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19. Februar 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Schicht für Schicht zu einem neuen Ski

Berufswelt der Technik

Passen genau: Schnittformen in der Skiproduktion. (Bild: URS Flüeler / Keystone)Zoom

Passen genau: Schnittformen in der Skiproduktion. (Bild: URS Flüeler / Keystone)

Robin Schwarzenbach

Es ist keine Schreinerei, doch in der grossen Halle einer Fabrikanlage in Malters im Kanton Luzern geht es mitunter ähnlich zu wie in einem holzverarbeitenden Betrieb. Neben Fiberglas, Aluminium, Gummi und anderen Kunststoffen ist Holz ein zentraler Bestandteil der hier gefertigten Produkte. Die länglichen Rohlinge werden zurechtgeschliffen und beschichtet. Es handelt sich um ein Laminat. Buche sorgt für die notwendige Härte, Pappel reduziert das Gewicht, während Okoumé, ein tropisches Balsambaumgewächs, wegen seiner langen Fasern verwendet wird. Diese Eigenschaft macht die Bretter flexibel. Gleichzeitig finden sie immer wieder in die ursprüngliche Form zurück, was am Ende – auf der Skipiste – unerlässlich ist.

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Exakt, sauber, schnell

In Malters werden jeden Tag 180 Paar Ski fertiggestellt. Es ist die Produktionsstätte von Stöckli, dem nunmehr einzigen grossen Skihersteller der Schweiz. In der Fabrik sind 50 Personen beschäftigt; jede fünfte ist eine Frau. Die meisten Angestellten verstehen sich als Skibauer. Nicht alle aber haben auch die entsprechende Lehre absolviert. «Ein Skibauer muss exakt, sauber und schnell arbeiten können; die Lehre ist keine unbedingte Voraussetzung für den Beruf», sagt Walter Schaller, der Produktionsleiter.

In Malters arbeiten denn auch mehrere Quereinsteiger. Schreiner, Zimmerleute, aber auch Mechaniker haben laut Schaller gute Chancen; ebenso gelernte Köche. «Für diese Berufsleute», sagt Schaller, «ist ein hoher Produktionsdruck am Arbeitsplatz nichts Neues.» Besonders intensiv ist der Rhythmus an den Werkbänken, an denen die Ski für den Pressvorgang vorbereitet werden. Eine solche Bank ist jeweils doppelt besetzt. Routinierte Zweierteams schaffen alle fünf bis sieben Minuten ein neues Paar.

An dieser Stelle der Produktion offenbart sich auch die Bauweise der Bretter. Stöckli setzt auf das sogenannte Sandwich-Verfahren: Flinke Hände legen mehrere zuvor präparierte, passgenaue Schichten übereinander. Den Anfang macht der Belag, es folgt eine Schicht aus Aluminium oder Fiberglas. Dann wird eine bloss 0,13 Millimeter dünne Gummiplatte angebracht – die anschliessenden, harten Stahlkanten brauchen einen Puffer. Ein Vlies aus Polyester wiederum bildet die unmittelbare Unterlage für den erwähnten Holzkern.

Danach sind es noch einmal bis zu acht Schichten inklusive der Folien mit dem Design, bis der werdende Ski provisorisch zu einem Ganzen befestigt wird und in die Pressform kommt. Dort wirken Druckkräfte von 50 bar sowie Temperaturen um 140 Grad. Nach rund 20 Minuten hält die Konstruktion. Der applizierte Leim hat sich dank den Vliesen gleichmässig verteilt.

Stehvermögen am Fliessband

Doch man lasse sich nicht täuschen: Der Alltag eines Skibauers kennt auch weniger spannende Aufgaben. Thomas Thürig, der bei Stöckli für die Qualitätssicherung verantwortlich ist, weiss dies aus eigener Erfahrung. Der 44-Jährige hat erst im Alter von 28 Jahren zu seinem heutigen Beruf gefunden. Aus gesundheitlichen Gründen musste sich der frühere Bauarbeiter damals neu orientieren. Er sagt: «Die industrielle Skiproduktion bringt auch monotone Tätigkeiten mit sich.» Tatsächlich geht in Malters vieles am Fliessband vor sich, so etwa die Beschichtung der hölzernen Rohlinge ganz zu Beginn. Gutes Stehvermögen sei für einen Skibauer denn auch zwingend, betont Thürig. Dies umso mehr, als auch die unscheinbarsten Arbeiten nicht weniger wichtig seien als alle anderen Schritte in der Fertigung.

Zwischenstation im Weltcup

Thürig ist seinen Weg gegangen. Nach einigen Jahren in der Produktion zog es ihn in den alpinen Ski-Weltcup, wo er bis zur vergangenen Saison als Servicemann unterwegs war. Unter anderem präparierte Thürig das Material der Schweizerin Fabienne Suter. Er weiss: Bei den Profis gibt es erst recht keine Kompromisse. Und: «Wenn ein Ski einmal funktioniert, so funktioniert er, und die Athleten greifen immer wieder auf das bewährte Modell zurück.»

Die Berufsaussichten der jüngeren Kollegen Thürigs sind intakt. Zwar kann Stöckli nach der Lehre nicht allen Skibauern eine feste Stelle anbieten, und es wollen auch nicht alle bleiben. Einige aber kehren nach einer Weile zurück. Die anderen entscheiden sich oft für einen Job im Sportfachhandel.


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