31. Oktober 2011, Neue Zürcher Zeitung
Der David, der Goliath hilft
Wirtschaft im Gespräch: Eric Knight geht als Aktiv-Investor vor allem Grosskonzerne an

Eric Knight, CEO der Vermögens- verwaltungsgesellschaft Knight Vinke (Bild: ILLUSTRATION CHRISTOPH FISCHER)
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Eric Knight nimmt es gern mit den ganz Grossen auf. Die 2003 von ihm gegründete Vermögensverwaltungsgesellschaft Knight Vinke beschäftigt zwar nur 22 Mitarbeiter. Als Aktiv-Investor bzw. als «engagierter Investor», wie er zu formulieren vorzieht, konzentriert sich der 52-Jährige jedoch darauf, über strategische Veränderungen vorwiegend in Grosskonzernen verschütteten Unternehmenswert freizulegen.
Viel Einfluss mit wenig Geld
Derzeit hat der Vermögensverwalter, der formal ein US-Unternehmen ist, sein grösstes Büro jedoch in Monaco hat, den französischen Detaillisten Carrefour im Visier. Die sehr grossformatigen Ladenflächen bringen zurzeit nicht den gewünschten Ertrag. Die zunächst vom Management eingeschlagene Strategie überzeugte Eric Knight nicht; er suchte daraufhin den Dialog. Erstaunlich ist dabei, dass Knight Vinke in der Regel nur kleine Beteiligungen hält, dennoch aber grossen Einfluss zu generieren vermag. Dies gelingt Knight, indem er zusammen mit seinem Team versucht, bei den wichtigsten Stakeholdern einen Konsens über die künftige Strategie aufzubauen.
Woher kommen die Lust und die Fähigkeit von Eric Knight, es als «Kleinunternehmer» mit den ganz Grossen aufzunehmen? Sein Stellvertreter sieht den Grund dafür im Vermögen, sehr überzeugende Argumente zu entwickeln und diese in den Markt hineinzutragen. Teilweise mag sich der Zugang in die Chefetagen vielleicht auch aus seiner persönlichen Geschichte erklären. Knight entstammt väterlicherseits einer italienischen Familie englischen Ursprungs, die im 18. Jahrhundert bei der Expedition von Admiral Nelson nach Neapel kam. Die Mutter entstammt der niederländisch-schwedischen Reeder-Familie Vinke. Mit der Aufnahme des mütterlichen Familiennamens in den Firmennamen will Knight offensichtlich auf diese Tradition verweisen.
Der junge Eric besuchte schon früh das britische Nobelinternat Eton, seinen Universitätsabschluss in Wirtschaft machte er an der britischen Eliteuniversität Cambridge. Danach arbeitete er zunächst in Deutschland für den Morgan Guaranty Trust, bevor er in die USA übersiedelte und dort am Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen Management-Abschluss machte. Im Folgenden arbeitete er sieben Jahre für Merrill Lynch in New York, London und Paris, danach für die Schweizer Holdinggesellschaft Pargesa im Bereich Firmenübernahmen.
Nach einem Ausflug zu Investcorp gründete er schliesslich mit dem Schweizer Unternehmer Tito Tettamanti den Vermögensverwalter Sterling, ebenfalls ein Aktiv-Investor, allerdings mit Fokus auf Klein- und Mittelunternehmen. Sein jetziges Unternehmen besteht seit 2003, den Anfang machte der Finanzprofi mit einem Anlagevermögen von 200 Mio. $ von der kalifornischen Pensionskasse Calpers.
Erstmals einem grösseren Publikum bekannt wurde der Vermögensverwalter dann, als er sich bei Royal Dutch Shell 2004 für eine Zusammenlegung der britischen und der niederländischen Einheit – damals waren diese noch separat – einsetzte. Für Aufsehen sorgte auch die Intervention bei der britischen Grossbank HSBC in den Jahren 2007 und 2008. Knight Vinke kam damals zur Ansicht, dass die Grossbank ihr Geschäftsrisiko falsch einstufte und die Rendite zu stark über Fremdkapital generiert wurde.
Andere Aushängeschilder von Knight Vinke sind die Erwirkung verbesserter Konditionen beim Zusammenschluss von Suez und Gaz de France, die Mitwirkung bei der Restrukturierung des italienischen Energiekonzerns Eni, die Realisierung des Wertes von Minderheitsbeteiligungen bei der belgischen Electrabel sowie die blockierte Akquisition von IMS Health durch die niederländische VNU.
In der Schweiz hat Eric Knight bis jetzt kaum schlagzeilenträchtige Engagements vorzuweisen. Das Zürcher Büro nahe dem Fraumünster wirkte bei einem Besuch eher leer und leise. Dem Asset-Manager geht es hier derzeit in erster Linie darum, Pensionskassen als Kunden zu gewinnen. Dabei dürfte er allerdings mit seiner Intransparenz zu kämpfen haben, denn das Unternehmen geizt mit Angaben über den Anlageerfolg. Anzunehmen ist, dass die Performance unter der Finanzkrise gelitten hat.
Punktuelle Investitionen
Eric Knight versucht dies im Gespräch bestmöglich zu interpretieren. Dank dem langfristigen Horizont könnte man warten, bis die Börsenkurse später wieder ihren wirklichen Wert spiegelten, argumentiert er. Zu wünschen ist ihm bzw. seinen Kunden dabei, dass er die politische Dimension der Euro-Krise nicht unterschätzt. Die Investments sind zudem sehr punktuell und sind kein diversifiziertes Portfolio.
Ein schweizerisches Engagement ist – neben Spenden für das Kinderspital Zürich – die Beteiligung an Xstrata. Dort verfolgt der Aktiv-Investor das Ziel, die Stellung der Minderheitsaktionäre zu verbessern. Im März 2011 hatte Eric Knight in der «Financial Times» geschrieben, dass ein Zusammenschluss von Xstrata mit Glencore einige Bedenken im Blick auf Management und Governance ausräumen könnte. Vielleicht wird man hier in Zukunft mehr von Knight Vinke hören.
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