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8. Juli 2009, Neue Zürcher Zeitung

Mensch und Arbeit

Fringe-Benefits als Schönwetterprogramm

Der schnelle Abbau in der Wirtschaftskrise wird vielfach unterschätzt

Als Fringe-Benefit praktisch passé: Ein Beitrag an den Besuch eines Fitnesszentrums. (Bild: MATTES/DEEPOL)Zoom

Als Fringe-Benefit praktisch passé: Ein Beitrag an den Besuch eines Fitnesszentrums. (Bild: MATTES/DEEPOL)

Lohnnebenleistungen, die bei einem ausgetrockneten Arbeitsmarkt in vielen Betrieben grosszügig aufgebaut wurden, werden in der gegenwärtigen Krise überprüft. Experten raten dazu, auch Alternativen zu prüfen, bevor Fringe-Benefits leichtfertig zusammengestrichen werden.

Mensch und Arbeit

jam. Unternehmen in der Krise – und diesbezüglich gibt es derzeit nur wenige Ausnahmen – strecken sich nach der Decke, so gut es eben geht. Als vermutlich härteste Massnahme gilt der Personalabbau, der in jüngster Zeit auch in der Schweiz – nicht anders als in unseren Nachbarländern – an «Popularität» zulegt. Betroffen von solchen personalpolitischen Einschnitten ist auch die Finanzbranche, hierzulande, zumindest bis anhin, vor allem die UBS. Laut Oswald Grübel, der der Grossbank seit Ende Februar als Konzernchef vorsteht, will die UBS weltweit rund 8700 Stellen streichen, davon 2500 in der Schweiz, was laut der UBS-Personalabteilung zu 1200 bis 1500 Entlassungen führen soll. Die Bank bietet den Betroffenen immerhin ein professionelles Coaching an, das sich über mehrere Monate erstrecken kann.

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«Fringe-Benefits sind keine Motivatoren»

Sparpotenzial machen die Unternehmen auch bei den Lohnnebenleistungen, den Fringe-Benefits (vgl. Grafik), aus. Allerdings verfahren in dieser Hinsicht nicht alle Arbeitgeber einheitlich, wie eine nichtrepräsentative Umfrage zeigt. Wieder ist es unter anderen die UBS, die auch bei den Fringe-Benefits zurückbuchstabiert. Dabei gilt es festzuhalten, dass die Bankenwelt in der Vergangenheit im Vergleich mit anderen Industriezweigen überaus grosszügig dastand, was sich jetzt bei der UBS besonders bemerkbar macht. So sollen beispielsweise den Direktoren keinerlei Leasinggebühren für Privatwagen mehr bezahlt werden. Auch kleinere Vergünstigungen wie etwa eine Pauschalentschädigung von 250 Franken pro Mitarbeiter an Fitnessstudios werden gestrichen. Zudem müssen die Bankangestellten ab 2010 für ihren Firmenparkplatz bezahlen, was andernorts seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist.

Für Bruno Staffelbach, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich, steht fest, dass der Abbau von Fringe-Benefits «niemals freudig» aufgenommen werde, am wenigsten bei den Betroffenen selber. Auch imagemässig müssten solche Massnahmen gut überlegt sein, wenngleich, wie Staffelbach ausführt, den Banken solche Leistungskürzungen gesellschaftlich am ehesten «verziehen» würden. Dies darum, weil das Angebot der Finanzdienstleister im Branchenvergleich immer übermässig grosszügig gewesen sei. Fringe-Benefits sind bei einem ausgetrockneten Arbeitsmarkt zwar ein interessantes Mittel, um sich von der Konkurrenz abheben zu können; nur ist eine entsprechende Strategie vonnöten, da das spätere Streichen dieser Leistungen meist zu Unzufriedenheit und Frustration führt, wie der Ökonom ausführt. In Anlehnung an die Theorie von Frederick Herzberg sind Lohnnebenleistungen klassische «Hygienefaktoren», die Unzufriedenheit hervorrufen. Sie werden gerne angenommen, sind aber – anders als Faktoren wie Anerkennung – keine Motivatoren, die die Zufriedenheit der Arbeitnehmenden positiv beeinflussen.

