28. Mai 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Wie Manager kommunizieren
Aus der HRM-Forschung
Alexandra Arnold, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Manager verbringen einen Grossteil ihres Arbeitstages damit, zu kommunizieren. In den achtziger Jahren fand dieser Informationsaustausch hauptsächlich «face to face» statt. Ein Vierteljahrhundert später werden Informationen nicht nur im persönlichen Gespräch, sondern auch per Telefon, E-Mail, Sofort- und Textnachrichten oder Intranet ausgetauscht. Wie allerdings Manager unterschiedliche Medien zur Kommunikation nutzen, ist noch schlecht erforscht.
Das Team der Professoren Paul Leonardi von der Northwestern University in Evanston und Tsedal Neeley von der Harvard Business School begleitete während insgesamt 256 Stunden dreizehn Projektmanager in sechs Unternehmen auf Schritt und Tritt. Jede Information wurde aufgezeichnet, die ein Manager empfing oder sandte. Die Forscher entdeckten dabei, dass jede siebte Mitteilung des Projektmanagers redundant ist. Dies bedeutet, dass Manager dieselbe Nachricht zu einem späteren Zeitpunkt über ein anderes Medium nochmals an denselben Empfänger senden. Manager wiederholen ihre Informationen hauptsächlich, um ihre Mitarbeitenden auf Projektverzögerungen oder neue Projektanforderungen aufmerksam zu machen.
Abhängig von der Positionsmacht des Projektmanagers unterscheidet sich die Art und Weise, wie redundante Informationen eingesetzt werden, deutlich. Acht der insgesamt dreizehn Manager können beispielsweise die Beurteilung der Leistung der Beschäftigten oder die Entscheidung über deren Beförderung beeinflussen und verfügen somit über eine hohe Positionsmacht. Diese Manager verwenden redundante Informationen eher in einer passiven Form. Sie sind davon überzeugt, dass sie ihre Mitarbeitenden nur einmal darüber informieren müssen, was zu tun ist. Erst wenn eine Reaktion auf diese Information ausbleibt, wird dieselbe Nachricht nochmals übermittelt. Im Gegensatz dazu benutzen Manager mit geringer Positionsmacht den Einsatz von redundanten Nachrichten als strategisches Mittel, damit ihre Nachricht nicht in der Informationsflut untergeht. Dabei lassen sie einer wichtigen Information oft in kurzem Abstand absichtlich die gleiche Nachricht nochmals folgen.
Weiter konnte gezeigt werden, dass Projektmanager mit hoher Positionsmacht deutlich häufiger mit einer zeitverzögerten Nachricht – einer Nachricht, die nicht sogleich empfangen werden muss, wie zum Beispiel E-Mail oder Textnachricht – starten. Werden die Aufträge nicht wie gewünscht ausgeführt, werden die Beschäftigten nochmals persönlich informiert. Bei Managern mit geringer Positionsmacht verläuft die redundante Informationsübermittlung genau umgekehrt. Zuerst werden die Beschäftigten zum Beispiel über ein persönliches Gespräch informiert, dann folgt eine zeitverzögerte Nachricht beispielsweise per E-Mail. Manager mit hoher Positionsmacht gehen davon aus, dass ihre Autorität die Beschäftigten motiviert, während Manager mit geringer Positionsmacht die Beschäftigten mit der ersten Information motivieren müssen und deshalb die persönliche Variante der zeitverzögerten Information vorziehen.
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