21. März 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Ich will arbeiten, zu meinen Bedingungen»
Buch des Monats: Womenomics
Philippe Mahler, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Wie können Frauen eine berufliche Karriere und ein erfülltes Privatleben koordinieren? Ist dies überhaupt zu schaffen, oder herrscht ein ständiges Abwägen zwischen Arbeit und Privatleben mit dem Resultat eines schlechten Gewissens, wenn ein Bereich zu kurz kommt? Dieser Frage und möglichen Lösungen für diesen Konflikt gehen Katty Kay, Korrespondentin für BBC World News America, und Claire Shipman, Korrespondentin für ABC News Good Morning America, in ihrem Buch «womenomics» nach.
Unentbehrliche Frauen
Die Lösung, welche die Autorinnen in ihrem Buch präsentieren, ist, dass sich Frauen ihrer Bedürfnisse bezüglich Karriere und Privatleben klar werden und daraus mögliche Arbeitsorganisationsformen, wie flexible Arbeitszeiten oder Teilzeit, mit dem Arbeitgeber vereinbaren. Der Grundsatz von «womenomics» ist: «Ich will arbeiten, aber zu meinen Bedingungen.»
Das Buch kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Im ersten Abschnitt wird anhand von wissenschaftlichen Studien dargelegt, wie wertvoll und unentbehrlich Frauen für den Erfolg von Unternehmen sind. Studien zeigen, dass Unternehmen mit einem höheren Anteil von Frauen im Management erfolgreicher sind. Einerseits weil der weiblich geprägte Führungsstil und die weibliche Perspektive neue Lösungen ermöglichen und anderseits Frauen an den meisten Kaufentscheidungen beteiligt sind und Frauen wissen, was Frauen nachfragen. Ein weiteres Argument, warum Frauen am Arbeitsmarkt immer wertvoller werden, ist die demografische Entwicklung. Die Babyboomer kommen langsam ins Rentenalter, und daraus folgt ein Fachkräftemangel und ein Ringen um die besten Talente, wobei Frauen eine immer wichtigere Rolle spielen. Zusammengefasst, haben gut ausgebildete und erfahrene Frauen eine starke Verhandlungsposition gegenüber dem Arbeitgeber, wenn es darum geht, flexiblere Arbeitsformen zu besprechen, um das Gleichgewicht zwischen Karriere und Privatleben herzustellen.
Der zweite Abschnitt des Buches hat eher den Charakter eines Ratgebers, wie Frau sich am besten auf ein Gespräch mit ihrem Arbeitgeber vorbereitet und die Aussage vom «womenomics» – Pink Power – verinnerlichen kann. Dies wird mit Ausschnitten aus Erfahrungsberichten von betroffenen Frauen belegt.
Auch für Männer gültig?
Das Buch ist unkompliziert geschrieben und wird durch die Interviewausschnitte aufgelockert. Der männliche Leser stellt sich unweigerlich die Frage, ob dies nur für arbeitstätige Frauen gilt oder er sich auch eine Scheibe von «womenomics» abschneiden sollte, um seine privaten und beruflichen Ziele in Einklang zu bringen.
Claire Shipman and Katty Kay: Womenomics. Eichborn Verlag, 2010. ISBN 9783821859965. 271 S., Fr. 35.90.
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Kommentare lesen
Jane Doe (14. April 2010, 02:44)
Schade
dass dieser vermeintliche Feminismus im Rahmen des Patriarchats bleibt und somit reine Symptombekämpfung ist. Statt das Problem der Unterdrückung des Menschen durch den Menschen politisch und direkt anzugehen, versuchen sich Karrierefrauen an einer Zerreissprobe. Ein schwacher Trost bleibt der Versuch Selbstbestimmtheit zu erlangen, denn es sind nur scheinbar die eigenen Bedingungen die gestellt werden. In Wircklichkeit bleibt alles beim Alten, auch wenn Rollen geteilt oder neu besetzt werden.
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