11. Dezember 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Eifersucht am Arbeitsplatz
Aus der HRM-Forschung
Anja Feierabend, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich
Eifersucht ist eine zutiefst menschliche Regung, die schon Kleinkinder an den Tag legen und welche die Mehrheit von uns ab und zu verspürt. Eifersucht bezieht sich auf eine potenzielle oder tatsächliche Bedrohung einer Beziehung zu einer anderen Person durch einen Rivalen. Meist wird Eifersucht mit romantischen Beziehungen in Verbindung gebracht. Sie kann jedoch auch in anderen Situationen auftreten, wie etwa am Arbeitsplatz. Diese Form von Eifersucht wird als «platonische Eifersucht» bezeichnet und tritt beispielsweise auf, wenn ein Arbeitskollege vom Chef bevorzugt behandelt wird.
Woher aber kommt Eifersucht? In der Evolutionsforschung wird angenommen, dass Eifersucht aus einem evolutionären Trieb entstanden ist, der die Überlebenschancen des Eifersüchtigen erhöht. So sollen Männer in der Steinzeit Eifersucht entwickelt haben, um «Kuckuckseiern» vorzubeugen, während Frauen die Emotion verwendeten, um die Bindung zum «Familienernährer» aufrechtzuerhalten. Es wird demnach davon ausgegangen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede beim Hervorrufen von Eifersucht bestehen.
Inwieweit geschlechtsspezifische Unterschiede beim Auslösen von Eifersucht auch heutzutage am Arbeitsplatz existieren, interessierte die Forschungsgruppe um Abraham Buunk, Professor für evolutionäre Sozialpsychologie an der Universität Groningen. Die Forscher fragten Berufstätige, auf was sie eifersüchtig wären, wenn sie Interesse an einer bald frei werdenden Führungsposition hätten, es aber einen weiteren interessierten Arbeitskollegen gäbe, der ebenfalls genügend qualifiziert wäre, jedoch in letzter Zeit zusätzlich von ihrem Vorgesetzten bevorzugt behandelt würde. Teilnehmerinnen wurde dabei gesagt, dass es sich um eine Rivalin handele, männlichen Probanden, dass es sich um einen Kollegen handele.
Die Befragung ergab, dass sowohl Männer als auch Frauen eifersüchtig auf Persönlichkeitsmerkmale wie sozialen Einfluss, Autorität und soziale Kompetenzen waren. Geschlechtsunterschiede gab es hingegen hinsichtlich physischer Merkmale. So wurde die Eifersucht der Frauen viel eher angestachelt, wenn die Rivalin attraktiv war. Männer reagierten hingegen vermehrt eifersüchtig, wenn ihr Rivale als körperlich stark galt. Buunk erklärt diese geschlechtsspezifische Reaktion mit Hilfe der Evolutionstheorie. Nicht alle unsere durch die Evolution entwickelten Verhaltens- und Gefühlsreaktionen sind optimal auf unser heutiges Umfeld abgestimmt. Während früher körperlich starke Nebenbuhler und attraktive Rivalinnen tatsächlich die eignen Überlebenschancen mindern konnten, sind im heutigen Arbeitskontext diese Merkmale weniger relevant.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Eifersucht nutzenminimierend, da sich das Betriebsklima verschlechtert und Mobbing und Kündigungsabsichten die Folge sein können. Um Eifersucht am Arbeitsplatz nicht unnötig zu provozieren, sind laut Buunk die Vorgesetzten gefragt. So ist es beispielsweise essenziell, eine offene Kommunikationskultur zu pflegen und Beurteilungssysteme offenzulegen.
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