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30. Dezember 2010, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Business-Complacency

Begriffe aus dem HRM - Wortgut

Wortgut - Business Complacency (Bild: istock)Zoom

Wortgut - Business Complacency (Bild: istock)

Philippe Mahler, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Die folgende Situation hat wahrscheinlich jeder schon einmal beruflich oder privat erlebt. Nachdem ein Ziel mit hohem Arbeitseinsatz erreicht worden ist, geniesst man den persönlichen Erfolg. Durch das Erreichen des Ziels ist der Ehrgeiz oder die Motivation vorerst gesättigt, das innere Feuer für das Projekt ist erloschen. Man lehnt sich ein wenig zurück, geniesst und reduziert automatisch den Arbeitseinsatz. Man suhlt sich im Erfolg des Geleisteten, ist mit sich zufrieden. Dieses Verhalten wird auch Complacency genannt oder, auf das Geschäftliche bezogen, Business-Complacency.

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Die Scheu vor Neuem

Dieses Phänomen kann, wie oben beschrieben, bei einer einzelnen Person, einem Team oder bei einer ganzen Unternehmung auftreten. Für Unternehmen ist der Umgang mit Business-Complacency eine grosse Herausforderung. Worin liegen die Gefahren und Risiken? Gestärkt durch den bisherigen Markterfolg, kann es passieren, dass Unternehmen narzisstisch und hochmütig auftreten, der Erfolg gibt ihnen ja recht. Versinkt nun aber eine Unternehmung in Selbstzufriedenheit, werden ineffiziente Unternehmensprozesse oder andere Probleme im Übermut des Erfolges nicht gesehen oder wollen nicht gesehen werden. Das Scheuen der Auseinandersetzung mit diesen blinden Flecken verhindert die im Vergleich zur Konkurrenz nötigen Optimierungen. Im sich rasch wandelnden Markt, wo eine Innovation auf die andere folgt, neue Unternehmen in den Markt drängen, bedeutet Stillstand Rückschritt.

Ein weiterer Grund für Business-Complacency ist eine repetitive und monotone Arbeit. Ohne es zu merken, entsteht durch die ständige Repetition der Arbeit bei den Mitarbeitenden ein Gefühl der Selbstzufriedenheit. Einmal hochgehaltene Werte und Arbeitsprozesse, welche Gedanken dominierten und Energien gelenkt haben, werden selbstverständlich, verkommen zur langweiligen Routine. Wie fliessendes Wasser sucht man dann den Weg des geringsten Widerstandes. Durch diese Selbstzufriedenheit kann Angst vor Unbekanntem, Misstrauen gegenüber unversucht Gelassenem oder Scheu vor Neuem entstehen. Dies wiederum führt dazu, dass Arbeitsprozesse beibehalten werden, denn es geht ja, und es wurde ja immer schon so gemacht. Somit kann Business-Complacency zu weniger Wachstum führen, und die für Unternehmen überlebenswichtigen Innovationen können erschwert werden.

Hilfe von Aussenstehenden

Wie können und sollen nun Unternehmungen mit Business-Complacency umgehen? Welchen Beitrag kann das Human-Resource-Management zur Überwindung der Business-Complacency leisten? Der sich einstellenden Selbstzufriedenheit der Mitarbeitenden kann beispielsweise durch das In-Erinnerung-Rufen der zu erreichenden Ziele entgegengewirkt werden. Ebenso kann das Human-Resource-Management durch organisatorische Massnahmen versuchen, den Arbeitsplatz attraktiver zu gestalten, die Begeisterung für die Arbeit zu erhalten oder die Zufriedenheit bei der Arbeit zu erhöhen. Ebenfalls kann eine Beurteilung durch einen Aussenstehenden Anstösse zur Bekämpfung der Business-Complacency geben.


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