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30. Oktober 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Ein guter Chef stellt sich selber in Frage

Buch des Monats

Robert I. Sutton: Der Chef-Faktor. Zoom

Robert I. Sutton: Der Chef-Faktor.

Philippe Mahler, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

In den meisten Arbeitsverhältnissen ist man den Entscheidungen und Launen eines Vorgesetzten direkt oder indirekt ausgesetzt. Ebenso haben die meisten Mitarbeitenden auch schon die Erfahrung gemacht, dass der eine oder andere Vorgesetzte einem besser zusagte oder einfach ausgedrückt der bessere Vorgesetzte war. Was sind aber nun die Geheimnisse, die einen guten von einem schlechten Vorgesetzten unterscheiden? Dieser Frage ging Robert I. Sutton in seinem Buch «Der Chef-Faktor» nach.

Erfolge ermöglichen

Robert I. Sutton ist Professor für Science und Engineering an der Universität Stanford. In seiner Forschung befasst er sich mit Führungspersönlichkeiten und Chefs, Innovationen, evidenzbasiertem Management und der Zusammenarbeit innerhalb von Organisationen. In seinem neuen Buch, welches in neun Kapitel gegliedert ist, trägt der Autor Ergebnisse aus seiner Forschung und seiner Erfahrung zusammen, wie sich ein guter von einem schlechten Vorgesetzten unterscheidet. Im ersten Teil des Buches geht es mitunter darum, darzulegen, wie ein guter Vorgesetzter denkt und handelt. So formuliert Sutton zu Beginn des ersten Kapitels Fragen, die sich ein guter Chef ständig von neuem stellen sollte. Beispielsweise, ob er seinen Direktunterstellten den Rücken stärkt – und ob er ihnen kleine Erfolge ermöglicht.

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Im zweiten Teil beschreibt der Autor Eigenschaften von Vorgesetzten – und wie sich der gute Chef vom schlechten unterscheidet, so zum Beispiel im dritten Kapitel mit dem Titel «Streben nach Weisheit». Vorgesetzte bewegen sich immer am Rande der Selbstüberschätzung. Ein guter Vorgesetzter versteht es aber, sich mit einer gesunden Dosis an Selbstzweifel und Demut vor Arroganz und Eigensinnigkeit zu schützen. Oder wodurch sich ein weiser Vorgesetzter auszeichnet: Es geht darum, dass ein guter Vorgesetzter starke Überzeugungen hat, diese aber immer wieder neuen Fakten gegenüberstellt, was dazu führen kann, dass er seine Überzeugung anpasst. Dies im Gegensatz zu einem schlechten Vorgesetzten.

Im letzten Teil zieht der Autor ein Fazit. Der Erfolg als Vorgesetzter hängt demnach davon ab, dass der Vorgesetzte weiss, wie er auf seine Unterstellten wirkt und was die Untergebenen über ihn denken. Der einzige Weg, ein guter Vorgesetzter zu werden und zu bleiben, ist das hartnäckige Bestreben, eines nach dem anderen gut zu machen – und dies in kleinen Schritten.

Anschauliche Beispiele

Das Buch «Der Chef-Faktor» ist einfach zu lesen, mischt Erfahrungen und Forschungsergebnisse mit anschaulichen Beispielen und ist so für Praktiker wie auch für einen eher wissenschaftlich orientierten Leser interessant.

Robert I. Sutton: Der Chef-Faktor. Carl-Hanser-Verlag, München 2010. ISBN 978-3-446-42328-2, 256 S., Fr. 29.90.


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