4. September 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Fragen Sie Ihren Vorgesetzten
Buch des Monats
Urs Wenger, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Was macht ein Mitarbeiter, wenn er nicht mehr weiterweiss? Natürlich, er fragt seinen Chef. Das Prinzip der offenen Tür wird in vielen Unternehmen gepflegt. Auch fühlen Führungskräfte sich oft geschmeichelt, wenn Unterstellte ihren Rat oder ihre Fachkompetenz einholen möchten. Und ehe sich der Chef versieht, hat er die Aufgabe seines Untergebenen selbst wieder auf dem Schreibtisch. Management-Coach Dr. Jan R. Edlund bezeichnet diese Art von rückdelegierten Aufgaben als «Monkeys», also Affen, und tauft den Umgang damit folgerichtig «Monkey-Management». Edlund skizziert im gleichnamigen Buch den Arbeitsalltag von Führungskräften auf eine Weise, die vielen Managern und ihren Mitarbeitern bekannt vorkommen dürfte. Der Vorgesetzte ist sehr stark mit vielen kleinen Problemen belastet, die eigentlich nicht seiner Stufe entsprechen.
Übersicht geht verloren
Der Autor identifiziert einen Grund für dieses weitverbreitete Phänomen: Viele Führungskräfte verteilen zwar gerne Aufgaben und sind grundsätzlich in der Lage zu delegieren, aber sie rüsten den beauftragten Unterstellten nicht mit genügend Kompetenz und Verantwortung aus, damit der den Auftrag erfolgreich zu Ende bringen kann. Wenn der Vorgesetzte stets die Kontrolle auch über Kleinigkeiten sucht, passieren zwei Dinge: Die Führungskraft muss jeden Handschlag ihrer Leute kontrollieren und verzettelt sich im Tagesgeschäft. Als Konsequenz geht die strategische Übersicht verloren.
Der Mitarbeitende auf der anderen Seite verfällt in einen Zustand der erlernten Hilflosigkeit und konsultiert den Vorgesetzten in der Folge immer häufiger auch wegen Lappalien. Die Auswirkungen sind aber für die Führungskräfte gravierender als für die Mitarbeitenden. Der steigende Stress und die hohe Arbeitsbelastung führen oft nicht nur zur Überforderung, sondern auch zu ernsten gesundheitlichen Problemen – mancher Manager bricht unter der Last der ihm aufgebürdeten «Affen» zusammen. Als besonders unangenehm erweist sich die Tatsache, dass einem Chef, der bereits einen hübschen Rucksack voller Monkeys gesammelt hat, die Zeit fehlt, den Teufelskreis zu durchbrechen. Denn die Erkenntnis, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist, genügt oft nicht, um den Zustand zu ändern.
Erfrischend humorvoll
Das Buch «Monkey-Management» richtet sich an Manager und Führungskräfte, die verhindern wollen, dass ihr Zeitmanagement ausser Kontrolle gerät, oder solche, die diesen Zustand wieder korrigieren möchten. Sympathisch und besonders erfrischend am vorliegenden Buch ist der humorvolle, aber dennoch sachliche Ton, in welchem der Autor auf die vorliegende Problemstellung eingeht.
Jan R. Edlund: Monkey Management: Wie Manager in weniger Zeit mehr erreichen. Monsenstein und Vannerdat, 2010. ISBN 3-86991-038-0, 300 S., Fr. 73.–.
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