24. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Der Traum von Silicon Alley
Arbeiten in New York
Christiane H. Henkel, Korrespondentin der NZZ in New York
«If I can make it there, I'll make it anywhere», singt Frank Sinatra in seinem Ohrwurm-Hit «New York, New York». Das Lied ist zu der inoffiziellen Hymne der pulsierenden Stadt im Nordosten der USA geworden. Vor allem viele junge Leute, die es aus dem ganzen Land und allen Teilen der Welt in die Stadt am Hudson zieht, kommen wegen der Herausforderungen und der Chancen, die die nie schlafende Mega-Metropole bietet. Diese liegen vor allem im Finanzsektor: Wer es in der Finanzwelt zu etwas bringen will, den zieht es an die Wall Street.
Doch das könnte sich künftig ändern. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg will die Dominanz von Wall Street in der Stadt brechen. Das auch deswegen, weil New York zu abhängig geworden ist vom Finanzsektor und dieser möglicherweise künftig nicht mehr die Wirtschaftskraft haben wird, die er heute trotz Finanzkrise noch immer hat. Bloomberg hat bereits einen sehr konkreten Plan: Er will New York zu einem zweiten Silicon Valley machen. Es soll eine Hochburg werden für Startup-Firmen im Bereich der Technologie, besonders der Informationstechnologie (IT).
Bloomberg, der die Stadt in seiner Funktion seit 2001 führt, hat dazu jüngst einen Fahrplan mit entsprechenden Massnahmen vorgestellt. Kernstück der boomenden IT-Metropole New York soll eine neue Universität von Weltrang sein. Bloomberg hat Amerikas Top-Unis und auch ausländische Kaderschmieden in dieser Woche aufgerufen, in New York einen Elite-Ableger für Ingenieure aufzubauen. Das Grundstück – entweder auf Governors Island, in der Navy Yard oder auf Roosevelt Island – gibt die Stadt gratis dazu, inklusive 100 Millionen Dollar für die den Campus umgebende Infrastruktur.
Bloomberg kann mit seinen langfristigen Plänen auf eine bestehende Startup-Szene aufbauen: Schon heute erhält New York nach dem Silicon Valley die zweitgrösste Summe an Venture-Capital-Geldern im IT-Bereich (Biotechnologie nicht enthalten) und liegt damit vor Amerikas Innovationszentrum Boston. Im New Yorker Stadtteil Chelsea und im Flatiron-District haben sich längst Hunderte von Startups und auch grösseren Internet-Firmen angesiedelt. Google etwa hat sich in Chelsea ein grosses Konzern-Standbein aufgebaut.
New Yorks Mischung aus Internationalität und seiner Kreativität ist ein wichtiger Standortfaktor. Und das Stück des Broadways, das sich durch den Flatiron-District zieht, hat in Anlehnung an das Silicon Valley bereits den Beinamen «Silicon Alley» erhalten. Mit Foursquare ist einer der gefragtesten Hot-Shots der amerikanischen Internet-Szene in New York vertreten. Der neue Elite-Campus, so hofft Bloomberg, wird die Geburtsstätte von Hunderten solcher IT-Startups sein. Der umtriebige Bürgermeister schätzt, dass in den kommenden drei Jahrzehnten mindestens 400 Unternehmen dort gegründet und 22 000 neue Jobs geschaffen werden.
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