10. Juli 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Interkulturell und doch effizient agieren
Buch des Monats
Stephan Amstutz, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Wie lassen sich Strategien, Strukturen, Prozesse und Gruppen vor dem Hintergrund von unterschiedlichen kulturellen Kontexten entwickeln, ohne dass die Effizienz der Gesamtorganisation von solchen Massnahmen beeinträchtigt würde?
Ausgehend von der Tatsache, dass interkulturelle Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen oftmals ein isoliertes Schattendasein fristen, schlagen die beiden Sprachwissenschafter und interkulturellen Brückenbauer Christoph Barmeyer, Professor an der Universität Passau, und Professor Jürgen Bolten von der Universität Jena einen anderen Weg ein und integrieren die beiden Gebiete zu einem stimmigen Ganzen. Genauso wie Unternehmen sind auch Massnahmen zur interkulturellen Personal- und Organisationsentwicklung in spezifische kulturelle Kontexte eingebunden, die es zu berücksichtigen gilt. So lautet eine zentrale Aussage des Sammelbands.
Die Herausgeber erläutern in ihren Beiträgen die Wichtigkeit der gegenseitigen Einbindung von Personal- und Organisationsentwicklung hin zu einer erfolgreichen Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen. Diese Fertigkeiten zeigen sich beispielsweise darin, dass weltweit gültige Richtlinien, Konzepte und Methoden mit Rücksicht auf die jeweiligen kulturellen Bedingungen länderspezifisch implementiert werden, um letztlich die Effizienz der Gesamtorganisation nicht zu beeinträchtigen. Darüber hinaus sprechen weitere Gründe für die Integration von interkultureller Personal- und Organisationsentwicklung. Wer interkulturelle Aspekte mit einbezieht, meint es ernst; Personalentwicklung ist so keine Worthülse mehr.
Was im ersten Teil des Werks noch sehr theoretisch erscheint, kommt im zweiten von drei Teilen des Sammelbands immer augenscheinlicher daher. In dem Buch werden Instrumente skizziert, und es werden mögliche Anwendungsfelder praxisnah aufgezeigt. Diese Reise führt den Leser unter anderem zu Fragen rund um interkulturelle Teamentwicklung und virtuelle Zusammenarbeit sowie zu plastischen Fallbeispielen. Als prominentes Exempel wird die Vorgehensweise von Bosch angeführt, dem weltgrössten Autozulieferer.
Hochinteressant wird es im dritten Block, in welchem sich die Autoren mit Aspekten der kulturellen Spezifik sowie der Interkulturalität von Methoden im Rahmen der Personal- und Organisationsentwicklung auseinandersetzen. Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass Entwicklungen im Feld der interkulturellen Personalarbeit mit der rasch ändernden Wirklichkeit nicht Schritt zu halten vermögen. Es hat sich ein Nachholbedarf herauskristallisiert. Des Weiteren stellen die Autoren fest, dass sich die europäische Forschung in dem Bereich von den gängigen amerikanischen Theorien noch längst nicht emanzipiert hat.
Barmeyer, Bolten :Interkulturelle Personal- und Organisationsentwicklun g.Wissenschaft & Praxis, 2010. ISBN 978-3-89673-289-7, 322 S., Fr. 43.90.
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