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11. September 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Das Grammophon – als runde Platten singen lernten

Errungenschaften der Technik

Das Grammophon - als runde Platten singen lernten Zoom

Das Grammophon - als runde Platten singen lernten

Robin Schwarzenbach

Der Hund ist eine Ikone. Der Promenadenmischling war sich nicht zu schade, zu kommerziellen Zwecken zuerst vor einem Phonographen und dann vor einem Grammophon zu posieren. Letzteres hat ihn berühmt gemacht. Sein Porträt wurde 1899 zum Markenzeichen der Londoner Gramophone Company. Später übernahm auch die Deutsche Grammophon-Gesellschaft das Bild. Sein Titel: «His Master's Voice». Der Legende nach soll der Vierbeiner der Stimme seines verstorbenen Herrchens gelauscht haben, die aus dem markanten Trichter zu vernehmen war. Ein Maler hielt die Szene fest und bot sie schliesslich der Gramophone Company zum Kauf an, nachdem zuvor mehrere Phonographenhersteller abgewinkt hatten.

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Störende Nebengeräusche

Phonographen und Grammophone der vorletzten Jahrhundertwende basierten auf einem ähnlichen Prinzip. Beide Gerätetypen verfügten über einen Tonträger, auf dem zuvor eine Tonspur eingeritzt worden war. Die Rille folgte den Bewegungen einer Membran, die ihrerseits den Schwingungen von Schall entsprachen – so entstanden Aufnahmen von Worten, Klängen und Musik. Die Wiedergabe ging den umgekehrten Weg. Eine Nadel folgte der Tonspur, die Bewegungen der Nadel wurden auf eine Membran übertragen, die diese wiederum in Schall umwandelte.

Der entscheidende Unterschied der beiden Systeme lag in der Form des Tonträgers. Phonographen funktionierten mit einer quer liegenden Walze. Bei Grammophonen drehte sich dagegen eine runde Platte. Wahrscheinlich waren es patentrechtliche Überlegungen, die den deutschstämmigen Amerikaner Emil Berliner in den 1880er Jahren dazu brachten, mit einem flachen Medium zu experimentieren. Der Phonograph war zu jener Zeit bereits erfunden. Ein erstes Modell hatte Thomas Edison 1878 an der Pariser Weltausstellung präsentiert. In Edisons Labor in New Jersey ging gut zehn Jahre später auch die erste Serie von Musikaufnahmen über die Bühne. Dabei gelangten mehrere Geräte gleichzeitig zum Einsatz, denn kopieren liessen sich die bespielten Walzen noch nicht.

Emil Berliner indes plagten andere Sorgen. Seine ersten Versuche machte er auf russüberzogenen Glasplatten. Dann setzte er auf Zinkscheiben, die er mit einer Mischung aus Wachs und Benzin überzogen hatte. Dies führte dazu, dass an der Aufnahmenadel Klumpen haftenblieben, mit unschönen Nebengeräusche als Folge. Berliner löste das Problem, indem er die Rohlinge mit einer Flüssigkeit bedeckte, die schwerer war als Wachs. So stiegen die aus der Tonspur gelösten Späne von selbst an die Oberfläche, und die Nadel konnte ungehindert ihre Kreise ziehen. Allein, die Nebengeräusche blieben. Das Grammophon war noch nicht konkurrenzfähig. Erst als das Team Berliners um 1900 eine Platte verwendete, die komplett aus Wachs bestand, konnte der störende Effekt beseitigt werden.

70 Umdrehungen pro Minute

Nun profitierte das System von den Vorarbeiten, die bis dahin geleistet worden waren. 1889 hatte Berliner bei einer deutschen Puppenfabrik eine erste Grammophon-Reihe in Auftrag gegeben. Angetrieben wurden die Geräte von Hand; der Plattenteller drehte sich über eine Kurbel. Für die Besitzer dürfte es nicht zuletzt eine Herausforderung gewesen sein, die zugehörigen Schallplatten auf etwa 70 Umdrehungen pro Minute zu beschleunigen. Laut Broschüre war auf diese Weise nämlich die beste Wiedergabe zu erwarten.

Erfolgreicher war ein amerikanisches Modell, das mit einem Federwerk angetrieben wurde und somit eine gewisse Konstanz garantierte. Auch bei dieser Neuerung hatte Berliner seine Finger im Spiel. Darüber hinaus hatten Berliner und seine Mitarbeiter eine zuverlässige Methode zur Vervielfältigung der Originalplatten entwickelt.

Sinn fürs Geschäft

Jetzt ging es darum, sich auf dem Markt zu behaupten. In Europa rief Berliner die Gramophone Company und die Deutsche Grammophon-Gesellschaft ins Leben, und einer von Berliners Aufnahmeleitern machte sich 1902 daran, die mächtige Phonographen-Industrie vom Sockel zu stossen. Er nahm den italienischen Startenor Enrico Caruso unter Vertrag: zehn Lieder für ein Honorar von 100 Pfund Sterling. Es war der Beginn einer für beide Seiten äusserst lukrativen Partnerschaft. Und dies sollte den Durchbruch der Grammophon-Technik einläuten.


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