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2. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Ich würde gerne überall auf der Welt einmal arbeiten»

33 Fragen an Bruno Sauter, Chef des Zürcher Amtes für Arbeit und Wirtschaft

Bruno Sauter, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Zürich Zoom

Bruno Sauter, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Zürich

Interview: brk.

NZZ-Executive: Herr Sauter, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Schiffskapitän und Chirurg.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Die Person, welche den Stoff vermittelt, ist wichtiger als der Inhalt selbst. Ein Lehrer, der sein Fach nicht authentisch und kompetent vermittelt, ist wenig wertvoll. Beeindruckt hat mich unser Berufsschullehrer, der uns für Kunstgeschichte begeistern konnte.
Haben Sie als Schüler gemogelt?

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Selbstverständlich – wie alle anderen auch, im Rahmen des allgemein Tolerierten mit Spickzetteln und Ähnlichem.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute besonders stolz?
Ich habe während der Schulferien regelmässig Landdienst geleistet in Gondiswil im Kanton Bern. Das gab mir viel Bodenhaftung.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Matura und Medizinstudium.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Immer wieder haben mich wohlwollende Arbeitgeber gefördert. Ich konnte viele Aus- und Weiterbildungen berufsbegleitend absolvieren.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Es macht Freude, mit unseren Mitarbeitenden etwas zu bewegen, das dem Standort Zürich zugute kommt. Wir sind mit unseren Aufgaben am Puls des wirtschaftlichen Geschehens.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
In meiner letzten Funktion als Geschäftsführer eines Industrieunternehmens hatte ich die Firma komplett neu aufgestellt, und seither hat sie diese Struktur behalten.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Ich war ernüchtert. Nach vierjähriger Berufslehre mit Berufsmittelschule realisierte ich, dass sich die Technologie in den Unternehmen seit Beginn meiner Ausbildung verändert hatte und ich mein Wissen nur teilweise anwenden konnte.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Persönlich beantworte ich eine Handvoll. Den Rest, das sind etwa dreihundert pro Woche, kann ich glücklicherweise delegieren.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
In meiner Tätigkeit ist die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fliessend. So treffe ich verschiedene Menschen für Besprechungen nach Büroschluss oder referiere auch gelegentlich an Veranstaltungen.
An welchem Ort können Sie am besten arbeiten, und warum?
Im Büro. Dort bin ich von vielen kompetenten Leuten umgeben.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie noch gerne tätig?
In Italien und Frankreich. Eigentlich würde ich gerne praktisch überall auf der Welt einmal arbeiten wollen.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts.
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
2600 Franken mal dreizehn als technischer Verkaufsberater im Handel mit Industrie-Ventilatoren.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Erstens: Gesundheit und Glück. Zweitens: eine gute Portion Hartnäckigkeit. Drittens: Fleiss und Ehrgeiz.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Ich war früher im Verbandsvorstand einer sozialen Institution. Aus einem Rechtsstreit habe ich gelernt, dass man das Motiv seiner Gegenpartei sehr gut kennen muss, wenn man gegen sie antritt.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Authentizität, Entscheidungswille und Vorbildfunktion.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
All jene, die sich in ihrer Freizeit mit Freiwilligenarbeit für unsere Gesellschaft engagieren.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn ich Verantwortung übernehmen muss, ohne die entsprechenden Kompetenzen zu haben, etwas zu verändern.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Über die Regulierungswut und die Lust, alles bis auf die dritte Kommastelle zu definieren.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an Mitarbeitenden?
Die Eigenschaft, innovativ zu sein und immer wieder Neues auszuprobieren.
Wie stellen Sie Ihre Work-Life-Balance sicher?
Ich mache regelmässig Sport. Und ich kann den Moment geniessen. Zum Beispiel ein gutes Essen oder ein Fussballspiel mit meinem Sohn.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Für mich sind alle wichtig: Verbände und Gewerkschaften genauso wie die Arbeitgebervertreter. Diese Kontakte helfen mir, ein differenzierteres Bild über verschiedene Fragestellungen zu erhalten.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürger?
Die zunehmende, vor allem finanzielle Belastung des Mittelstandes. Gleichzeitig verabschiedet sich dieser Mittelstand immer mehr vom politischen Entscheidungsprozess.
Ihre grösste Tugend?
Verlässlichkeit. Ich sage das, was ich denke, und ich mache das, was ich sage.
Ihr grösstes Laster?
Meine Begeisterung für Motorenstärke.
Ihr Lieblingsbuch?
«Der Zauberberg» von Thomas Mann. Die verdichtete Schilderung einer Stimmung und eines Ortes fasziniert mich.
Ihr Lieblingsfilm?
«Breakfast at Tiffany's». Natürlich wegen Audrey Hepburn.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Tausend und eines! Zum Beispiel mit dem Motorrad um Italien fahren. Auf den Kilimandscharo steigen. Oder einen Sprachaufenthalt in Südfrankreich machen.

Bruno Sauter

Bruno Sauter, 45, ist seit 1995 Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit im Kanton Zürich. Zuvor hatte er hatte er verschiedene Führungspositionen in der Industrie sowie im Bereich Dienstleistungen und Investitionsgüter. Begonnen hat er seine Karriere mit einer Berufslehre als Maschinenmechaniker. Nach Berufsmittelschule und Handelsschule studierte er berufsbegleitend Betriebsökonomie und Ökologie. Später absolvierte er einen Executive MBA in «Leadership and Ethics». Sauter ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich ist mit rund 800 Mitarbeitenden das grösste Amt der Volkswirtschaftsdirektion. Das AWA bringt Stellensuchende und Arbeitgeber zusammen und setzt sich für gute Arbeitsbedingungen in den Betrieben ein.


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1 Leserkommentar:
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Theo Müller (4. Juli 2011, 23:03)
Fehlende Information zu Hrn. Sauter

Herr Sauter ist auch noch Gemeindepräsident von Maur ZH.
Bitte um Kenntnisnahme.
Th.Müller, Maur

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