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27. März 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Evidenzbasiertes Management

Beriffe aus dem HRM - Wortgut

Wortgut: Evidenzbasiertes Management (Bild: istock)Zoom

Wortgut: Evidenzbasiertes Management (Bild: istock)

Eva-Maria Aulich, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Menschen führen Menschen, gestalten Prozesse, entwickeln Systeme wie Vergütungssysteme – doch auf welcher Grundlage tun sie das? Wie entscheiden sie, welcher Führungsstil, welcher Prozess, welches Vergütungssystem optimal ist? Häufig orientieren wir unser Handeln an dem anderer – meist erfolgreicher – Menschen. Oder wir handeln so, wie wir es immer getan haben – mehr oder weniger erfolgreich. Doch würden Sie sich von einem Arzt behandeln oder von einem Anwalt vertreten lassen, der Sie nach diesen Grundsätzen therapiert oder rechtlich vertritt? Die meisten Menschen würden diese Frage wohl verneinen. Vielmehr würden Sie erwarten, dass sowohl der Arzt als auch der Anwalt gemäss dem aktuellen Stand des Wissens handeln.

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Gerade deshalb ist es jedoch umso unverständlicher, dass bei praktizierenden Betriebswirtschaftern keine Orientierung an dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung gefordert wird. Im Gegenteil: Häufig wird der Nutzen betriebswirtschaftlicher Forschung per se angezweifelt. Was die Folge des Ignorierens wirtschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse sein kann, zeigen die noch immer andauernde Wirtschaftskrise und der Umgang mit ihren Folgen.

Immer nachdrücklicher fordern nun auch Wissenschafter der Betriebswirtschaft, dass das, was in der Medizin bereits «state of the art» ist, auch für die Managementpraxis gilt: der Grundsatz des evidenzbasierten Handelns beziehungsweise – im organisationalen Kontext – des evidenzbasierten Managements. Evidenzbasiertes Management heisst, dass Managemententscheidungen und betriebswirtschaftliche Praktiken auf der besten verfügbaren und wissenschaftlich geprüften Evidenz basieren. Empirische Studien zeigen, dass sich ein dem gemässes Handeln positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt.

Die Forderung nach evidenzbasiertem Management bringt aber auch hohe Anforderungen an die potenziellen Anwender mit sich: So sind eine laufende Aktualisierung des Kenntnisstandes, hohe kognitive Fähigkeiten sowie die Fähigkeit, theoretisches Wissen in der Praxis umzusetzen, notwendig. Eine Schwierigkeit ergibt sich aber auch daraus, dass oftmals keine geeigneten oder keine zu dem Unternehmen und der speziellen Situation passenden Daten zur Verfügung stehen. Um dennoch evidenzbasiert zu handeln, können Manager eigene Forschung nach wissenschaftlichen Standards betreiben, beispielsweise in Form von Erhebungen und Experimenten. Evidenzbasiertes Management erfordert jedoch auch aufseiten der Wissenschaft ein Umdenken: Es reicht nicht aus, anwendungsorientierte Forschung zu betreiben – die Erkenntnisse müssen auch anwendergerecht formuliert und zugänglich gemacht werden.

Evidenzbasiertes Management kann als wissenschaftskonsistentes Handeln verstanden werden, wobei das Handeln sowohl auf vorliegende qualitative oder quantitative Daten als auch auf eigene wissenschaftliche Erkenntnisse und Untersuchungen gestützt sein kann. Das Gegenteil von evidenzbasiertem Management ist Handeln gemäss Intuition, Gefühlen, Volksweisheiten, Brauchtum, Hörensagen und Ritualen sowie die Anwendung ungeprüfter Best Practices und das blinde Kopieren des Verhaltens anderer.


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