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11. Juni 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Alternative Karrieren für Spezialisten

Buch des Monats

Michel E. Domsch, Désirée Ladwig, Fachlaufbahnen - Alternative Karrierewege für Spezialisten. Zoom

Michel E. Domsch, Désirée Ladwig, Fachlaufbahnen - Alternative Karrierewege für Spezialisten.

Urs Wenger, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

«Und, wie viele Leute haben Sie denn unter sich?» Die Karriereleiter in einem Unternehmen erklimmt man klassisch über Führungsfunktionen. Ein Vorgesetzter managt sein Team, später vielleicht eine Abteilung, dann möglicherweise einen Unternehmensbereich. Reine Fachfunktionen ohne Linienführungsverantwortung gelten hingegen in vielen Firmen als weniger prestigeträchtig.

Unterschätzte Fachkarrieren

Die Professoren Michel E. Domsch von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und Désirée Ladwig von der Fachhochschule Lübeck sehen hier ein Problem. In der modernen Wissensgesellschaft sei die Bedeutung dieser Fachkarrieren für den Unternehmenserfolg stark gestiegen. Die Autoren weisen im Buch «Fachlaufbahnen» auf die Notwendigkeit von attraktiven Karrieremöglichkeiten neben der hierarchischen Linie hin. Wer kann davon betroffen sein? Zum Beispiel ein Fachexperte mit wertvollem Unternehmenswissen wie ein Entwicklungsingenieur oder ein Programmierer. Häufig möchten derartige Spezialisten keine Personalverantwortung übernehmen. Sie interessieren sich primär für ihr Kernmetier.

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Keineswegs zweitklassig

Kann der Experte sich aber deswegen nicht entwickeln, befindet er sich in einer beruflichen Sackgasse. Das Gefühl des Stillstandes kann Frustrationen auslösen und im schlimmsten Fall zur Kündigung führen. Gerade bei hochqualifizierten Wissensträgern kann das für ein Unternehmen hohe Kosten verursachen. Wird qualifiziertem Fachpersonal hingegen eine Perspektive geboten, bindet dies Spezialisten längerfristig an das Unternehmen. Zwar existieren solche alternativen Laufbahnmodelle bereits in vielen Firmen, sie gelten aber nach wie vor oft als zweitklassig. Wie kann ein Unternehmen die Attraktivität dieser Laufbahnen steigern? Die Autoren haben einige Faktoren ermittelt.

Pyramidenförmige Struktur

Entscheidend sei auch bei den Fachkarrieren eine pyramidenförmige Struktur. Wenn zu viele Mitarbeiter auf diesem Weg aufsteigen können, verliert das Konzept an Reiz. Hilfreich sei weiterhin die Durchlässigkeit zwischen Fach- und Linienlaufbahn. Positiver Nebeneffekt: Wissen wird in wünschenswerter Weise im Unternehmen verbreitet. Wichtig und oft unterschätzt: die faktische Gleichstellung von Fachkarrieren und Führungsfunktionen punkto Privilegien wie Bürogrösse und Ausstattung.

Vom vorliegenden Buch profitieren Praktiker, die den Nutzen von verschiedenen Laufbahnmodellen in ihrem Unternehmen erkannt haben und Anregungen für eine Einführung oder Optimierung suchen.

Michel E. Domsch, Désirée Ladwig, Fachlaufbahnen – Alternative Karrierewege für Spezialisten. Luchterhand, 2011, ISBN 978-3-472-07854-8, 272 Seiten, Euro 39.–.


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