines der für ihn faszinierendsten ABB-Projekte in der Region zu besuchen, muss Duggan aber nur ins Taxi steigen und zum Burj Khalifa fahren, dem 2010 eröffneten höchsten Gebäude der Welt. Dieses liegt nicht weit von Duggans Büro entfernt, aber auch wenn es weiter weg wäre, liesse es sich bei einer Höhe von 828 Metern kaum übersehen. ABB hat die Transformatorstation für das an eine Rakete erinnernde Bauwerk geliefert. Die Stromversorgung ist nicht ganz unwichtig, schliesslich schluckt der Turm in Spitzenzeiten so viel Energie wie eine Kleinstadt mit 4000 Haushalten – bei Aussentemperaturen von bis zu 50 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von maximal 90% will eine Klimaanlage mit der Kühlleistung von 10 000 Tonnen Eis pro Tag versorgt werden. Auch die Elektrik für die weltgrösste, bis zu 150 Meter hohe Wasserfontäne, die allabendlich als Touristenattraktion in buntem Licht vor dem Turm tanzt, stammt von ABB.

Bunter als New York

Er sei ein Mensch, der ein Glas immer als halb voll betrachte, sagt Duggan, und er versuche in jeder Lage immer das Beste zu sehen. Natürlich könne das Klima am Golf im Sommer brutal sein – aber dafür habe man acht Monate im Jahr fast immer schönstes Wetter. Natürlich sei Dubai nicht so grün wie Irland – aber es habe andere Qualitäten. Auch die Wüste könne wunderschön sein. Ausserdem fasziniert Duggan die Lebendigkeit der Emirate, besonders die Vielzahl an Ausländern, mit denen er in Kontakt kommt. Das jüngste seiner beiden Kinder lernt zusammen mit Mitschülern aus so vielen anderen Nationen und Kulturen, dass es nahezu täglich etwas zu feiern gäbe. Nur an wenig Orten auf der Welt treffe man solch eine Vielfalt, sagt Duggan. Wahrscheinlich nicht einmal in New York.


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