25. Juni 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Frauen erhöhen die kollektive Intelligenz
Aus der HRM-Forschung
Pamela Bethke-Langenegger, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Über die Leistung von Teams ist schon zahlreich geforscht und berichtet worden. So scheint seit langem bekannt zu sein, dass bestimmte Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften einen entscheidenden Einfluss auf die Gruppenleistung ausüben.
Die Forschungsbemühungen der Arbeitsgruppe um die beiden Professoren Anita Woolley (Assistenzprofessorin für Organizational Behaviour and Theory an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, USA) und Thomas Malone (Professor für Management an der MIT Sloan School of Management in Cambridge, USA) bereichern die bisherigen Erkenntnisse, indem sie die kollektive Intelligenz einer Arbeitsgruppe untersucht haben. In ihrer Forschungsarbeit zeigen die Autoren, dass zwischen der kollektiven Intelligenz einer Gruppe und der individuellen Intelligenz der einzelnen Gruppenmitglieder nur ein schwacher Zusammenhang besteht, jedoch dessen ungeachtet der Anteil der Frauen im Team für die kollektive Intelligenz ausschlaggebend ist.
Frauenanteil gibt Ausschlag
Für ihre Untersuchung mussten 18- bis 60-jährige Personen standardisierte Intelligenztests durchführen, damit der individuelle Intelligenzquotient (IQ) erfasst werden konnte, bevor die Probanden per Zufallsprinzip einer Gruppe zugeordnet wurden. Diese Arbeitsgruppen mussten neben dem Lösen eines komplexen Problems verschiedene kleinere Aufgaben ausführen, die auch Tätigkeiten wie Brainstorming oder Entscheidungsfindung umfassten. Entsprechend den erreichten Gruppenleistungen wurden Punkte für die kollektive Intelligenz vergeben. Erstaunlicherweise erhielten nun nicht diejenigen Teams die höchsten Punktzahlen, welche aus Mitgliedern mit höheren Intelligenzquotienten bestanden, sondern jene Gruppen, deren Frauenanteil höher war. Dies führt unweigerlich zur Frage, ob bis heute der Beitrag intelligenter Personen zum Teamerfolg überbewertet wurde oder ob Frauen tatsächlich den Schlüssel zum Erfolg eines Teams darstellen.
Soziale Sensitivität
Wie die beiden Professoren bemerken, ist eine gewisse heterogene Zusammensetzung der Gruppe für den Erfolg eines Teams immer noch ausschlaggebend. Gemischte Gruppen aus Männern und Frauen sind für das Erreichen von Hochleistungen zielführender als reine Frauengruppen. Trotzdem schliessen die Autoren aus ihrer Forschungsarbeit, dass insbesondere ein Faktor für die Gruppenleistung ausschlaggebend ist: namentlich die soziale Sensitivität, und diese ist, wie frühere Studien zeigen, bei Frauen ausgeprägter entwickelt als bei Männern.
Anreize zur Zusammenarbeit
Für die Arbeitswelt geben die vorliegenden Forschungsresultate Anstoss, die zugrunde liegenden Erfolgsfaktoren für Teamleistungen zu überdenken. Denn während der individuellen Intelligenz Grenzen gesetzt sind, kann die kollektive Intelligenz durch die Zusammensetzung der Gruppenmitglieder oder durch Anreize zur Zusammenarbeit stark beeinflusst werden.
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