17. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Nur Teamerfolg zählt, und die Aufstellung ist Trainer-Sache»
33 Fragen an Jörg Kampmeyer, Mitglied der Konzernleitung der Hilti AG


Jörg Kampmeyer, Konzernleitungsmitglied der Hilti AG
Interview: nan.
NZZ-Executive: Herr Kampmeyer, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Naturwissenschafter. Ich wollte immer etwas erfinden, jedoch gehörte dies nie zu meinen besonderen Talenten.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Dass man seine Zeit und seine Ressourcen sinnvoll einsetzen kann und muss.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Es gab Dramen in meiner Jugend, aber keine schulischen.
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Haben Sie als Schüler gemogelt?
Selbstverständlich niemals.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Klassisches Klavier. Ich habe dies als Kind gelernt und dann mein Piano für ein Moped verkauft. Es gibt nur wenige Entscheidungen, die ich so bereue.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Mein Vater, den ich leider viel zu früh verloren habe.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Der besondere Team-Spirit und die grosse inhaltliche Breite.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dass es mir als Geschäftsführer gelungen ist, die Hilti-Marktorganisation in Deutschland nach mehr als zehn schwierigen Jahren in eine nachhaltige Erfolgsphase zu führen.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
An ausgesprochen unsinnige Fragen wie «Warum sind Kanaldeckel rund?». Ich bin nach dem Mittagessen gegangen.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Weniger, als ich erhalte.
Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
12 bis 14 Stunden.
An welchem Ort können Sie am besten arbeiten?
In meinem Büro. Eine definierte Umgebung hilft mir, mich auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
Ich war in den meisten wichtigen Industrieländern Europas sowie in den Vereinigten Staaten und in China tätig. Für einen längeren beruflichen Aufenthalt würden mich die Regionen Mittlerer Osten oder Südostasien reizen.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
Deutsches Arbeitsrecht.
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Hochschule in Aachen verdiente ich 1995 etwa 1700 Deutsche Mark.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Leidenschaft, Fleiss und die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Als junger Leistungssportler habe ich mich einmal aus reinem Eigeninteresse gegen mein Handballteam und meinen Coach gestellt. Dies hat meine sportliche Karriere schwer beschädigt. Meine Lektion hieraus für mein ganzes Berufsleben: Nur der Teamerfolg zählt, und der Trainer entscheidet über die Aufstellung.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Klarheit im Kommunizieren von Zielen und Prioritäten, Freude an der Weiterentwicklung des Teams, Vorbildfunktion im eigenen Verhalten.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Mein Schwiegervater. Der gebildetste und bescheidenste Mensch, den ich kenne.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Es gibt zwei Menschen, mit denen ich eng zusammenarbeiten durfte und die mir bis heute als Vorbilder in Bezug auf Geschäftssinn und Umgang mit Mitarbeitenden dienen.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Wenn ich mich von Mitarbeitenden trennen muss.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Wenn negative Gerüchte oder Stimmungen im Unternehmen den Erfolg gefährden. Da hilft nur direkte und regelmässige Kommunikation.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Ihre hohe fachliche Kompetenz und ihren enormen Einsatz für das Unternehmen.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Die stellt meine Familie für mich sicher.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Ich pflege einige mir sehr wichtige persönliche Kontakte, die sich über die Jahre in verschiedensten Konstellationen ergeben haben.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Meinen täglichen Mittagsschlaf.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürger?
Dass in der Politik – zumindest in meiner deutschen Heimat – immer weniger zu zählen scheint, was richtig ist, sondern wie es ankommt. Eine gefährliche und endliche Entwicklung!
Kommen Sie manchmal zu spät?
Sehr selten.
Ihre grösste Tugend?
Meine Begeisterungsfähigkeit.
Ihr grösstes Laster?
Gummibärchen.
Ihr Lieblingsbuch?
«Into Thin Air» von Jon Krakauer.
Ihr Lieblingsfilm?
«No Country for Old Men» von Joel und Ethan Coen.
Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
Meine Kleidung. Ich fahre hierzu gerne nach München oder Zürich. Darüber hinaus kann ich mich am Wochenende regelmässig in Bau- und Elektronikmärkten begeistern.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Segeln lernen.
Jörg Kampmeyer
Jörg Kampmeyer, 43, ist seit April 2011 Konzernleitungsmitglied der Hilti AG. Als CFO verantwortet er die Bereiche Finanzen, Personal, IT und Konzernentwicklung. Der Deutsche ist seit 2002 für Hilti tätig, leitete die Bereiche Konzernentwicklung und Marketing, danach war er Geschäftsführer von Hilti Deutschland. Kampmeyer studierte an der Technischen Hochschule Aachen Maschinenbau und Wirtschaft. Bevor er zu Hilti stiess, war er fünf Jahre Unternehmensberater. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Die Hilti AG beliefert die Bauindustrie weltweit mit Geräten und Werkzeugen. Die Gruppe mit Hauptsitz in Schaan (FL) beschäftigt in 120 Ländern rund 20 000 Angestellte; in der Schweiz und in Liechtenstein sind es 2200. 2010 erwirtschaftete Hilti einen Umsatz von 3,9 Milliarden Franken.
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