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24. April 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Monetik - Ökonomie ist mehr als nur Franken zählen

Begriffe aus dem HRM - Wortgut

Wortgut - Monetik (Bild: istock)Zoom

Wortgut - Monetik (Bild: istock)

Bruno Staffelbach, Inhaber Lehrstuhl HR-Management Universität Zürich

In der Ökonomik geht es um den zielgerichteten und effizienten Einsatz von Mitteln. Die Zwecke sind offen, und Ziele müssen vorher bestimmt werden. Märkte funktionieren unabhängig davon, ob es sich um Märkte für Kaugummis, für Autos, für Psychopharmaka oder für Tretminen handelt. Betriebswirtschaftlichen Instrumenten ist es gleichgültig, ob sie im Roten Kreuz, in der Auto- oder Bankenindustrie, in der organisierten Kriminalität oder für caritative Zwecke eingesetzt werden.

Wirtschaften ist eine zentrale menschliche Tätigkeit. Dabei geht es um den haushälterischen Umgang mit knappen Gütern. Dafür braucht es Mess-, Vergleichs- und Leistungsgrössen. Im betriebswirtschaftlichen Bereich sind dies zum Beispiel Umsätze, Kosten, Cashflow, Aktienkurse, Kapitalrenditen. Der Informationswert solcher Massgrössen ist hoch, sofern man die Bedingungen kennt, unter denen sie zustande gekommen sind. Wie beim Sport in Teilsekunden an der Ziellinie zeigt sich der betriebswirtschaftliche Erfolg zum Schluss in der Bilanz, in der Erfolgsrechnung oder an der Börse. Aber eben: Der betriebswirtschaftliche Erfolg zeigt sich letztlich in Franken und Rappen. Problematisch wird es, wenn die Welt des Wirtschaftens ausschliesslich in Franken wahrgenommen, durchdacht und beurteilt wird. Dann nämlich wird Ökonomik auf Monetik reduziert. Dies ist eine einseitige, verkürzte und deshalb fehlerhafte sowie gefährliche Sichtweise des Wirtschaftens. Sie ist deshalb verkürzt, weil dem Handeln der Wirtschaftssubjekte nicht nur monetäre Motive zugrunde liegen und weil knappe Güter wie «Vertrauen», «Commitment» oder «intrinsische Motivation» sich nicht direkt mit Franken berechnen lassen. Sie ist deshalb einseitig, weil sie dazu verführt, sich auf die monetären Erfolge als Resultate zu konzentrieren und dabei die vorausgehenden Erfolgsbedingungen des Wirtschaftens, die sich monetär nicht messen lassen, ausser acht zu lassen.

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Verstärkt durch die suggestive Kraft des Rechnungswesens, welches für die Ökonomie wichtige Tätigkeiten wie «Lernen» oder «Innovieren» nicht erfasst, können Diskrepanzen entstehen. Um Kosten zu sparen, rationalisiert man zum Beispiel durch Personalabbau – mit Folgewirkungen, die mehr kosten, als man einsparte. Zentrale strategische Herausforderungen lassen sich nicht auf Geld reduzieren: Man möchte Zeit gewinnen, Prozesse beschleunigen und die Geschwindigkeit am Markt erhöhen, braucht dafür aber Zeit. Man möchte agiler werden, braucht dazu aber Geduld. Man möchte das Management vereinfachen, konfrontiert es deshalb mit zusätzlichen Aufträgen und macht es damit komplexer. Man spricht von Leistung, muss vorher aber klären, was Leistung heisst.

Die Ökonomik ist eine «Effizienzwissenschaft». Als solche befasst sie sich mit der optimalen Steuerung von Knappheitssituationen. Die Fragen der Praxis, für wen und wozu dies erfolgen soll, kann sie nur bedingt beantworten. Damit ist aber auch die «normative Kraft der Ökonomik» nur bedingt. Wenn die normative Kraft der Ökonomik nur bedingt ist, wie beschränkt ist dann erst der Wert einer auf Monetik reduzierten Ökonomik? Lediglich Dagobert Duck reduzierte Ökonomik auf Monetik. Statt Zwecke zu vermitteln, verzweckte er seine Mittel.


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1 Leserkommentar:
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Christian Siess (14. Mai 2010, 09:31)
Die Worte ....

hör ich wohl, doch fehlt mir allein der Glaube.
Die sanfte Appelation die durchaus hineininterpretiert werden darf, sowie das rationale Denken/Wissen sind nett.
In der aktuellen Zeit der Quartalsabschlüsse interessieren sie niemanden. Einflussreiche Teilnehmer fokusieren sich hauptsächlich auf die eigene Tasche hinten rechts, sprich die eigene Monetik.
Die Werte, auf denen unsere Gesellschaft begründet ist, werden aus diversen (obigen ?) Gründen nich mehr gelebt.
Geiz ist Geil !

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