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11. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung

Sergio Ermotti – Banker im Höhentraining

Wirtschaft im Gespräch: Dritte Karriere bei der UBS

Sergio Ermottis, Chairman und CEO Europe, Middle East and Africa (EMEA) der UBS (Bild: ILLUSTRATION CHRISTOPH FISCHER)Zoom

Sergio Ermottis, Chairman und CEO Europe, Middle East and Africa (EMEA) der UBS (Bild: ILLUSTRATION CHRISTOPH FISCHER)

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Die UBS hat die Finanzkrise überstanden, sie ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nun geht es darum, die Grossbank in einem veränderten regulatorischen Umfeld strategisch so auszurichten, dass sie ihren Platz im Kreis der weltweit führenden Banken behaupten kann. Diese Aufgabe werden neue Spitzenkräfte in Angriff nehmen müssen. Während der Generationenwechsel an der Spitze des Verwaltungsrats mit der Ernennung von Axel Weber bereits vorbereitet worden ist, steht die Stabsübergabe auf operativer Stufe noch bevor. Zu den Anwärtern auf die Nachfolge von Oswald Grübel zählt ohne jeden Zweifel Sergio Ermotti, der seit April für die Bank tätig ist.

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Abseits der Öffentlichkeit

Abseits der Öffentlichkeit hat sich Ermotti, den man sich ohne weiteres auch als Hauptdarsteller in einem amerikanischen Agenten-Thriller vorstellen könnte, den Ruf eines ausgewiesenen, erfahrenen Bankers erworben. Begonnen hat alles in Lugano, wo Ermotti geboren und aufgewachsen ist. Eigentlich wollte er sich in Magglingen zum Sportlehrer ausbilden lassen, entschied sich aber für eine Banklehre bei der Cornèr-Bank. Zur Berufung wurde sein Beruf, als ihm 1987 Merrill Lynch die Aufgabe übertrug, in Zürich von null auf eine Kapitalmarkteinheit aufzubauen. Nach weiteren Stationen in London, New York und erneut London avancierte Ermotti zum Leiter des weltweiten Aktiengeschäfts und zur Nummer zwei der Investment-Banking-Einheit von Merrill Lynch. Als sein Vorgesetzter in Ungnade fiel, begann auch Ermottis Stern zu verblassen, und er schied aus der amerikanischen Bank aus.

Eine neue Herausforderung fand er bei der italienischen Unicredit. Als er im Dezember 2005 in Mailand anfing, hatte die Bank gerade die bis unter die Dachziegel mit faulen Krediten gefüllte Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) übernommen. Mit der HVB wechselte auch die Bank Austria, eine erfolgreich in Mittel- und Osteuropa engagierte Tochtergesellschaft, die Hand. Als Verantwortlicher für das Investment Banking, das Firmenkunden- und das Vermögensverwaltungsgeschäft trug Ermotti massgeblich dazu bei, dass die toxischen HVB-Bestände noch vor dem Ausbruch der Krise abgebaut und die italienische Bankengruppe, anders als sein jetziger Arbeitgeber UBS, ohne bedrohliche Verluste durch die Finanzkrise kam.

Aufgrund seiner Verdienste avancierte er zum Stellvertreter und aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge des fast als Mythos geltenden Konzernchefs Alessandro Profumo – bis es im vergangenen September zu einer unerwarteten Wende kam: Sein Mentor wurde primär auf Druck einflussreicher Sparkassenstiftungen, die sich nicht allein mit ihrer Rolle als Unicredit-Aktionäre begnügen und aus dem immer grösser werdenden Schatten Profumos heraustreten wollten, in die Wüste geschickt. Weil sich, wie Profumo, auch Ermotti gegen die Einmischung von Aktionären in das operative Geschäft und den Rückfall in alte Machtspiele sträubte, geriet er ins Abseits und wurde kaltgestellt – seine internen Konkurrenten machten das Rennen.

Es war Konzernchef Oswald Grübel, der den zum zweiten Mal in seiner Karriere zurückgeworfenen Banker zur UBS holte. Das muss weit mehr als Zufall gewesen sein: Die Karrieren der beiden Banker weisen erstaunliche Parallelen auf. Wie Grübel ist auch Ermotti als Lehrling ins Bankgeschäft eingestiegen, hat er es von der Pike auf gelernt, ist beruflich ausserhalb seines Heimatlandes im Handels- und Kapitalmarktgeschäft herangereift, hat er als gestandener Banker Erfahrungen in allen anderen bedeutenden Geschäftsfeldern gesammelt – und ist in seiner Karriere nicht von Rückschlägen verschont geblieben.

Ob die Parallelen Bestand haben werden und Ermotti dereinst Grübel an der operativen Spitze der UBS nachfolgen wird – darüber mag der Tessiner verständlicherweise nicht spekulieren. Wenn die UBS in diesen Zeiten einen externen Banker in die Gruppenleitung hole, werde dieser automatisch zum Kandidatenkreis gezählt. Das sei für ihn aber nicht der Grund gewesen, in die UBS einzutreten. Als Tessiner mit starken Wurzeln in Lugano habe er primär die Chance genutzt, in sein Heimatland zurückzukehren und an verantwortungsvoller Stelle für eine führende Schweizer Bank tätig zu werden.

Die Bank kennenlernen

In der UBS ist Ermotti für die Marktregion Europa, Naher Osten und Afrika verantwortlich. Innerhalb dieses geografischen Zuständigkeitsbereichs befasst er sich schwergewichtig mit regulatorischen Rahmenbedingungen, treibt er die Verzahnung der drei Geschäftsbereiche Retail Banking, Wealth Management und Investment Banking voran und pflegt er den Kontakt zu bedeutenden Kunden. Er ist davon überzeugt, dass die UBS sich von der Konkurrenz differenzieren muss und schon deshalb nicht auf ein integriertes Geschäftsmodell verzichten kann. Wolle man im Kerngeschäft, dem Wealth Management, den Ansprüchen sehr wohlhabender Kunden gerecht werden, könne man nicht auf ein eigenes Investment Banking verzichten. Ermotti sieht in seinem derzeitigen Aufgabenbereich eine ideale Möglichkeit, die Bank kennenzulernen. Wie es mit ihm weitergehen wird – darüber habe nicht er zu entscheiden.


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