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3. April 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Was tun, wenn eine Petarde explodiert?

Arbeiten in Ägypten

Arbeiten in Ägypten (Bild: iStock)Zoom

Arbeiten in Ägypten (Bild: iStock)

Kristina Bergmann, Korrespondentin der NZZ in Kairo

In den Tagen des Umbruchs im Nahen Osten sind ausländische Journalisten, sprich Korrespondenten, vor Ort gefragt. Die in Ägypten leben, haben viel zu tun. Jede Zeitung, jede Zeitschrift, jeder Radio- und Fernsehsender möchte Berichte und Schaltungen. Und so hagelt es momentan geradezu Aufträge für alle Korrespondenten in Kairo.

Dennoch sei die Zeit der ägyptischen Revolution nicht einfach, sondern anstrengend gewesen, meint eine französische Reporterin. Um ins Zentrum des ägyptischen Aufstands zu gelangen und möglichst hautnah zu berichten, sei sie jeden Tag früh aufgestanden: «Ich habe unzählige Menschen zu den unterschiedlichsten Themen interviewt», erzählt sie. Diese habe sie nicht nur nach ihren Motiven und ihrer Denkweise, sondern auch nach alltäglichen Dingen befragt. «Oft habe ich scheinbar banale Themen wie die Abfallbeseitigung, Nahrungsmittelverteilung oder die medizinische Versorgung im Zentrum der Unruhen recherchiert», sagt sie.

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Nachdem in Tunesien und in Ägypten Revolutionen ausgebrochen waren, begann es in anderen Ländern zu «brennen». Nun fragten sich ausländische Korrespondenten, was zu tun sei. Für eine Reihe von ihnen war es klar, dass sie augenblicklich nach Libyen reisen würden. Unter ihnen waren nicht nur solche der grossen Nachrichtensender, sondern auch zahlreiche freiberufliche Journalisten, die sich so ein Zubrot verdienen wollten. «Endlich werden wir korrekt bezahlt», meint einer. Normalerweise schrieben Journalisten nämlich für Hungerlöhne, da Information allgemein als freies Gut gelte, sagt er. Doch für die Berichterstattung aus Libyen, wo die Gefahr von Tag zu Tag stieg, waren Medien bereit, viel zu bezahlen. Anderen Journalisten war die Fahrt nach Libyen zu riskant. Sie entschieden sich, nicht zu reisen. Allerdings nahm der Druck, es doch zu tun, täglich zu. «Vor allem deutsche Medien wünschen Rapportierung direkt von dort», sagt eine Schweizer Journalistin.

Trotz der unsicheren Lage hatten sich nur die wenigsten Auftraggeber im Vorfeld der Unruhen über mögliche Gefahren informiert. Und so weiss praktisch kein Journalist, wie er sich in einer bedrohlichen Situation verhalten sollte. Egal, ob sie schlimm oder relativ unbedeutend ist, ein Korrespondent muss Ahnung haben, wie er seinen Körper und Geist schützt. Scheint logisch, doch kaum ein Medium wendet Zeit und Geld auf, um seinen Mitarbeitern beizubringen, was zu tun ist, wenn Tränengaspetarden explodieren, eine Demonstration in die Enge getrieben wird oder in ihrer Nähe Bomben einschlagen. Zumindest sollten sich Journalisten versichern, immer eine Fluchtmöglichkeit zu haben, sagt der Direktor eines britischen Senders. Weiter dürften sie nicht vergessen, dass es ausser Not auch eine Moral gebe. Die gelte als veraltet, sei aber hochaktuell, fährt er fort. Und eigentlich verbiete sie es, auf Teufel komm raus jeden Auftrag anzunehmen.


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