4. September 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive
«Als Familien-Managerin im Nebenjob kaufe ich alles ein»
33 Fragen an Claudia Streuli, CEO und VR-Delegierte der Streuli Pharma AG


Claudia Streuli, CEO und VR-Delegierte der Streuli Pharma AG
Interview: nan.
NZZ-Executive: Frau Streuli, welches war Ihr Traumberuf als Kind?
Als Kind hatte ich eigentlich keinen Traumberuf. In der Jugend stand für mich fest, dass ich Juristin werden wollte. Gott sei Dank waren dann aber die naturwissenschaftlichen Gene stärker.
Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?
Niemals mit dem Lernen aufzuhören.
Ihr grösstes schulisches Drama?
Die Handarbeitsstunden. Nähen war damals und ist auch heute noch nicht mein Ding.
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Haben Sie als Schülerin gemogelt?
Gelegentlich – vor allem in Latein, Cäsars «De bello Gallico» stellte eine Herausforderung dar. Allerdings zeigte sich immer wieder, dass Informationen auf den Spickzetteln auch ohne diese abgerufen werden konnten.
Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie könnten?
Grundsätzlich bin ich überzeugt, den für mich richtigen Beruf erlernt zu haben. Allerdings würde ich mich heute vor der Aufnahme der Berufstätigkeit zusätzlich für eine Ausbildung in Wirtschaftswissenschaften entscheiden.
Wer hat Sie am meisten gefördert?
Meine Eltern.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?
Die Möglichkeit, Menschen zu führen, Dinge zu bewegen und zu gestalten, Visionen zu entwickeln und diese dann umzusetzen.
Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Nach dem erfolgten Generationenwechsel ein modernes Managementsystem aufgebaut und erfolgreich implementiert zu haben.
Wenn Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch zurückdenken: Woran erinnern Sie sich noch?
An meine Nervosität.
Wie viele E-Mails beantworten Sie pro Woche?
Definitiv zu viele – zwischen 300 und 400.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag?
Zwischen 9 und 11 Stunden.
An welchem Ort können Sie am besten arbeiten?
Am liebsten in Randstunden in meinem Büro – ich schätze die ruhigen, sprich anrufsfreien Momente.
In welchen Ländern haben Sie bisher gearbeitet?
Ich war bis heute ausschliesslich in der Schweiz tätig, allerdings mit weltweiten Kontakten. Und aufgrund der vielfältigen Herausforderungen bleibt die Arbeit in der Schweiz nach wie vor äusserst spannend.
Auf welchem Gebiet haben Sie sich zuletzt weitergebildet?
In Personalführung und -entwicklung.
Wie hoch war Ihr erster Monatslohn?
Im Jahr 1986 habe ich die Ferienvertretung in einer Apotheke übernommen und dabei rund 3500 Franken verdient.
Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?
Mut, Offenheit für Neues und Visionen sowie Selbstkenntnis.
Welches sind die drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
Das sind Respekt, Fach- und Sozialkompetenz sowie offene Kommunikation.
Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Ein eigentliches Vorbild habe ich nicht; verschiedene Persönlichkeiten haben mich beeindruckt oder sogar beeinflusst.
Welche Person ist für Sie ein berufliches Vorbild?
Auch hier müsste ich verschiedene Persönlichkeiten nennen, die sich durch besondere Leistungen ausgezeichnet haben.
Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Bei zwischenmenschlichen Konflikten der Mitarbeitenden, die sich letztlich negativ auf die Gesamtleistung auswirken.
Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag, und was tun Sie dagegen?
Fehlender Einsatz und mangelnde Ehrlichkeit und Loyalität von Mitarbeitenden, die ich dann nach Möglichkeit darauf anspreche.
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Integrität, Ehrlichkeit und Offenheit, Respekt.
Wie stellen Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance sicher?
Ich versuche, mir gezielt Freiräume zu nehmen, die ausschliesslich der Familie und meinen Interessen gewidmet sind. Gartenarbeit oder gemeinsames Kochen entspannen, während Reisen oder aber regelmässige Lektüre anregen und neue Inputs bringen.
Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
Fachverbände im Pharmabereich sowie Beziehungen in aller Welt, sei dies in persönlichen Kontakten oder über Social Media.
Welche persönliche Freiheit fehlt Ihnen?
Wir leben glücklicherweise in einem Land, in dem wir über grosse Freiheiten verfügen. Was ich jedoch am meisten vermisse, ist Zeit.
Was stört Sie als Staatsbürgerin?
Die in immer höherem Masse in das freie Unternehmertum eingreifenden staatlichen Regulierungen in allen Bereichen.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Nein, mir persönlich ist Pünktlichkeit sehr wichtig – ich betrachte diese als Zeichen des Respekts.
Ihre grösste Tugend?
Ich bewahre in Stresssituationen einen kühlen Kopf und kann stufengerecht gut motivieren.
Ihr grösstes Laster?
Ungeduld und Naschen.
Ihr Lieblingsbuch?
«Glück kommt selten allein» von Dr. Eckart von Hirschhausen – intelligenter Humor, der entspannt.
Ihr Lieblingsfilm?
Alle alten James-Bond-Filme mit Sean Connery oder Roger Moore – denn diese vereinen Spannung mit Humor.
Was kaufen Sie selber ein – und wo?
Als Familien-Managerin im Nebenjob eigentlich alles – von Dingen aus dem Baumarkt bis zu Lebensmitteln.
Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Ich möchte irgendwann genügend Zeit haben, um die Welt und fremde Kulturen noch besser kennenzulernen.
Claudia Streuli
Claudia Streuli, 48, ist CEO und Delegierte des Verwaltungsrates der Streuli Pharma AG. Sie ist seit 1988 für das Familienunternehmen tätig, das sie in fünfter Generation führt. Nach der Ausbildung zur Apothekerin an der ETH hatte sie bei Streuli mehrere Führungspositionen inne, darunter die Produktionsleitung. 2003 übernahm sie die Leitung der Firma von ihrem Vater. Claudia Streuli lebt in einer Partnerschaft und hat einen Sohn.
Streuli Pharma AG, gegründet 1867 als Apotheke in Uznach, ist in den Bereichen Pharma-Grosshandel, Produktion und Vertrieb von Human-, Veterinär- und Dental-Arzneimitteln tätig und gehört zu den Schweizer Generika-Pionieren. Das Familienunternehmen beschäftigt 300 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von rund 90 Millionen Franken.
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