Direkte Links und Access Keys:

3. April 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Automechatroniker: Motor bleibt Motor, trotz Elektronik

Berufswelt der Technik

Berufswelt der Technik, Automechatroniker: Motor bleibt Motor, trotz Elektronik Zoom

Berufswelt der Technik, Automechatroniker: Motor bleibt Motor, trotz Elektronik

Guy A. Lang

Benzingeschwängerte Luft in einer Garage, schwarze Hände mit Putzfäden, im ölverschmierten Overall unter einem Fahrzeug liegend – so stellt man sich den Automechaniker an seinem Arbeitsplatz vor. Er kann Auspuffrohre schweissen, kennt sich aus mit Pleuelstange und Zylinder und weiss, wie die Lichtmaschine funktioniert. Und wenn die Maschine stottert oder bedrohliche Geräusche zu vernehmen sind, öffnet er die Motorhaube, hört hin, schaut, klopft ein wenig hier und dort, schraubt ein Teilchen ab und merkt, was kaputt ist. Dieses Bild stimmt heute nur noch bedingt. Zwar kennt sich der Fachmann immer noch umfassend mit Motor, Getriebe und Bremssystem aus, doch die Fehleranalyse überlässt er dem Computer. Er ist ausgebildeter Automechatroniker mit einer vierjährigen Ausbildungszeit.

Anzeige:

Elektronik kontrolliert alles

«Motor bleibt Motor, ob mit viel oder wenig Elektronik. Bei der Technik hat die Zunahme an Informatik nicht viel verändert», sagt Giuseppe Romano. «Im Zylinder bewegt sich der Kolben, geht er runter, wird Benzin oder Diesel eingespritzt, ist er oben, erfolgt die Zündung.» Romano ist ausgebildeter Automechaniker und arbeitet seit rund zehn Jahren beim TCS als Patrouilleur. Dank Elektronik arbeiten die Motoren jetzt effizienter. Ein Computer erfasst alle relevanten Signale, welche von Sensoren über Drehzahl, Temperatur und Gasstellung weitergeleitet werden, und bestimmt dann, welche Menge Treibstoff eingespritzt wird. Oder er spart beim Bergabfahren, ohne die Leistung zu vermindern.

«Beim Komfort spielt die Elektronik eine grosse Rolle, sie hat zum Teil die mechanischen Funktionen verdrängt», sagt Romano. Und verweist auf Zündschlüssel, die man nur noch auf sich tragen muss, automatische Handbremsen, Navigationssysteme oder Parkierassistenten. Alles wird von der Elektronik kontrolliert. «Das hat den Beruf einfacher, jedoch auch langweiliger gemacht. Während ich früher ein Problem in mühevoller Arbeit suchen musste, hänge ich jetzt den Computer an und weiss, was kaputt ist. Ich muss viel weniger mit den Händen arbeiten.» Er musste noch Getriebe auseinandernehmen und reinigen, Zahnräder oder Synchronringe wechseln. Heute nimmt der Mechaniker das Getriebe vom Auto weg, schickt es in die Herstellerfirma und erhält es revidiert wieder. Selbermachen sei zu teuer, zehn Stunden Arbeit eines Mechanikers kosten mehr als ein Austauschmotor.

Starthilfe oder Benzinmangel

Beim Pannendienst fühlt sich Romano wohl, die Arbeit ist spannender: «Ich habe jedes Mal mit anderen Fahrzeugtypen zu tun und lerne immer neue Menschen kennen.» Und er kann ihnen im direkten Kontakt helfen. Obwohl er ein Autofan ist und in der Freizeit einen Alfa-Romeo-Oldtimer pflegt, sind sie ihm wichtiger als Fahrzeuge. Denn bei einer Panne muss er sich erst beruhigend um die Personen kümmern und sich dann dem Auto zuwenden. Beispielsweise bei dem Kunden, der versehentlich seinen Schlüssel zusammen mit dem Kind im Wagen eingeschlossen hat. Das Kind schrie, der Vater stand unter Schock. «Da muss ich ruhig bleiben und das Auto so schnell wie möglich aufmachen.» Die Art der Probleme ist je nach Einsatzgebiet verschieden. Während in der Stadt meist Starthilfe, Unterstützung bei Reifenpannen oder beim Wagenöffnen gefragt sind, treten auf der Autobahn eher Motorenpannen, Kühlungsprobleme oder Treibstoffmangel auf.

Das «Entpannen»

Ist ein Pannenfahrzeug roll- und lenkbar, kann Romano es selber abschleppen, sonst organisiert er einen Dienst. Kleinere Bauteile flickt er provisorisch selber, damit der Lenker die nächste Garage erreicht. So überlistet er beispielsweise das Signal für einen ausgestiegenen Lüfterschalter, indem er ihn kurzschliesst. Dass er wie früher einen Damenstrumpf als Ersatz für einen Antriebsriemen einsetzen kann, funktioniert allerdings nicht mehr: «Heutzutage treibt ein Riemen zwischen drei und acht Räder an.»

Die Automarke spielt beim «entpannen» – so nennen Patrouilleure ihre Arbeit – keine Rolle. Unangenehm sei einzig, wenn er für ein Bauteil, das er in zehn Minuten ersetzen könnte, eine Stunde brauche, weil es schwer zugänglich sei. Romano: «Meist sind das Thermostate oder Wasserschläuche. Daran müsste man die arbeiten lassen, die es konstruiert haben.»


Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von NZZ Online ist nicht gestattet.

Keine Leserkommentare

 

Wenn Sie diesen Artikel kommentieren möchten, melden Sie sich bitte mit Ihrem MyNZZ-Benutzernamen an. Diese Funktion ist an Wochenenden und Feiertagen gesperrt.

Artikel weiterleiten

Automechatroniker: Motor bleibt Motor, trotz Elektronik

Berufswelt der Technik

Benzingeschwängerte Luft in einer Garage, schwarze Hände mit Putzfäden, im ölverschmierten Overall unter einem Fahrzeug liegend – so stellt man sich den...

Artikel versenden als E-Mail:

Sie müssen in Ihrem Browser Cookies aktivieren, um dieses Formular zu verwenden.

Sicherheitscode

Bitte übertragen Sie den Sicherheitscode in das folgende Feld:

* Pflichtfeld