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21. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Beistand für Kinder der lokalen Elite

Arbeiten in Mexiko

Arbeiten in Mexiko - Beistand für Kinder der lokalen Elite (Bild: istock)Zoom

Arbeiten in Mexiko - Beistand für Kinder der lokalen Elite (Bild: istock)

Alex Gertschen, NZZ-Korrespondent in Mexiko-Stadt

Jeden Tag um die Mittagszeit stauen sich vor der Amerikanischen Schule im Westen von Mexiko-Stadt die Luxusautos, mit denen die meisten der 2500 Sprösslinge von ihren Eltern oder Chauffeuren abgeholt werden. «Für manche ist das ohnehin fast dasselbe», sagt Elena Reyes, die leitende Psychologin an der High School der American School Foundation (ASF). «Viele Schüler sind Kinder reicher Familien. Die Eltern halten sich aus beruflichen oder privaten Gründen oft wochenlang im Ausland auf, so dass die Kinder mit dem Kindermädchen und dem Fahrer aufwachsen.»

Die Anmeldung eines Schülers kostet 40 000 Pesos, was dem Minimallohn von 667 Arbeitstagen entspricht. Danach sind monatlich weitere 13 000 bis 14 000 Pesos (etwa 1000 Franken) fällig. Die Mischung aus materiellem Überfluss und fehlender Präsenz von Eltern beschert Elena Reyes viel Arbeit. Ende des letzten Jahres ist ein Schüler an einer Überdosis Drogen gestorben. Ein anderer nahm sich das Leben. Beide waren 17-jährig und gingen in die High School. «Das waren für alle schwierige Wochen, zumal kurz zuvor ein Mädchen knapp vor dem Freitod hatte bewahrt werden können», erzählt Reyes.

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Psychologischer Beistand war auch Ende August 2010 gefragt. Vor der ASF in Monterrey wurden bei einem vermeintlichen Entführungsversuch zwei Sicherheitsleute einer Konsumgüterfirma erschossen, deren Manager ihre Kinder in diese Schule schicken. Kurz darauf stellte sich die Schiesserei als «Missverständnis» heraus: Die Schützen hatten ihre Opfer für Rivalen gehalten. Aber längst hatte die Botschaft die fünf anderen amerikanischen Schulen im Land vor ähnlichen Attacken gewarnt.

Vom Risiko, im Treibsand der schwierigen Teenager-Jahre zu versinken oder ins Visier von Entführern zu geraten, sind primär die Sprösslinge der mexikanischen Elite betroffen. Sie machen rund zwei Drittel der Schüler aus; die amerikanischen sind mehrheitlich Kinder der vielköpfigen Botschaftsbelegschaft. Diese führen nicht den mondänen, teilweise ausschweifenden Lebenswandel gewisser einheimischer Schulkollegen. Dazu mangelt es schon am Geld. Überhaupt trennt eine unsichtbare Mauer die beiden Nationalitäten. «Gemischte Cliquen sind sehr selten», sagt Reyes. Das liege nicht nur daran, dass die Amerikaner einen anderen sozioökonomischen Hintergrund hätten und nach ein paar Jahren oft weiterzögen. Sie fühlten sich überlegen und gäben dies den Mexikanern zu spüren.

In der ASF werden das Sternenbanner und der Azteken-Adler gehisst, Football und Fútbol gespielt, Thanksgiving und der Día de los muertos (Allerheiligen) gefeiert. Aber zu gegenseitiger Verständigung und Respekt trägt dies laut Elena Reyes betrüblich wenig bei. So trage sich auf dem riesigen Campus Tag für Tag zu, was für die beiden Länder seit langem gelte. «Wir leben Seite an Seite, aber gute Freunde sind wir nicht.»


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1 Leserkommentar:
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André Joho (1. September 2011, 17:50)
nun ja

nicht alle Elite Kinder leben so - ich denke, dieses Problem besteht ja auch in den Schweizer Privat Schulen...

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