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5. Februar 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Alt oder Jung: Wer ist innovativer?

Aus der HRM-Forschung

Alt oder Jung: Wer ist innovativer? (Bild: iStock)Zoom

Alt oder Jung: Wer ist innovativer? (Bild: iStock)

Urs Wenger, Lehrstuhl HR-Management, Universität Zürich

Haben ältere Mitarbeiter weniger neue Ideen als ihre jüngeren Kollegen? Kann ein Ingenieur kurz vor dem Rentenalter noch echte Neuerungen erfinden? Intuitiv verbinden viele Menschen mit jugendlich wirkenden Mitarbeitern und Chefs auch frischen Wind und gute Ideen. Neue Besen kehren gut, weiss der Volksmund. Auf der anderen Seite werden gemeinhin solide Erfahrung und ein durchgearbeitetes Verständnis des jeweiligen Fachgebietes als wichtige Grundlage für echte Weiterentwicklungen gesehen. Wie also wirkt sich die demografische Struktur eines Unternehmens auf seine spezifische Innovationskraft aus?

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Forschung ist uneins

Dieser Frage sind Hans-Dieter Schat und Angela Jäger in einer Studie des Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe nachgegangen. Die Meta-Studie analysiert die Daten diverser Erhebungen und kommt zu einem ersten, wenig überraschenden Ergebnis: Die Forschung ist sich uneins. Einer klassischen These folgend, liefern sehr junge und sehr alte Mitarbeiter besonders wenig Neuerungen. Dies können zum Beispiel verwertbare Patente sein, aber auch Beiträge im Rahmen eines innerbetrieblichen Vorschlagswesens oder Ideenmanagements. Die genannten Ursachen erscheinen nachvollziehbar.

So fehlt beispielsweise einem jungen Ingenieur oft noch die Erfahrung und die innerbetriebliche Funktion, um ein vielversprechendes Projekt zum Abschluss zu bringen. Einen kurz vor der Pensionierung stehenden Mitarbeiter auf der anderen Seite hemmen nicht etwa biologische Defizite, sondern oft fehlt der Wille, sich kurz vor dem Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess noch fachlich à jour zu halten. Eine andere untersuchte wissenschaftliche Auffassung geht dahin, dass kein echter Zusammenhang zwischen Alter und Innovationskraft besteht. Sollte dieser in einem Unternehmen vermeintlich doch bestehen, ginge dies etwa auf einen Selektionseffekt zurück. So würde beispielsweise ein Mitarbeiter, der im Betrieb wenig rentable Ideen einbringt, eher entlassen als ein Kreativität versprühender Leistungsträger. Ein dritter in der vorliegenden Studie präsentierter Ansatz geht davon aus, dass lediglich ein mittelbarer Zusammenhang besteht. So liege das Durchschnittsalter von 410 untersuchten Patentanmeldern mit rund 44 Jahren über dem Schnitt der Beschäftigten. Dieses beträgt in Deutschland rund 40 Jahre.

Überraschendes Ergebnis

Der Zusammenhang schwanke aber sehr stark je nach untersuchter Branche. Im High-Tech-Bereich, wie der Softwareentwicklung, seien die Patentanmelder eher jünger, in der Landwirtschaftstechnik eher älter als der Durchschnitt. Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist die offenbar leicht geringere Innovationskraft von altersgemischten Teams. In der allgemeinen Wahrnehmung wird diesen Junior-Senior-Gruppen oft eine gute Leistungsfähigkeit nachgesagt. Hinsichtlich der Validität und der Ursachen dieses Ergebnisses besteht allerdings weiterer Forschungsbedarf.

Hans-Dieter Schat und Angela Jäger: Einfluss demografischer Entwicklung in Betrieben auf deren Innovationsfähigkeit. Fraunhofer Discussion Papers No. 23, 2010.

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