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20. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Ich blockiere genug «kleine Inseln» in meinem Terminkalender»

33 Fragen an Gräfin Bettina Bernadotte, Geschäftsführerin der Mainau GmbH

Gräfin Bettina Bernadotte, 37, ist seit 2007 Geschäftsführerin der Mainau GmbH. Zoom

Gräfin Bettina Bernadotte, 37, ist seit 2007 Geschäftsführerin der Mainau GmbH.

Interview: nan.

NZZ-Executive: Gräfin Bernadotte, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Da ich als Kind gerne bei den Hasen und Ziegen auf unserem kleinen Mainau-Bauernhof war, wollte ich Tierärztin werden. Bei den Tieren war immer etwas los.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Eine 5–6 – im deutschen Notensystem – in meinem Lieblingsfach Französisch.

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Haben Sie als Schülerin gemogelt?
Ja.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Obwohl ich nicht ausserordentlich musikalisch bin, schaffte ich es, im Schulorchester die erste Geige zu spielen.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Eine Ausbildung zur Mediatorin würde mich reizen.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Mein Coach im Prozess des Generationenwechsels in der Führung der Mainau GmbH.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Dass ich viel mit der Natur und mit Menschen zu tun habe, wodurch meine Tätigkeiten sehr abwechslungsreich werden. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb ich mich bewusst für diesen Beruf entschieden habe.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Das ist der Turnaround mit der Mainau GmbH.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Ich habe genau erklärt, was ein DHBW-Studium ist. Die DHBW ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg. Das Studium verbindet Theorie mit Praxisphasen in einem Unternehmen, wodurch praktische Inhalte im Unternehmen direkt angewendet und somit im Alltag vertieft werden können.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Rund 50.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
9.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Im Büro kann ich fleissig sein. Kreativ bin ich eher draussen, wo mich die Umgebung entsprechend beeinflusst.
In welchen Ländern waren Sie bisher tätig?
Ich habe bisher in Schweden und natürlich in Deutschland gearbeitet.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Im Bereich der Mitarbeiterführung.
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
Im Jahr 2000 habe ich 4000 D-Mark für meine Tätigkeit als Projektmanagerin bekommen.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Engagement, Begeisterung und Echtheit.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Beim Eventmanagement habe ich für den ersten Spielort komplett die Technik vergessen. Es ist wichtig, sorgfältig zu arbeiten, denn Routine kann gefährlich sein.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Kompetenz, Menschlichkeit, Entscheidungsfähigkeit.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Der Dalai Lama.
Wer ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Alfred Ritter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Ritter Sport. Er lebt nachhaltige Werte, schätzt seine Mitarbeiter, und sein Familienunternehmen setzt auf Kontinuität und Innovation.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
In Problemsituationen, in denen es mir nicht gelingt, bei den Betroffenen ein Problembewusstsein zu schaffen.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Es werden sehr viele Mails herumgeschickt. Ich versuche, nur die wichtigen zu lesen und zu beantworten.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Offenheit, Begeisterung, Engagement, Humor.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Ich blockiere genug «kleine Inseln» in meinem Terminkalender und geniesse diese bewusst. Es ist wichtig, zu versuchen, eine Sache immer bewusst zu tun. Was nützt es, wenn man beim Arbeiten denkt, dass man jetzt bei der Familie sein könnte, oder wenn man bei einer Freizeitaktivität mit der Familie mit dem Kopf bei der Arbeit ist.
Welche Netzwerke nutzen Sie beruflich?
Ich nutze entsprechende Erfahrungsaustauschgruppen, Verbände und Arbeitskreise.
Welche persönliche Freiheit fehlt Ihnen?
Keine.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
Das Hin und Her in der Politik und der Gesetzgebung. Es gibt leider zu wenig Kontinuität.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Leider oft, mein guter Vorsatz für jedes Jahr ist es, das zu ändern.
Ihre grösste Tugend?
Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen.
Ihr grösstes Laster?
Ich liebe Schokolade.
Ihr Lieblingsbuch?
Dalai Lama, «Das Buch der Menschlichkeit».
Ihr Lieblingsfilm?
«Shoppen» des deutschen Regisseurs Ralf Westhoff von 2007 ist ein sehr lustiger Film mit vielen unterschiedlichen Charakteren.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Ich kaufe alles selbst ein, am liebsten in kleinen Läden und auf dem Markt.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Den Weg zur eigenen Balance weiter erfolgreich gehen.

Gräfin Bettina Bernadotte

Gräfin Bettina Bernadotte, 37, ist seit 2007 Geschäftsführerin der Mainau GmbH. Davor war sie drei Jahre als Prokuristin in dem von ihren Eltern geführten Unternehmen tätig gewesen.

Die schwedische Staatsbürgerin wuchs auf der Insel Mainau auf. Sie studierte Kunstgeschichte in Madrid, dann Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus an der Berufsakademie Ravensburg. In Verbindung damit war sie im Europapark Rust im Projektmanagement tätig. Vor ihrer Rückkehr auf die Mainau arbeitete sie als Unternehmensberaterin. Bernadotte ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die Mainau GmbH betreibt auf der Insel Mainau das grösste touristische Unternehmen am Bodensee. Sie erzielt rund 20 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und beschäftigt ganzjährig 150 Personen, in der Blumensaison 300.


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