28. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Feilschen um des Feilschens willen ärgert mich»
33 Fragen an Stefan Steger, Geschäftsführer Korn/Ferry Schweiz AG


Stefan Steger, Geschäftsführer Korn/Ferry Schweiz AG
Interview: nan.
NZZ-Executive: Herr Steger, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Skirennfahrer, wie Franz Klammer! Das schien mir damals der Idee eines erfolgreichen Menschen am nächsten zu kommen.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Dass man vor allem danach trachten sollte, sich auf Freundschaften zu konzentrieren, wenn man glücklich sein will.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Ein solches ist mir Gott sei Dank erspart geblieben.
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Haben Sie als Schüler gemogelt?
Ich habe sicherlich ab und zu versucht, das Ergebnis meiner schulischen Anstrengungen zu optimieren . . .
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Ein relativ guter 10-Kämpfer gewesen zu sein. Ohne besonderes Talent, dafür mit grossem Willen.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Tischler.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Mein Vater. Er hat mich in schwierigen Zeiten immer wieder zu grösserer Gelassenheit geführt. Ich konnte dadurch wichtige Entscheidungen besser treffen.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Dass ich wesentlich zum Erfolg von Unternehmen beitragen kann, indem ich erkenne, welche Führungsqualitäten notwendig sind. Eine immer wieder enorm spannende und sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dass es mir in einem börsenkotierten Unternehmen gelungen ist, Osteuropas komplexe Geografie als Markt abzubilden und erfolgreich zu positionieren.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
Dass ich die Stelle unbedingt haben wollte. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich es versäumt hatte, ausreichend zu prüfen, ob das Unternehmen und der Job wirklich zu mir passen.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
200 bis 300.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
Zehn.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Erstaunlicherweise kann ich im Flieger stets sehr effektiv arbeiten. Wahrscheinlich, weil die permanenten Unterbrechungen durch Online-Kommunikation wegfallen.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
In den USA, Frankreich, England, Österreich und der Schweiz. Russland würde mich reizen.
Ihre letzte Weiterbildung?
Ich habe Russisch gelernt.
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
Ungefähr 10 000 Schilling, etwa 1200 Franken zum damaligen Wechselkurs. Das war 1991, als Praktikant an einem österreichischen Bezirksgericht.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Integrität, Hartnäckigkeit und positives Denken.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Aus einem persönlichen: Das Zerbrechen einer wichtigen Freundschaft hat mir die Bedeutung des Vergeben-Könnens vor Augen geführt. Ich bin heute viel versöhnlicher.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Hohe Selbstdisziplin, die Fähigkeit, stets die wesentlichen Zusammenhänge aufzeigen zu können, und eine positive Lebenseinstellung.
Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, weil er trotz den schwierigen Spielregeln in der Politik wirkliche inhaltliche Akzente für Österreich gesetzt hat.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn der Zeitdruck in Projekten unnötig erhöht wird.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Feilschen um des Feilschens willen. Solche Situationen versuche ich zunehmend sportlich zu nehmen und erlaube es mir, auch mal «abzuwinken».
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Realitätssinn, wenn sie Lösungsvorschläge auf den Tisch legen und mich konstruktiv fordern.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Mit Familie, Sport und mit Sport mit der Familie.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Ich bin Rotarier und pflege mein Netzwerk als Alumnus des IMD in Lausanne.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Mich in nicht professionelle Themen vertiefen zu können, ohne auf die Zeit achten zu müssen. Ich finde es zum Beispiel faszinierend, aktuelles Zeitgeschehen aus einem historischen Kontext heraus zu betrachten und geschichtlichen Zusammenhängen nachzuspüren.
Was stört Sie als Staatsbürger?
Der Opportunismus in der Politik.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Zu oft.
Ihre grösste Tugend?
Hartnäckigkeit. Ich erreiche meine Ziele häufig.
Ihr grösstes Laster?
Desserts. An einer guten Gelateria komme ich nur schwer vorbei.
Ihr Lieblingsbuch?
«Owen Meany» von John Irving. Wie es Irving darin gelingt, Motive nahezu unbemerkt zu entwickeln, um sie dann gekonnt miteinander zu verbinden und schliesslich in einem Streich aufzulösen, ist genial.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Sportsachen, vor allem Fahrräder. Selbstverständlich stets bei meinem Lieblingshändler in einem kleinen österreichischen Ort.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Einen 7000er mit den Ski zu bewältigen, ist ein grosses Ziel.
Stefan Steger
Stefan Steger, 42, ist seit 2010 Managing Director von Korn/Ferry Schweiz. Der gebürtige Österreicher war vorher zehn Jahre beim Executive-Search-Unternehmen Heidrick & Struggles tätig, unter anderem als Managing Partner für Zentral- und Osteuropa. Davor leitete er eine Schweizer Tochtergesellschaft der Industriegruppe VA Tech und war bei der Bank Austria in London sowie als Notar tätig. Steger hat in Jus doktoriert und an der IMD Lausanne einen MBA erworben. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Korn/Ferry ist ein weltweit führendes Executive-Search-Unternehmen. Gegründet 1969, ist es heute mit Hauptsitz in Los Angeles in über 40 Ländern vertreten. In der Schweiz beschäftigt es rund 30 Mitarbeitende. Zürich soll in den nächsten Jahren zum europäischen Hauptsitz ausgebaut werden.
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