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2. Oktober 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Das irrationale Verhalten

Buch des Monats

Linda Pelzmann: Wirtschaftspsychologie. Zoom

Linda Pelzmann: Wirtschaftspsychologie.

Stephan Amstutz, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

«Fünfzig Prozent der Wirtschaft sind Psychologie», sagte einst Ludwig Erhard, der erste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland. Linda Pelzmann erklärt in ihrem Werk «Wirtschaftspsychologie» das irrationale Verhalten von Marktteilnehmern. Die Integration von psychologischen Gesichtspunkten bei der Analyse des menschlichen Verhaltens in wirtschaftlichen Prozessen hat in der Österreichischen Schule der Nationalökonomie eine lange Tradition und geht letztlich bis auf Joseph Schumpeter zurück. Die Autorin, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Universität Klagenfurt, reiht sich nahtlos in diese Tradition ein.

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In der klassischen Ökonomie wurden Krisen als Reaktion auf die durch wirtschaftliche Entwicklung verursachten Störungen des stationären Gleichgewichts einer Volkswirtschaft angesehen. Dieses Gleichgewicht wurde aber letztlich durch selbstheilende Marktkräfte immer wieder neu geschaffen. Ausgehend von dieser Erkenntnis, die nach Pelzmann zu kurz greift, untersucht sie das Phänomen des irrationalen Handelns im psychologischen Kontext von Erwartungen, Zuversicht und Vertrauen.

Der Leser erfährt beispielsweise, dass Menschen bei Entscheidungen aufgrund unvollständiger Informationen nach Orientierungshilfen suchen (beispielsweise sehnen wir uns im Privat- und im Geschäftsleben in turbulenten Zeiten nach verlässlichen Stützen) oder Führungskräfte wieder vermehrt auf ihre innere Stimme statt auf Management-Bücher hören sollten. Letztlich gehe es viel mehr um Instinkte, Intuition und Persönlichkeit einer Führungskraft als um irgendwelche Kennzahlen oder veraltete Managementkonzepte.

Das Werk gliedert sich formell in sechs Hauptbereiche. Im ersten Teil – «Behavioral Economics» – werden die Massenpsychologie von Wirtschaftsprozessen sowie ökonomische Verhaltensmodelle bis hin zum legendären «homo oeconomicus» aufgezeigt. Psychologische Kritik an diesem urökonomischen Menschenbild ist Gegenstand des zweiten Teils. Das dritte Kapitel ist der psychologischen Arbeitslosenforschung gewidmet. Untersucht wird dort unter anderem die Frage, ob die Arbeitssuche umso intensiver erfolgt, je stärker der finanzielle Druck wiegt. Im vierten Kapitel wird das Thema der Erwartungen fundiert beleuchtet und verständlich diskutiert. Ideen rund um Innovationen bilden das fünfte Kapitel. Panik- und Courage-Überlegungen sind zentrale Bestandteile des letzten Teils.

Das Lesen dieses Werks ist für all jene eine echte Bereicherung, die sich geistig mit den Erkenntnissen der Klassiker nicht zufriedengeben. Die Autorin schlägt insgesamt mit ihrem Werk neue Kapitel der Wirtschaftspsychologie auf.

Linda Pelzmann: Wirtschaftspsychologie. Springer-Verlag, 2010. ISBN 978-3-211-92663-5, 350 S., Fr. 67.–.


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1 Leserkommentar:
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Cornelia Staub (19. November 2010, 04:38)
welche Kapitel sind den neu?

Es tut mir leid, aber sämtliche in dieser Rezension genannten Themen/Erkenntnisse sind doch Standardstoff eines Wirtschaftsstudiums. Was ist denn daran neu?

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