20. Februar 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
Fachkraft verzweifelt gesucht
Arbeiten in Deutschland
Matthias Benz, Korrespondent der NZZ in Berlin
Markus Zapke ist so etwas wie die Traumvorstellung jedes deutschen Politikers, wenn er sich die ideale Fachkraft ausmalt. Zapke wuchs noch in der DDR auf und liess sich dort als Ingenieur ausbilden, kurz darauf fiel die Mauer, und er ergriff die Chance, beim Weltkonzern Siemens in der Gasturbinen-Produktion im Berliner Westen anzufangen. Seit dem «Sprung» über die Grenze hat er sich kontinuierlich hochgearbeitet. Heute sorgt er dafür, dass die komplexen Verfahren zur Produktion von Gasturbinen stets auf dem technisch aktuellen Stand bleiben. Von Menschen wie Zapke lebt die deutsche Industrie. Es sind qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure, die massgeblich für ihre weltweiten Erfolge verantwortlich zeichnen.
Um Menschen wie Zapke macht sich die deutsche Politik in letzter Zeit allerdings immer mehr Sorgen. Man befürchtet, dass sie immer weniger werden. Das Gespenst des Fachkräftemangels geht um. Die demografischen Prognosen scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen: Viele qualifizierte Arbeitskräfte gehen in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten in den Ruhestand, und es kommt zu wenig eigener Nachwuchs nach. Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen rechnet etwa damit, dass bis 2025 rund fünf Millionen Arbeitskräfte in Deutschland «fehlen» werden.
Das Land hat deshalb zuletzt eine hitzige Debatte über den Fachkräftemangel erlebt – eine Debatte, die allerdings von den betroffenen Firmen und Arbeitnehmern oft ziemlich verständnislos verfolgt wird. Es war wie häufig im deutschen Politikbetrieb: Das Thema kommt auf, jeder auch nur halbwegs verantwortliche Politiker oder Experte fühlt sich zu einer Stellungnahme bemüssigt, irgendwann aber zieht die Karawane weiter, und es ändert sich herzlich wenig. So steht weiterhin im Raum, ob Deutschland die bürokratischen Hürden für zuzugswillige Fachkräfte aus dem Ausland senken will. Und schon gar niemand stellt die Frage, ob das Land überhaupt genügend Ausländer anzuziehen vermöchte, um die Fachkräftelücke zu füllen. Gut qualifizierte, leistungsbereite Menschen sind in den letzten Jahren eher aus Deutschland ausgewandert als ins Land gekommen.
An der Basis arbeitet man derweil lieber selbst an der Zukunft. Industriekonzerne wie Siemens verwenden viel Mühe darauf, ihren eigenen Nachwuchs heranzuziehen. Die Lehrlingsausbildung geniesst einen hohen Stellenwert, und viele junge Menschen absolvieren einen dualen Studiengang, in dem sie praktische Ausbildung mit einem Bachelor an einer Hochschule verbinden können. Mit einer Vielzahl von weiteren Programmen bemüht man sich, Talente zu finden und zu fördern. Bezeichnenderweise sucht man selbstverständlich weltweit. In der globalisierten Wirtschaft ist Nationalität kein Kriterium mehr; nur die Qualifikation zählt. Das sind Wege, auf denen sich der vielbeschworene Fachkräftemangel möglicherweise von selbst lösen wird.
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Kommentare lesen
Peter Meier (18. März 2011, 16:37)
Bitte Vorsicht!
Was Deutschland braucht sind Fachkräfte die bereit sind zu einem Niedriglohn zu arbeiten. Ich war selber in NWR und musste dies erfahren. Es gibt genügend Deutsche die grne arbeiten würden aber nicht bereit sind Arbeitsverträge von 3-9 Monate anzunhemen. Wie meine deutscher Kollege sagt, wer Deustchland verlassen kann verlässt dieses Land !!
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