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28. Mai 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Fotograf: Präzise Vorarbeit verhindert Zufallsergebnisse

Berufswelt der Technik

Fotograf: Präzise Vorarbeit verhindert Zufallsergebnisse Zoom

Fotograf: Präzise Vorarbeit verhindert Zufallsergebnisse

Guy A. Lang

Fotografieren ist eine Tätigkeit, die alle können und die alle ausüben. Ob eigene Kinder oder Bekannte, ob in den Ferien oder bei Familienfesten, ob als Schadensdokumentation oder Reiseerinnerung – aufs Bild gebannt wird überall. Mit einer Kamera und immer öfter mit dem Handy. «Der Unterschied zwischen Amateur und Profi besteht darin, dass ein <normaler> Mensch einfach drauflosknipst, während ein Berufsfotograf erst genau hinschaut und sich überlegt, wie er das Objekt darstellen will», erklärt Mark Leippert. Er ist Inhaber eines Fotostudios. Das Beispiel eines Autos dient ihm zur Verdeutlichung: «Was spiegelt sich in der Scheibe des Wagens? Soll ich die Strasse mit Wasser benetzen, um das Fahrzeug zu betonen?»

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«Komponieren»

Die Arbeit vor der Kamera ist entscheidend für eine gute Aufnahme. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob ein Mensch oder ein Gegenstand abgelichtet wird. Wichtig sind die Beobachtungsgabe und die Sensibilität des Fotografen. Beim «Komponieren» des Bildes wird der Ort festgelegt, um die Bildaussage des Motivs zu unterstützen. Dazu gehört der entsprechende Hintergrund genauso wie das Licht. Leippert: «Eine besondere Herausforderung sind beispielsweise Aufnahmen eines Gegenstandes aus Chrom für einen Prospekt.» Das Material selber hat keine eigene Farbe, es lebt vom Reflex der Umgebung. «Die Klärung der Frage, wie weiss das Weiss sein darf, damit das zylinderförmige Objekt eine klare Kontur behält und sich kein Hilfsmittel darin spiegelt, bedarf präziser Vorbereitungen.» Bei einer Session im Freien ist oft Geduld nötig, bis die Wetterverhältnisse optimal sind und der gewünschte Schatten seine Graustufen verteilt. Im Atelier werden Lichtstimmungen und Effekte bewusst gewählt. Das können Scheinwerfer mit einem harten Licht und exaktem Schlagschatten sein oder schwache Lampen mit Weichzeichner, welche fliessende Übergänge zaubern.

«Photoshop» sei Dank

Zur Vorarbeit gehört auch die genaue Vorstellung des Ergebnisses, wie auch der Fotograf Jürg Fausch bestätigt. «Will jemand eine Landschaft, in der auf der rechten Seite ein eindrücklicher Baum steht, und ist es aus naturgegebenen Umständen nicht möglich ist, das aufzunehmen, muss ich den Baum später einmontieren.» Das bedingt, dass der Fotograf bei den Einzelaufnahmen darauf achtet, gleiche Lichtverhältnisse zu haben. Dank ausgereiften Computerprogrammen wie «Photoshop» ist das kein Problem, digitale Bilder können am Bildschirm nachbearbeitet werden. «Das ist sehr effizient», sagt Leippert, «ich muss nicht warten, bis ich die Aufnahmen vom Labor hole und dann erst sehe, was nicht gut ist.» So kann er ein Staubkorn, das er vor einer Aufnahme auf dem Objekt übersehen hatte, mühelos wegretuschieren. Auch ob er für die Aufnahme eine halbe oder eine drittel Blende mehr oder weniger genommen habe, sei egal, aufhellen könne er immer.

Auf der technischen Seite ist die Arbeit mit der digitalen Kamera wesentlich einfacher als mit einem Film. Man kann auf dem Set dem Kunden gleich einen Entwurf zeigen; gefällt er nicht, wird er gelöscht, sonst wird darauf aufgebaut. Fausch: «Für den Film habe ich grosse Wertschätzung. Ich kann meine gesamte Berufserfahrung einbringen, um mit möglichst wenig Versuchen ein überzeugendes Resultat einzubringen.» Gerade bei Aufträgen für eine Gruppenfoto seien die Möglichkeiten ideal. Mark Leippert: «Früher musste ich fünfzig Mal abdrücken, bis ich ein nahezu perfektes Bild hatte. Heute reichen wenige Aufnahmen.» So wird beispielsweise der Kopf einer Person, welche die Augen geschlossen hat oder sonst schief in die Gegend starrt, ausgetauscht. Diese Bildschirmarbeit bedeutet allerdings nicht, dass alles möglich ist.

Kein Platz für den Zufall

«Die Vorarbeit, technisches Know-how und Kreativität sind nach wie vor die wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Aufnahme», ist Leippert überzeugt. Denn im Studio darf es keinen Zufall geben. Spontane Schnappschüsse hingegen haben immer eine spezielle Stimmung oder einen aussergewöhnlichen Ausdruck. Sie können einem Hobbyfotografen ebenso gelingen wie einem professionellen Fotografen. Auf die Unterschiede angesprochen, meint Fausch mit einem Augenzwinkern: «Der Profi hat am Dienstagvormittag Zeit, der Amateur nur am Wochenende.»

«Vorarbeit, technisches Know-how und Kreativität sind nach wie vor am wichtigsten für eine gute Aufnahme.»

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