8. Januar 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Wenn Wasser, Luft und Erde einheizen: Wärmepumpen
Berufswelt der Technik
Michael Felber
Tagt in der kälteren Jahreszeit der Gemeinderat der Stadt Zürich, sorgt seit 1937 eine Wärmepumpe für angenehme Raumtemperaturen im Ratssaal. Damals waren es knappe Rohstoffe und hohe Lagerkosten, welche zur Entwicklung und Installation dieser international als Meilenstein geltenden Wärmepumpe führten. «Heute werden Wärmepumpen nachgefragt, weil sie sich durch exzellente Verfügbarkeit und Energieeffizienz, geringe Betriebskosten sowie ökologisch nachhaltig produzierte Energie auszeichnen», sagt der 63-jährige, an der ETH ausgebildete Hansueli Bruderer, der sich seit dreissig Jahren in verschiedenen Funktionen mit der Entwicklung und Herstellung von Wärmepumpen-Systemen befasst. Heute leitet er die Heiztechnik-Firma Viessmann (Schweiz) AG, zu der das Kompetenzzentrum für Wärmepumpen, die Satag Thermotechnik, gehört.
Ende der fossilen Feuerungen
Wurden 2006 noch gleich viele Öl- und Gasheizungen wie Wärmepumpen verkauft, hat sich nun die Wärmepumpe in der Schweiz zum meistverkauften Heizsystem in Neubauten entwickelt und wird oft mit Solarkollektoren kombiniert. «Der Marktanteil bei Sanierungen ist im Vergleich zu Neubauten noch geringer, doch speziell entwickelte Wärmepumpen führen auch hier zu einer wachsenden Abkehr von Öl- und Gasheizungen, vor allem im Wohnungsbau», erklärt Bruderer. Über kurz oder lang wird es wohl kaum mehr fossil betriebene Feuerungen in Schweizer Wohnhäusern geben. 2008 wurden in der Schweiz 20 000 Wärmepumpen-Systeme verkauft, und bereits sorgen weit über 160 000 Wärmepumpen in der Schweiz für optimale Raumtemperaturen. «Zu attraktiv sind die in der Luft, in der Erde und im Wasser gespeicherten erneuerbaren Energiemengen, die mit der Wärmepumpe kostenlos genutzt werden können und emissionsfrei sind», meint Bruderer.
Neu auch im Ausbildungsplan
Als wäre dies nicht schon Grund genug für den Einsatz einer Wärmepumpe, setzt die öffentliche Hand oft auf monetäre Anreize, um diesen Umsteigeprozess bei Neubauten und Sanierungen zu beschleunigen. Der Bundesrat bezeichnet den Einsatz von Wärmepumpen denn auch als «wichtigen Eckpfeiler für die Umsetzung der CO 2 - Reduktionsmassnahmen im Gebäudebereich». Doch Wärmeerzeugung mit einer Wärmepumpe ganz ohne CO 2 -Ausstoss ist erst dann sichergestellt, wenn die für den Betrieb des Wärmepumpenprozesses notwendige elektrische Antriebsenergie mit ökologisch beziehungsweise CO 2 -frei produziertem Strom erfolgt. «Effiziente Wärmepumpen zeichnen sich durch einen höchstmöglichen Anteil an erneuerbarer Energie aus, der mit dem <Coefficient of Performance>, kurz COP-Wert, gemessen wird», sagt Bruderer. Dieser Leistungswert bietet Endkunden eine wichtige Grundlage für ihren Kaufentscheid. «COP-Werte im Bereich 3,8 bis 5,5 stehen für sehr effiziente Wärmepumpen», sagt Bruderer.
Die Nachfrage nach Spezialisten für Wärmepumpen ist gross. Zum einen gilt dies für Forschung und Entwicklung und zum anderen für Herstellung und Service. «Aber auch für Haustechnikplaner und Installateure hat sich durch die Wärmepumpen- und andere Systeme der erneuerbaren Energien vieles verändert», erklärt Bruderer die Notwendigkeit, über gut und modern ausgebildete Fachleute zu verfügen. Vollautomatische Heiz- und Kühlsysteme mit optimiertem Zusammenspiel vieler digital koordinierter Komponenten fordern die Fachleute. «Dies haben die Fachverbände, Berufs- und Fachhochschulen mittlerweile realisiert und Wärmepumpentechnik und deren Anwendung immer stärker in die Ausbildungspläne eingebaut», stellt Bruderer fest.
Mehr Leistung gefragt
«Die Wichtigkeit von Wärmepumpen mit grosser Leistung für ganze Überbauungen und innerstädtische Bereiche wird wachsen», prognostiziert Bruderer und fügt an, dass heute eine verbesserte Systemkommunikation, beispielsweise für Kühlung. ermöglicht wird und COP noch weiter gesteigert werden können. Obwohl die Wärmepumpentechnik heute als reif bezeichnet werden kann, stehen neue, interessante Konzepte im Raum. «Diese sind vergleichbar mit den Hybrid- oder Elektroautos im Fahrzeugbau, weshalb auf uns Ingenieure viel interessante Arbeit wartet», meint Bruderer.
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