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24. April 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Innere Kündigungen kosten Geld

Begriffe aus dem HRM - Wortgut

Wortgut Innere Kündigung (Bild: iStock)Zoom

Wortgut Innere Kündigung (Bild: iStock)

Stefania Lottanti von Mandach, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Fehlzeiten, Leistungsreduktion, Dienst nach Vorschrift. Die Ausprägungsformen einer «inneren Kündigung» bei Mitarbeitenden sind vielfältig. Die innere Kündigung ist ein schleichender Prozess und für Vorgesetzte nicht ohne weiteres wahrnehmbar. Mitarbeitende, die sich innerlich von der Firma distanziert haben, werden zu Mitläufern und fallen in der Regel nicht auf. Betroffene Angestellte nehmen bewusst ihre Leistungsbereitschaft zurück, weil sie glauben, dass ihr Einsatz nicht mehr gewünscht ist oder nichts bringt. Die Zurücknahme des Arbeitseinsatzes vollzieht der oder die Betroffene möglichst unauffällig, da sie oder er die Arbeitsstelle behalten möchte.

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Oft nicht nur ein Grund

Laut Untersuchungen sind überdurchschnittlich viele betroffene Mitarbeitende in der öffentlichen Verwaltung und in Firmen tätig, die Veränderungsprozesse durchlaufen. Ebenso erhöht sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Zahl der Mitarbeiter, die sich innerlich von ihrem Arbeitgeber distanzieren. Die Ursachen und Quellen der inneren Kündigung sind vielfältig.

Man unterscheidet dabei vier Ebenen: Sie können in der Person selbst, im unmittelbaren Arbeitsumfeld, in der Organisation oder der Gesellschaft ganz allgemein begründet sein. In der Regel ist es nicht eine einzige Ursache, die zur inneren Kündigung führt. Vielmehr ist die innere Kündigung das Resultat eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren. Mangelnde sozioökonomische Wertschätzung trotz hoher Leistungsanforderung kann genauso dazu beitragen wie fehlender Respekt seitens von Vorgesetzten und Kollegen, geringe Entscheidungsspielräume oder eine unsichere Persönlichkeit. Vermutet wird zudem, dass die innere Kündigung «ansteckend» ist: Mitarbeitende, die innerlich gekündigt haben, ziehen ihre Kolleginnen und Kollegen mit.

Die innere Kündigung verursacht eine Reihe betriebswirtschaftlicher Kosten. Ineffektiv arbeitende Mitarbeitende müssen durch zusätzliche Arbeitskräfte ausgeglichen werden. Die Personalkosten steigen. Die Kundenorientierung der betroffenen Mitarbeitenden nimmt ab, das Image bei Kunden und Geschäftspartnern leidet, was zu Umsatzeinbussen führen kann. Die Rekrutierung von engagierten Mitarbeitenden wird schwieriger. Es spricht sich herum, in welchen Unternehmen ein hohes Leistungsniveau vorherrscht und in welchen eben nicht. Die Fehlerquote erhöht sich, die Produktqualität leidet, und die Produktionskosten steigen. Und nicht zuletzt liegen bei den betroffenen Mitarbeitenden die kreativen Potenziale brach. Die Innovationsfähigkeit des Unternehmens sinkt.

Ein reversibler Prozess

Die innere Kündigung ist ein reversibler Prozess, dies bedeutet, dass Mitarbeitende zurückgeholt werden können. Standardlösungen dazu gibt es allerdings nicht. Von restriktiven Massnahmen wie einer Lohnkürzung raten Experten ab, weil sie lediglich kurzfristig wirken. Langfristig führen sie zu einer noch stärkeren Demotivation. Die Massnahmen müssen bei den jeweiligen Ursachen für die innere Kündigung ansetzen. Zeigen sie keinen Erfolg, bleiben nur noch die Versetzung oder die Kündigung des betroffenen Mitarbeitenden.


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