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14. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Überall arbeiten zu können, ist ein Gewinn an Lebensqualität»

33 Fragen an Andreas Hug, Geschäftsführer und VR-Delegierter der Hug AG

Andreas Hug, Geschäftsführer und VR-Delegierter der Hug AG Zoom

Andreas Hug, Geschäftsführer und VR-Delegierter der Hug AG

Interview: nan.

NZZ-Executive: Herr Hug, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Skirennfahrer oder Fussballer und, weit im Hinterkopf, (Guetzli-)Bäcker. Grosse Sportler wie Dumeng Giovanoli oder Karli Odermatt waren meine Vorbilder, aber auch unsere Backwarenproduktion hat mich fasziniert.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Lesen, schreiben, rechnen: Grundlagen, die mich für die heute so oft fehlenden Plausibilitätstests befähigen.
Ihr grösstes schulisches Drama?

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Es gab eigentlich keine, und ich hatte das Glück, fast nur sehr gute Lehrpersonen zu erleben.
Haben Sie als Schüler gemogelt?
Natürlich – aber beim Spick-Erstellen hab ich wohl am meisten gelernt!
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Mein Französisch und Italienisch verbessern. Das werde ich, hoffentlich vor der Pensionierung, nachholen!
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Im Sport musste ich mich selber durchschlagen. Meine Mutter hat mich im musischen, mein Vater und mein Bruder haben mich im beruflichen Bereich gefordert und gefördert. Da ich jung in die Familienfirma eingetreten bin, lernte ich unglaublich viel «on the job».
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Es ist toll, sich mit so Sinnvollem wie der Lebensmittelherstellung zu beschäftigen, und das in der eigenen Firma! Zudem gefällt mir der Kontakt mit den Mitarbeitenden sehr gut.
Ihr grösster beruflicher Erfolg?
Ein Team zusammengestellt zu haben, das menschlich sehr gut harmoniert und mit dem ich erst noch gute bis sehr gute Resultate erziele.
Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
Ich habe nie ein richtiges erlebt, da ich nach meinen Ausbildungen früh ins Familienunternehmen einstieg.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Viel zu viele! Immer noch zu oft ist das auch Abend- und Wochenendarbeit. Und doch kann ich dieses Instrument nicht mehr wegdenken.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
10 bis 12 Stunden Präsenz, den Rest zu Hause oder, dank den elektronischen Möglichkeiten, überall. Das ist für mich keine Belastung, sondern ein Gewinn an Lebensqualität.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Eigentlich überall, es kommt ein wenig auf die Arbeit an. Ich schätze es, den Standort häufig wechseln zu können, was in unserer völlig offenen Bürolandschaft sehr gut möglich ist.
In welchen Ländern waren Sie tätig?
Da ich sehr jung in unsere Familienfirma eingestiegen bin, werde ich ziemlich sicher in meiner beruflichen Laufbahn nur in der Schweiz aktiv sein.
Ihre letzte Weiterbildung?
Führungstraining. Daran arbeiten wir immer wieder sehr intensiv mit unserem gesamten Managementteam.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
550 Franken. Das war als Bäckerlehrling Anfang der achtziger Jahre.
Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
1. Eine ausgewogene Work-Life-Balance: Arbeit, privates Umfeld und das «ich für mich» gut unter einen Hut zu bringen. 2. Immer authentisch, also man selber bleiben. 3. Eine gesunde Portion Ehrgeiz.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Aus meinen ersten Fehltritten als – ahnungslose – Führungsperson. Inkonsequenz rächt sich immer!
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Ein grundsätzlich positives Menschenbild, Fairness und Konsequenz in der Führungsarbeit, Authentizität.
Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Niemand Spezielles. Es gibt aber verschiedene Bereiche, in denen ich gerne Personen stärker in meinen Meinungsbildungsprozess einbeziehe.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn es in einem Team zwischenmenschliche Schwierigkeiten gibt. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder?
Über fehlende Plausibilitätstests, wenn ich auf den ersten Blick feststelle, dass etwas nicht stimmen kann.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Selbständiges Handeln im Sinne des Ganzen, also im Rahmen der gemeinsam verabschiedeten Strategie.
Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?
Mir hilft mein sehr intaktes, verständnisvolles privates Umfeld. Und die Möglichkeit, völlig ortsunabhängig zu arbeiten. Da unsere Kinder erwachsen sind, habe ich auch wieder mehr Zeit für mich selber, was für meine Leistungsfähigkeit wichtig ist.
Welche Netzwerke nutzen Sie beruflich?
Ich bin nicht der grosse Netzwerker und auch nicht der Serviceklub-Typ. Ich pflege einige mir sehr wichtige persönliche Kontakte. Weiter nutze ich die unzähligen Möglichkeiten, welche es tagtäglich überall gibt.
Welche persönliche Freiheit fehlt Ihnen?
Meine Zeit freier zu planen, was zwar als Mitinhaber eines Familienunternehmens komisch tönen mag, aber ich schaffe das bis heute nicht in zufriedenstellendem Ausmass.
Was stört Sie als Staatsbürger?
Ich bin zufrieden. Wenn wir Probleme wälzen, tun wir das meist auf hohem Niveau. Was mich stört, ist die geringe Wahrnehmung der Möglichkeiten unserer direkten Demokratie, sprich die tiefe Stimmbeteiligung.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ja, ich will immer bis zuletzt noch dies und jenes erledigen, dann fehlen oft 2 bis 3 Minuten. Zudem warte ich nicht gerne auf Mitarbeiter.
Ihre grösste Tugend?
Ruhe bewahren und zuhören können.
Ihr grösstes Laster?
Zu viel in den Terminkalender packen und dann enttäuscht sein, wenn es nicht aufgeht.
Ihr Lieblingsfilm?
«Buena Vista Social Club» – tolle Musik, verbunden mit schönen Bildern und einer rührenden Geschichte.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Neuheiten aus den Backwarenregalen dieser Welt. Und meine Sportausrüstungen.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Meinem Französisch und Italienisch mit einem mehrwöchigen Sprachaufenthalt einen Schub verleihen.

Andreas Hug

Andreas Hug, 50, leitet als Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates das Familienunternehmen Hug AG in vierter Generation. Sein Bruder Werner ist VR-Präsident. Nach der Handelsschule und einer Bäckerlehre bildete sich Andreas Hug zusätzlich zum Lebensmitteltechnologen aus. 1986 folgten der Einstieg in den Familienbetrieb, «learning on the job» und Weiterbildungen. Hug, ein begeisterter Skifahrer und Biker, ist verheiratet und hat eine Tochter und zwei Söhne.

Die Hug AG stellt Brot-Cracker (Dar-Vida), typische Schweizer Guetzli, Biskuit-Spezialitäten (Wernli), Gastro-Backwaren sowie Tiefkühlprodukte her. Die 1877 in Luzern gegründete Firma beschäftigt an den Standorten Malters, Willisau und Trimbach rund 400 Mitarbeitende. 2010 erzielte sie 133 Millionen Franken Umsatz.


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