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26. Juni 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Mit Wissenslücken umgehen können

Aus der HRM-Forschung

Mit Wissenslücken umgehen können. (Bild: istock)Zoom

Mit Wissenslücken umgehen können. (Bild: istock)

Urs Wenger, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Der Satz «Ich weiss, dass ich nichts weiss» wird dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben. Auch heute ist Wissensmanagement nicht nur der Umgang mit vorhandenem Wissen. Die Identifikation von fehlenden Informationen ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Zum Umgang mit erkannten Defiziten gibt es verschiedene Strategien. Man kann versuchen, diese Wissenslücken klar zu bezeichnen und zu schliessen. Eine andere Möglichkeit ist es, Nichtwissen zu kaschieren oder einfach zu ignorieren. Aufgrund der grossen Informationsdichte in vielen Organisationen kann die gezielte Kultivierung von bestimmten Wissenslücken aber ebenfalls ein erfolgversprechender Ansatz sein. Durch bewusstes Ausblenden gewisser Aspekte wird so Komplexität reduziert, um vorhandene Ressourcen konzentriert einzusetzen.

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Häufig wechselnde Kunden

Auch Unternehmensberatungen sehen sich aufgrund ihrer häufig wechselnden Kunden oft mit der Frage konfrontiert, eigenes Nichtwissen managen zu müssen. Aber welche konkreten Strategien zum Umgang mit diesen Wissenslücken werden in der Praxis angewendet? Michael Mohe, Juniorprofessor für Business Consulting, und der Soziologe Daniel Dorniok von der Universität Osnabrück sind dieser Frage nachgegangen. In einer Erhebung wurden 37 Berater und Wissenschafter zu diesem Thema befragt.

Ein Ergebnis der Befragung ist die diametral unterschiedliche Bewertung von Nichtwissen. Für die einen ist es lediglich ein defizitärer Zustand, dem Abhilfe geschaffen werden muss. Ein anderer Teil der Befragten sieht in einem bewussten Nichtwissen eine Chance für eine schnellere Entscheidungsfindung oder einen ergebnisoffeneren Ansatz.

Konzentration auf Stärken

Die Mehrheit der befragten Experten ist sich dennoch dahingehend einig, dass die meisten Berater ihre vorhandenen Wissenslücken nicht gern gegenüber ihren Kunden offenlegen. Ein solches Eingeständnis könnte zu Recht oder zu Unrecht die Wahrnehmung der Kompetenz und damit die Reputation des Beraters gefährden. Stattdessen wird gemäss den vorliegenden Ergebnissen die Mehrheit der Berater versuchen, die eigenen Wissenslücken durch Massnahmen wie Recherche, Training oder den Beizug von erfahrenen Kollegen zu schliessen. Auch das schlichte Ignorieren von Wissenslücken und die Konzentration auf vorhandene Stärken werden als durchaus übliche Praxis angeführt.

Gemäss den Autoren der Studie gibt es in den meisten Beratungsgesellschaften zum einen formelle Regeln zum Umgang mit Wissensdefiziten der Mitarbeitenden. Diese umfassen auch die Nutzung von Wissensmanagement-Tools der Beratungsfirma, Personalentwicklungsmassnahmen wie Training und Weiterbildung oder auch das Hinzuziehen von externen Experten. Eine ebenfalls sehr wichtige Rolle spielt zum andern das informelle Vorgehen wie Nachfragen bei Kollegen auf dem kleinen Dienstweg, die Nutzung von sozialen Netzwerken oder auch die Versetzung von «Fehlbaren» als Sanktion.


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