20. Februar 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Warum Frauen ihre Arbeitsstelle künden
Buch des Monats
Stefania Lottanti von Mandach, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Weshalb wechseln fähige und erfolgreiche Frauen Firma und Arbeitsstelle häufiger als ihre männlichen Kollegen? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt von Marcia Reynolds' Buch «Wander Woman». Gemäss Reynolds erfolgt der häufigere Stellenwechsel, weil Frauen weniger gewillt sind, in einem Umfeld zu arbeiten, das ihren Ansprüchen nach neuen Herausforderungen und Lernmöglichkeiten nicht genügt. Frauen zeigten geringere Bereitschaft, in einer Position auszuharren, nur um eine bestimmte Karrierestufe zu erreichen. Männer hingegen fühlten sich eher ihrer Firma, der Position und ihrer Familie verpflichtet und harrten generell länger aus.
Dass Frauen mittlerweile in vielen Ländern für die Mehrheit der Firmengründungen verantwortlich sind, führt Reynolds genau auf diese ständige Suche der weiblichen «high potentials» nach neuen Herausforderungen und Lernmöglichkeiten zurück.
Mehr oder weniger planlos
Die grösste Herausforderung für diese Frauen sei es denn auch, den nächsten Karriereschritt so zu wählen, dass sie ihrem Ziel – vielfältigen Herausforderungen und Lernmöglichkeiten im Beruf – ein Stück näher kommen. Als problematisch identifiziert Reynolds jedoch die Tatsache, dass viele Frauen mehr oder weniger planlos von einer Stelle zur anderen wechselten und so unfreiwillig zur «Wander Woman» würden. Genau an diese Frauen richtet sich ihr Ratgeber.
Verschiedene Archetypen sowie eine Fülle von Fragen und Übungen sollen ihnen helfen, die Motive ihres Handelns und somit auch sich selbst besser zu verstehen, um dann zielgerichteter Entscheide zu treffen. Das Buch richtet sich aber auch an Unternehmen, die den Frauenanteil im Management erhöhen möchten. Es liefert wertvolle Hinweise auf die Frage, weshalb so viele fähige Frauen die Firma verlassen, bevor sie überhaupt für eine höhere Position in Frage kommen. Die Ursache verortet Reynolds in einer Personalpolitik, die sich nicht an den Bedürfnissen der Frauen orientiert.
Falsch geführte Frauen
Viele Unternehmen glaubten zwar, eine frauenfreundliche Politik zu betreiben, und schrieben deswegen Abgänge von fähigen Frauen deren angeblichem Wunsch nach Kindern und Familie zu. Bei genauerer Untersuchung zeige sich aber, dass sich die Frauen von ihren männlichen Vorgesetzten unverstanden, falsch geführt und vor allem in ihrer fachlichen Entwicklung behindert fühlten, schreibt Reynolds. Das Halten fähiger Frauen erfordere ein Personalmanagement, das den unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen männlicher und weiblicher «high potentials» Rechnung trage, konstatiert Reynolds.
Marcia Reynolds: Wander Woman – How High-Achieving Women Find Contentment and Direction. Berrett-Koehler, 2010. ISBN 978-1605093512, 235 S., Fr. 23.50.
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