31. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Clint Eastwood ist ein Vorbild, er erfindet sich stets wieder neu»
33 Fragen an Jacques Boschung, Managing Director von EMC Schweiz


Jacques Boschung, Managing Director von EMC Schweiz
Interview: nan.
NZZ-Executive: Herr Boschung, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Kampfjetpilot. Fliegen ist immer ein Traum für Kinder, oder?
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Viel Arbeit führt zum Erfolg, nicht Begabung.
Welches war das grösste schulische Drama für Sie?
Im Gymnasium half ich einmal meinem besten Freund in einer Chemie-Prüfung. Wir wurden erwischt, kriegten eine Eins, womit ich aber problemlos leben konnte. Für meinen Freund bedeutete sie den Ausschluss.
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Haben Sie als Schüler gemogelt?
Siehe vorgängige Antwort . . .
Auf welche ausserschulische Leistung in Ihrer Jugend sind Sie noch heute stolz?
Dass ich ab 14 immer wieder während der Schulferien gearbeitet habe und mir mein Geld selber verdiente.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Geschichte.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Ein enger und etwas älterer Freund, der mir damals den richtigen Weg gezeigt hatte.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die grosse Vielfalt an Tätigkeiten: Grosskunden und Partner treffen, Vorträge vor meiner Belegschaft halten, Wechselwirkung mit der grossen weltweiten EMC-Organisation, Brainstorming mit meinen Leuten, um die beste Lösung für den Kunden zu bestimmen, und vieles mehr.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Die Art und Weise, wie die EMC Schweiz sich in den letzten drei Jahren entwickelt hat.
Ihr erstes Bewerbungsgespräch: Woran erinnern Sie sich noch?
Wie spannend es war, neue Welten anhand von solchen Gesprächen entdecken zu können.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
200 beantworte ich; ich erhalte allerdings viel mehr.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
Durchschnittlich 9 bis 10.
Wo können Sie am besten arbeiten?
Wenn ich konzentriert an etwas arbeiten muss, im Zug; dort wird man selten unterbrochen.
In welchen Ländern haben Sie gearbeitet – und wo wären Sie gerne noch tätig?
Nur in der Schweiz, und ich möchte auch weiterhin in der Schweiz tätig sein.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
In Personalführung und darin, wie man als «Enabler» von Geschäftspartnerschaften handeln kann, zum Beispiel, wie man geschäftsrelevante Partnerschaften zwischen zwei interessierten Gruppen ermöglichen kann.
Wie hoch war Ihr erster voller Monatslohn?
4500 Franken, als Forschungsassistent an der ETH Lausanne.
Welches sind Ihrer Ansicht nach die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Eine positive Einstellung, eine grosse persönliche Disziplin sowie Leidenschaft in allem, was man tut.
Aus welchem Misserfolg haben Sie am meisten gelernt?
Ich musste vor zehn 10 Jahren die Geschäftsleitung einer Schweizer Firma verlassen, weil ich die Kunst einer guten Zusammenarbeit mit meinen Gleichgestellten nicht beherrschte. Das war hart, aber ich habe viel daraus gelernt und mich wesentlich verbessert.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Die Fähigkeit zuzuhören, ein richtiges Rollenmodell zu sein, und ein grosses persönliches Engagement an der Front.
Wer ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Clint Eastwood, der sich immer wieder neu erfindet.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Peter Brabeck, ein Leader, der es geschafft hat, meistens von negativen Schlagzeilen verschont zu bleiben.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Schlamperei, wenn es um Kundenzufriedenheit geht.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Leute, die den Schwerpunkt «Kunde im Zentrum» nicht verstehen. Ich versuche, sie anhand meiner eigenen Tätigkeit und als Vorbild positiv zu beeinflussen.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Die unglaubliche Leidenschaft, die sie für ihren Beruf und für EMC immer wieder aufbringen.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Mit Sport, mindestens viermal pro Woche.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Die Entscheidungsträger unserer wichtigsten Kunden und Partnern.
Welche persönliche Freiheit vermissen Sie am meisten?
Keine.
Was stört Sie am meisten als Staatsbürger?
Wenn unsere Politiker zu schnell und ohne Tiefenanalyse auf Ereignisse reagieren und damit die Zukunft unseres Landes beeinträchtigen.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Sehr selten.
Ihre grösste Tugend?
Vernetzt denken: das grosse Bild, aber auch die Details mit einbeziehen, die ein Vorhaben zum Erfolg oder zur Schlappe führen können.
Ihr grösstes Laster?
Manko an Geduld.
Ihr Lieblingsbuch?
«The Clash of Civilization» von Samuel Huntington.
Ihr Lieblingsfilm?
«55 Days in Peking» von Nicolas Ray mit Charlton Heston, David Niven und Eva Gardner.
Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
Bücher – überall, in einem Flughafen, auf Amazon.com oder in der Buchhandlung nebenan.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Meinem Sohn verständlich machen, dass das Wichtigste im Leben Glück, und nicht Geld, Karriere oder Ruhm sind.
Jacques Boschung
Jacques Boschung, 43, ist seit 2007 Managing Director von EMC Schweiz. Nach einem Physik-Studium an der Universität Lausanne und der EPFL war der gebürtige Freiburger zunächst für Compaq, danach für IBM Schweiz in führenden Positionen tätig. 2001 gründete er als CEO das Beratungs- und Softwareunternehmen Brightrivers, dessen Verwaltungsrat er seit 2004 ist. Boschung wechselte 2004 zu Dell, wo er unter anderem Sales Director für die Schweiz und Österreich war. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.
EMC Corporation ist ein führender Anbieter von Systemen zur elektronischen Datenspeicherung und von Informationsinfrastrukturen. 2010 setzte das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA 17 Milliarden Dollar um. Es beschäftigt 50 000 Personen; in Zürich, Bern und Gland (VD) sind es 190.
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