Die Frage der richtigen Strategie

Anders als die UBS sieht die Zürcher Kantonalbank davon ab, ihre Fringe-Benefits wegen der Wirtschaftskrise anzupassen. Seit 2001 verwendet das Zürcher Finanzinstitut einen «Total-Compensation-Ansatz», der einen fixen und einen variablen Geldanteil sowie Zusatzleistungen umfasst, wie seine Medienstelle mitteilt. Die Bank orientiere sich am branchenüblichen Standard, wobei die Hierarchiestufen keinen grossen Einfluss auf die Zuteilung der Nebenleistungen haben. Unterschieden wird in erster Linie zwischen unbefristeten und befristeten Vollzeitbeschäftigten, Teilzeitbeschäftigten und Pensionären. Die Fringe-Benefits umfassen unterschiedliche Bereiche, von Leistungen im Banking bis hin zu vergünstigten Versicherungsleistungen oder der Förderung der Benützung des öffentlichen Verkehrs durch finanzielle Anreize. Staffelbach rät den Arbeitgebern, vor einer allfälligen Streichung von Nebenleistungen sehr genau darüber nachzudenken, ob diese nicht Teil der Unternehmensstrategie seien. So kann etwa bei der Zürcher Kantonalbank der Support der Benutzung des öffentlichen Verkehrs im Rahmen des nachhaltigen Handelns gesehen werden, der zum gesetzlichen Leistungsauftrag der Bank gehört. Auch gelte es abzuwägen, ob die potenziellen Einsparungen die Unzufriedenheit der in der Firma verbleibenden Mitarbeiter überkompensieren.

Auch ABB Schweiz verzichtet darauf, ihre Fringe-Benefits einzuschränken oder gar abzubauen. Die wichtigsten Angebote sind Kinderkrippen, Gratisgetränke, Gesundheitszentren, die Möglichkeit eines Sabbaticals, erweiterter Mutterschaftsurlaub usw. – alles Leistungen, die das Technologieunternehmen als verantwortungsbewusst darstellen. Wieder anders sieht es beim Krankenversicherer Helsana aus: Die Lohnnebenleistungen wurden bei der Implementierung eines neuen Honorierungssystems zwar leicht gekürzt, wie die Leiterin Human Resources, Barbara Bourouba, sagt. Mit den dadurch freigesetzten Mitteln seien aber die Grundsaläre erhöht sowie die variable Vergütung finanziert worden. Nicht die Wirtschaftslage habe zur Änderung des Honorierungssystems geführt, heisst es, sondern eine Marktanalyse. Diese ergab, dass die Helsana betreffend Fringe-Benefits in der Branche überdurchschnittlich gut dasteht, weniger gut dagegen, was das Grundsalär angeht.

Gut zu wissen ist, dass die Fringe-Benefits, sofern sie als Teil des Lohns gelten, auch während einer Freistellung oder im Falle einer ungerechtfertigten fristlosen Entlassung zu bezahlen sind. Dies entspreche dem Stand der Rechtsprechung, sagt der Basler Arbeitsrechtler Frank Emmel. Dabei wird etwa an die Privatnutzung des Handys oder an den privaten Gebrauch des Dienstautos gedacht. Sicher ist, dass Fringe-Benefits im Gespräch bleiben und im Topmanagement weiterhin für selbstverständlich erachtet werden, Krise hin oder her. Dies bestätigt auch Doris Aebi, die auf die Besetzung von obersten Führungspositionen spezialisiert ist. In Krisenzeiten würden die Lohnnebenleistungen primär im mittleren Management reduziert, «natürlich zum Ärger jener Mitarbeiter, die bei der Stange gehalten werden sollen», sagt Aebi. Auch sie fragt sich, ob derartige Sparmassnahmen nicht «zu kurzfristig» gedacht seien. «Der Aufbau eines Fringe-Benefits-Programms ist einfach, der Abbau in Krisenzeiten wird dagegen oftmals unterschätzt.»

 


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