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30. April 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Rohstoff Geodaten: Geoinformatiker sorgen für Qualität

Berufswelt der Technik

Berufswelt der Technik, Rohstoff Geodaten Zoom

Berufswelt der Technik, Rohstoff Geodaten

Michael Felber

Zwei- und dreidimensionale Karten in Verbindung mit Satellitenfotos zählen zu unserem Alltag. Ein Mausklick oder eine Fingerbewegung genügt: Schon erscheint ein entfernter Ferienort auf dem Bildschirm, und beim Flug durch die Räume lassen sich spielend einfach Informationen sammeln. «Der Zugang zu raumbezogenen Informationen wird immer einfacher, nicht erst seit Google Earth», sagt Professor Hilmar Ingensand, der an der ETH Zürich für den Studiengang Geomatik und Planung zuständig ist und sich seit 1993 mit geodätischer Messtechnik und Geoinformatik beschäftigt. «Die heutige Software erlaubt es, Geodaten auf aussagekräftige Art und Weise zu visualisieren», erklärt er. Nach seiner Einschätzung wird die Nachfrage nach raumbezogenen Informationen – ob für kommerzielle, wissenschaftliche oder politische Zwecke – weiter ansteigen.

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Verkehr, Erdbeben und mehr

Bis orts- und raumbezogene Informationen allerdings auswertbar sind und visualisiert vorliegen, sind umfangreiche Vorarbeiten, informationstechnische Infrastruktur sowie geeignete Software und viel Fachwissen erforderlich. «Raumbezogene Informationen gilt es in einem ersten Schritt zu erfassen, dann zu speichern, analysieren und modellieren», so erklärt Ingensand die Hauptarbeitsprozesse. Allerdings müssen Informationen, vor dem Hintergrund einer konkreten Problem- oder Fragestellung, oft zuerst generiert werden. «Das kann mit erheblichem Aufwand verbunden sein und gehört nicht direkt zum Aufgabengebiet der Geoinformatik», führt Ingensand aus. Erdbebenstärken, Verkehrsmobilität, Tierpopulationen, Standorte von Sendeanlagen und Steuervolumen sind nur einige der denkbaren Informationstypen, die sich mit einem relevanten Raum – Europa, der Schweiz oder einer Gemeinde – zu Geodaten verknüpfen lassen.

Auch an der Fachhochschule

In der Schweiz bietet die ETH Zürich Studienlehrgänge auf Bachelor- und Master-Niveau in Geomatik und Planung an. «Geodätisches, geografisches und informationstechnologisches Wissen werden in unseren Studienangeboten zusammengefasst», sagt Ingensand. Für das kommende Sommersemester wird für die noch junge Disziplin eine eigene Vollprofessur eingerichtet und so die Vermittlung eines soliden methodischen Umgangs mit Geoinformationen gestärkt.

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten bieten sich an der Universität Zürich, wo sich zwei Abteilungen innerhalb des Departements Geografie mit Geoinformationssystemen beschäftigen, und am Institut Vermessung und Geoinformation der Fachhochschule Nordwestschweiz. Diese Fachleute sorgen in der Privatwirtschaft und in öffentlichen Verwaltungen dafür, dass der begehrte Rohstoff der Geodaten sach- und zeitgerecht zur Verfügung steht.

Entscheidungen unterstützen

«Ein boomender Kanton stellt hohe Anforderungen an die Planung der räumlichen Entwicklung», sagt Hannes Wahl. Er ist Abteilungsleiter im Amt für Raumplanung des Kantons Zug und auch für Geoinformationen zuständig. «Sowohl für Planungs- und Umsetzungsprozesse als auch für die Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse erarbeiten wir immer mehr und umfangreichere Geoinformationen», beschreibt er die wachsende Nachfrage. Damit lasse sich die Qualität der Antworten auf wirtschaftliche, politische und ökologischen Fragestellungen verbessern.

Wichtiger Datenaustausch

«Wenn wir unsere Aufgabe in einem dynamischen Umfeld gut erfüllen wollen», sagt Wahl weiter, «dann sind laufend Aktualisierungen notwendig.» Zudem machen viele Frage- und Problemstellungen nicht an den Gemeinde- und Kantonsgrenzen halt, wie beispielsweise Verkehrs- oder Pendlerströme. «Kooperation und Datenaustausch werden deshalb immer wichtiger», erklärt er und ist froh, dass die Zeiten, in denen das Austauschen von Datenbeständen nur unter erschwerten Bedingungen möglich war, der Vergangenheit angehören. «Webbasierten Applikationen, welche schnellen Zugriff auf dezentral verteilte Geodaten ermöglichen, gehört die Zukunft», ist er der Meinung.

Weiter prognostiziert er: «Qualitativ hochstehende und zeitgerecht verfügbare Geoinformationen werden zu einer haushälterischen Entwicklung unserer Umwelt führen.»


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