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19. März 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Vom Umgang des Papiertechnologen mit Maschinen

Berufswelt der Technik

Heute ein Hightech-Produkt: Das Papier. (Bild: Callaway / mediacolors)Zoom

Heute ein Hightech-Produkt: Das Papier. (Bild: Callaway / mediacolors)

Claudia Wirz

Wer hat's erfunden? Anders als bei dem einschlägig bekannten Kräuterbonbon waren es beim Papier definitiv nicht die Schweizer. Und auch nicht die alten Ägypter, obwohl die am Nil gedeihende Papyrusstaude, welche im westlichen Altertum den Stoff für einen der wichtigsten Schriftträger lieferte, dem Papier bei uns den Namen gab. Erfunden haben das Papier die Chinesen, genauer gesagt der aus Südchina stammende hanzeitliche Minister und Eunuch Cai Lun. Zumindest ist er es, der Anfang des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung den technischen Vorgang zur Papierherstellung zum ersten Mal beschreibt. Dass man in China schon lange vorher Papier schöpfte, gilt als erwiesen, nur gibt es keine überlieferten schriftlichen Zeugnisse dafür.

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Papier ist geduldig

Seither ist sehr viel Zeit vergangen, und auch beim Papier ist nichts mehr, wie es war. Papier ist heute ein Hightech-Produkt. Es gibt unzählige Arten von Papier: Zeitungspapier, Sicherheitspapier für Banknoten, WC-Papier, Briefpapier aller Sorten und Farben, Krepppapier, Seidenpapier, Karton für das Postpaket oder Pappe zur sicheren Verwahrung von rohen Eiern – die Liste könnte problemlos weitergeführt werden. Entsprechend komplex sind die industriellen Herstellungsprozesse.

Papier ist also nicht nur, was die Druckerschwärze anbelangt, geduldig, es ist auch für die unterschiedlichsten Zwecke einsetzbar. Das zeigt zum Beispiel Weidmann Electrical Technology in Rapperswil-Jona. Die Firma, die in der Isolationstechnik zu den weltweit führenden gehört, stellt – notabene mit Zürichseewasser – ein Spezialpapier her, das für die Isolation von Hochspannungstransformatoren verwendet wird. Als solches kommt es in allen möglichen Elektrizitätswerken zum Einsatz. Was hier hergestellt wird, ist technisch korrekt gesprochen eine hochverdichtete Wickelpappe, auch bekannt als Transformerboard.

Äusserlich besehen ist es unspektakulär. Dass es sich hier um ein einzigartiges Nischenprodukt handelt, das höchsten Ansprüchen genügt und in dem eine raffinierte Technologie steckt, verschliesst sich dem ersten Blick des Laien. Ziemlich dick ist es und braun wie eine Allerweltspappe. Aber schon auf den zweiten Blick zeigt sich, dass dieses Papier nicht zum Basteln taugt. Es ist härter als Holz, metallfrei und weist nur noch einen minimalen Feuchtigkeitsgehalt auf, wie der Papiertechnologe Jens Evens erklärt. Er hat sich seit seinem Lehrabschluss zum Anlageführer und Industriemeister fortgebildet und ist nun für ein ganzes Team verantwortlich.

Von Anfang bis Ende dabei

Obwohl modernes Leben ohne Papier nicht denkbar wäre und Fachleute gesucht sind, ist der Papiertechnologe in der Schweiz ein seltenes Wesen. Nur 15 bis 20 Lehrlinge begännen pro Jahr in der Schweiz diese dreijährige Lehre, sagt Evens. Man kennt sich untereinander. Für die Ausbildung muss man nämlich ins Ausland reisen und im Internat wohnen. Blockweise findet sie in der staatlichen Papiermacherschule im baden-württembergischen Gernsbach statt. Der Papiertechnologe ist in erster Linie ein Mann der schweren Maschinen. Eine Maschine einzurichten, sie zu bedienen, zu überwachen, im Störfall den Fehler zu finden und zu beheben, gehört zu seinen Aufgaben. Dabei verfolgt der Papiertechnologe den Produktionsprozess vom Anfang bis zum Endprodukt: Es beginnt mit dem Auflösen der angelieferten Zellulose-Pakete. In riesigen Töpfen, sogenannten Pulpern, wird der Zellstoff zusammen mit Wasser zu einem Brei verarbeitet. Im Pulper landet auch die Ausschussware, die so dem Produktionsprozess wieder zugeführt wird. Und es endet mit dem Abdecken des fertigen Produktes, um es vor Kontaminierung zu schützen.

Geheimnisvolle Maschine

In Rapperswil-Jona laufen gleich drei Papiermaschinen-Kolosse in den riesigen Produktionshallen von Weidmann Electrical Technology. Die älteste Produktionslinie ist 50 Jahre alt, die jüngste ist vor zwei Jahren in Betrieb genommen worden – sie ist eine der modernsten Maschinen der Papierindustrie. Und weil sie ein weltweit gefragtes Nischenprodukt herstellt, ist sie eine Einzelanfertigung. Viel mehr möchte man nicht zur Maschine sagen, denn die Konkurrenz schläft nicht – das gilt übrigens auch für jene in China, die gerne mehr wüsste über den Wissensstand der Schweizer Papiertechnologie.


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