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11. September 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

«Nach dem Bewerbungsgespräch haben wir sofort geheiratet»

33 Fragen an Beat Sommer, Rektor des Lyceum Alpinum Zuoz

Beat Sommer, Rektor des Lyceum Alpinum Zuoz Zoom

Beat Sommer, Rektor des Lyceum Alpinum Zuoz

NZZ-Executive: Herr Sommer, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Filmregisseur. Ich ging immer ausgesprochen gerne ins Kino.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Dass es auch ein Leben ausserhalb der Schule gibt. Trotzdem bin ich dann Lehrer geworden.
Ihr grösstes schulisches Drama?
Als ich wegen einer Lappalie aus dem Sportunterricht verwiesen wurde. Wir spielten damals das erste Mal Fussball im Freien.

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Haben Sie als Schüler gemogelt?
Hin und wieder. Aber nur, wenn es eine Ausnahmesituation erforderlich machte.
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Dass ich es schaffte, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen. Ich ruderte damals im Seeclub Zürich und trainierte jeden Tag.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Ich würde wahrscheinlich einen MBA an einer englischen oder amerikanischen Universität absolvieren.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Meine Eltern – vor allem in Bezug auf meine Persönlichkeits- und Charakterbildung.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Führung einer Privatschule ist eine herausfordernde und abwechslungsreiche Aufgabe. Ich bewege mich in einem komplexen Spannungsfeld zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Ich kommuniziere ständig auf allen diesen Ebenen und erachte es als Privileg, vor allem mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dass es mir und meinem Team gelungen ist, das Lyceum Alpinum Zuoz in die Spitzengruppe der internationalen Internatsschulen zu führen.
Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
Es ging um eine Stelle an der Schweizerschule in São Paulo. Der Direktor sagte uns, dass für ein unverheiratetes Paar die administrativen Hürden für eine Arbeitsbewilligung unüberwindbar seien. Darauf entschlossen wir uns, sofort zu heiraten.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Zwischen 200 und 250.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
11 bis 12 Stunden.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Abends in meinem Büro, nachdem es etwas ruhiger geworden ist. Ich bin kein Morgenmensch.
In welchen Ländern waren Sie tätig?
In der Schweiz, in den USA und in Brasilien. Reizen würde mich allenfalls ein Ort, an dem es im Sommer wärmer ist als im Engadin. Vielleicht Südeuropa oder Südostasien.
Ihre letzte Weiterbildung?
In der Führung schwieriger Gespräche – mit Eltern . . .
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
2600 Franken, im Jahr 1981 als Aushilfskellner im Restaurant Zeughauskeller in Zürich – während der Semesterferien.
Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Erfolg kann aus meiner Sicht weder programmiert noch erzwungen werden. Neben einer soliden Grundausbildung sind es vor allem die menschlichen Qualitäten wie Offenheit, Ehrlichkeit und Verbindlichkeit, die zum Erfolg im Leben führen. Und dann braucht es immer auch noch eine Portion Glück.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Ich bestand die Fahrprüfung das erste Mal nicht, weil ich mich zu sicher fühlte und zu wenig vorbereitet war. Seither überlasse ich nichts mehr dem Zufall.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Ein Vorgesetzter muss seinen Mitarbeitenden zuhören können, sie in ihrer Arbeit bestärken und jederzeit offen und transparent kommunizieren.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn Eltern ihre Kinder nicht realistisch einschätzen können und unerfüllbare Erwartungen an Schule und Internat haben. Ohne die Unterstützung der Eltern kann die Schule ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag heute kaum mehr erfüllen.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Ich ärgere mich über Mitarbeitende, die keine Eigeninitiative entwickeln und keine Selbstverantwortung übernehmen. Und über Schüler, die keine Neugier zeigen und ihr Potenzial nicht nutzen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Ich schätze es sehr, wenn meine Mitarbeitenden engagiert, belastbar und teamfähig sind.
Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?
Ich versuche stets, die Dinge mit einer Prise Humor zu nehmen sowie hin und wieder Distanz zu meiner Tätigkeit zu suchen. Zu meiner persönlichen Work-Life-Balance tragen vor allem meine Familie und gelegentlich eine Ausfahrt im Ruderboot bei.
Welche Netzwerke nutzen Sie beruflich?
Zahlreiche schulspezifische Organisationen und Gruppierungen im In- und Ausland.
Welche persönliche Freiheit fehlt Ihnen?
Auf meiner Harley-Davidson den Südwesten der USA zu erkunden.
Was stört Sie als Staatsbürger?
Langweilige Politiker mit einer Profilierungsneurose.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Leider ja – vor allem zum Abendessen.
Ihre grösste Tugend?
Verlässlichkeit.
Ihr grösstes Laster?
Ungeduld.
Ihr Lieblingsbuch?
«The Kite Runner» von Khaled Hosseini. Für mich eine der packendsten Geschichten über Freundschaft, Verrat und Wiedergutmachung.
Ihr Lieblingsfilm?
«Amarcord» von Federico Fellini, einfach ein grossartiger Film.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Anzüge, Hemden, Krawatten und Schuhe – wenn immer möglich in Italien oder England.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Wieder mehr Zeit und Musse für die spontane Ausübung meiner persönlichen Interessen zu haben. Interview: nan.

Beat Sommer

Beat Sommer, 54, ist seit 2005 Rektor des Lyceum Alpinum in Zuoz (GR). Am gleichen Ort war er bereits 1991 bis 1997 als Leiter des Internats und Lehrer tätig. Dazwischen war er Rektor des Freien Gymnasiums in Zürich. Nach einem Studium in Anglistik und Romanistik in Zürich arbeitete Sommer zunächst als Gymnasiallehrer, danach im Personalbereich einer Bank, ehe er 1988 bis 1990 Lehrer für Englisch und Französisch an der Schweizer Schule in São Paulo war. Sommer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das Lyceum Alpinum Zuoz ist eine führende Internatsschule mit 320 Schülern aus über 30 Nationen, davon 110 Schüler aus der Region. Die Schule mit 130 Mitarbeitenden bietet als Abschlüsse die Matura und das International Baccalaureate. Sie setzt pro Jahr rund 21 Millionen Franken um.


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