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6. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Was Führungskräfte den ganzen Tag tun

Buch des Monats

Emilio Matthaei: The Nature of Executive Work. Zoom

Emilio Matthaei: The Nature of Executive Work.

Bruno Staffelbach, Inhaber Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Was tun Führungskräfte den ganzen Tag? Wo sind sie, wie kommunizieren sie, welches sind ihre Rollen und Herausforderungen? Um ihre Weiterbildung zu planen und um eine wirksame Corporate Governance zu strukturieren, muss man wissen, was Führungskräfte wirklich tun.

Vor bald 30 Jahren deckte Henry Mintzberg mit seinem Buch «The Nature of Managerial Work» grosse Unterschiede zwischen Theorie und Praxis, zwischen Dichtung und Wahrheit auf. Demnach sind Manager nicht planvolle Strategen, die von den Feldherrenhügeln ihrer Teppichetagen aus vorausschauend führen. Im Gegenteil: Sie stehen pausenlos unter Zeitdruck, die Hälfte ihrer Aktivitäten dauern kaum neun Minuten, was ihre Arbeit fragmentiert. Diese Fragmente werden reaktiv und nicht als Bestandteil eines prospektiven Plans bearbeitet, die Zeit zur gründlichen Reflexion fehlt, Entscheide werden zerstückelt, emotional und mikropolitisch getroffen. Gilt dies heute auch für Executives?

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Hier setzt die Doktorarbeit von Emilio Matthaei an der Graduate School of Management der Handelshochschule Leipzig an. Die Auswertung der Kalender von 48 Arbeitswochen von 12 Top- Executives international tätiger Firmen mit mehreren 10 000 Beschäftigten zeigt eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 65 Stunden. Davon sind drei Viertel verplant, gegen zwei Drittel davon sind mit Meetings gebunden, und nur gerade während knapp 14 Prozent der Zeit sind die Executives allein. Interviews bringen die Herausforderungen zum Ausdruck, mit denen die Executives konfrontiert sind. Dazu gehören etwa der Zeitdruck wegen der Dynamik der Märkte und der Unmittelbarkeit der Kommunikationsmittel, der Zwang zur Pflege persönlicher Beziehungen zwecks Aufbaus von Vertrauen in dezentralen Organisationen und die Auflösung der Grenzen zwischen privatem und beruflichem Leben.

Aus Matthaeis Aktivitätsforschung lassen sich verschiedene Konsequenzen ableiten. Weil Executives nur gerade etwa einen Viertel ihrer Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen, kommt dem Office-Management in der Arbeitsorganisation hohe Bedeutung zu. Und weil das «cc» bei der E-Mail gratis ist, steigt die Gefahr, mit Outlook, Lotus Notes & Co. Führungsverantwortung nach oben zurückzudelegieren beziehungsweise umgekehrt von oben quer durch alle Führungsbereiche durchzugreifen. Das Weiterbildungsangebot zur Arbeits- und Führungsorganisation von Executives ist spärlich. Dies führt dazu, dass die Neuen ihre Erfahrungen am lebenden Objekt machen. Dank der Untersuchung von Emilio Matthaei weiss man dazu mehr.

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