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4. September 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Wie aus Arbeitsfrust Arbeitslust wird

Buch des Monats

Buch des Monats -  Arne Gillert: Der Spielfaktor. Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen. Zoom

Buch des Monats - Arne Gillert: Der Spielfaktor. Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen.

Philippe Mahler, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Welches ist der Unterschied zwischen Arbeit und Spiel? Gibt es diesen Unterschied – oder ist es die Art und Weise, wie eine Aufgabe gelöst wird, welche Arbeit vom Spiel unterscheidet? In seinem neuen Buch beschreibt Arne Gillert, wie Arbeit und Spiel verbunden werden können. Der studierte Psychologe und Soziologe verspricht keine einfachen «Kochrezepte», sondern Anregungen, wie ausgetretene Lösungswege und Arbeitsmethoden neu gedacht werden können, um den derzeitigen Herausforderungen zu begegnen.

Der Autor beginnt im ersten Teil des Buches mit der Feststellung, dass das Gestalten oder Verändern, wenn es nicht zum Spielball der Umstände werden soll, immer ein eigenes aktives Handeln erfordere. Dabei kann sich eine Veränderung nur einstellen, wenn irgendwo irgendwann irgendjemand anders handelt als bis anhin. Das Handeln kann mittels Kontrollen oder Anreizsystemen gesteuert werden. Diese klassischen Methoden sind indessen nicht mehr in der Lage, die meisten der heute aktuellen Fragestellungen von Unternehmen zu lösen. Alternativ führt das Spielen zu neuen Ideen, wie Probleme gelöst werden können.

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Menschen handeln auf der Grundlage ihres Wollens und Könnens. Das Wollen leitet sich ab von den Erfahrungen und Erlebnissen. Oder in den Worten von Antoine de Saint-Exupéry: «Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.» Geweckt wird die Sehnsucht nach dem Meer am besten mit einem Segeltörn. Übertragen auf unser Problemfeld könnte dies bedeuten: Wenn eine Unternehmensleitung die Wahrnehmung von mehr Verantwortung von den Mitarbeitenden erwartet, sollte sie die Beschäftigten diese Erfahrung machen lassen.

Beim Können geht es um Lernprozesse. Diese können im Spiel erlernt werden, indem in neuen Situationen neue Strategien ausprobiert werden. Damit aber dieses spielerische Ausprobieren auch bei der Arbeit stattfinden kann, muss die Unternehmung Spiel- und Experimentierräume schaffen und bereit sein, sich auf Neues und damit Unbekanntes einzulassen.

Im zweiten Teil des Buches beschreibt der Autor sechs Spielfaktoren, welche das spielerische Arbeiten fördern sollen. Spielen ist immer freiwillig, Spielen ist Handeln und nicht Planen, gespielt wird meistens nicht alleine. Spielen beginnt im Kopf: Wie können die notwendigen Spiel- und Experimentierräume geschaffen werden? Und wie kann mittels spielerischer Regelbrüche Neues entstehen?

Der Spielfaktor ist eine Sammlung von Anregungen, wie aus Arbeit Spiel wird. Oder anders ausgedrückt: Wie aus Arbeitsfrust Arbeitslust wird.

Arne Gillert: Der Spielfaktor. Warum wir besser arbeiten, wenn wir spielen. Wilhelm-Heyne-Verlag 2011. ISBN 978-3-453-18270-7, 287 S., Fr. 31.90.


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