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31. August 2009, Neue Zürcher Zeitung

Umgang mit Fellen, Fallen und Fussball

Wirtschaft im Gespräch: Nihad Imamovic – Arbeitgeberpräsident von Bosnien-Herzegowina

tf. Sarajevo, im August

Der Betrieb von Nihad Imamovic ist nichts für sensible Nasen. Der Gestank, der bei der Verarbeitung von Kuhfellen zu ledernen Innenausstattungen für Autos entsteht, ist penetrant. 48 Stunden dauert es, bis die schmutzigen Felle – bevorzugt wird Simmentaler Fleckvieh – von den Haaren befreit sind. Doch zimperlich darf nicht sein, wer in Bosnien-Herzegowina geschäften will. Das weiss niemand besser als Imamovic selber, Präsident des Arbeitgeberverbandes und somit quasi höchster Unternehmer im Land. Denn ganz unbegründet ist es nicht, wenn das Image des Vielvölkerstaates auch 14 Jahre nach Kriegsende noch immer miserabel ist. Bosnien wird vielerorts vorab mit ethnischen Konflikten, ausufernder Bürokratie und endemischer Korruption gleichgesetzt.

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Imamovic ist nicht nur CEO, sondern auch zweitgrösster Eigentümer der 1995 gegründeten Asa-Holding. Diese erwirtschaftet mit 3500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 400 Mio. € – die Hälfte davon mit Ausfuhren, womit Asa drittgrösster Exporteur Bosniens ist. Der Holding angegliedert ist der Zulieferer Prevent Leather, der in Visoko, 30 km nordwestlich von Sarajevo, Lederbezüge vor allem für Volkswagen herstellt. In der Volkswagen-Gruppe soll jeder achte über Ledersitze verfügende Wagen mit Polstern aus Visoko ausgestattet sein. Auch Angela Merkel sitze bei Dienstreisen auf Leder aus bosnischer Produktion, wird beim Rundgang versichert. Das mag so sein, vielleicht ist es aber auch nur eine fixe Idee der jungen Firmenleitung, in der neben dem 59-jährigen Imamovic niemand älter als 40 Jahre zu sein scheint.

Imamovic stammt aus Sarajevo. Und dort harrte der Maschinenbauingenieur mit seiner Frau – einer Vize-Gouverneurin der bosnischen Zentralbank – und den zwei Kindern auch aus, als die Stadt im Bosnienkrieg jahrelang von bosnischen Serben belagert und bombardiert wurde. Im letzten Jahr des bewaffneten Konflikts amtete Imamovic gar als Gemeindepräsident der Altstadt Sarajevos. Im Gespräch spielt der bescheiden auftretende Unternehmer seine politische Affiliation zwar herunter; er gehöre keiner Partei an und pflege Kontakte zu allen Parteien, seien sie muslimischer, serbischer oder kroatischer Zugehörigkeit, betont er.

Tatsache bleibt jedoch, dass seine Kontakte zur zweitgrössten muslimischen Partei, der SDA, besonders eng sind. In diesen Kreisen fiel denn auch oft der Name des gut vernetzten Asa-Chefs, als im Juni ein neuer Regierungsvorsitzender für die bosnjakisch-kroatische Föderation gesucht wurde. Nach allfälligen Fallen für bosnische Unternehmen gefragt, erwähnt Imamovic zunächst die hohe Belastung durch die Sozialabgaben. Die auf Löhne zu zahlenden Steuern betrügen in der Föderation 69%. Gesetze, die dem sozialen Frieden zuliebe unter Hochdruck verabschiedet worden seien, müssten nun revidiert und die Sozialausgaben kritisch überprüft werden. Ungesund sei zudem, dass der Staat rund 50% höhere Löhne zahle als die Privatwirtschaft; der Kostendruck steige dadurch zusätzlich. Auch die Korruption verharmlost Imamovic keineswegs: Zu beobachten seien vorab indirekte Formen der Bestechung, sogenannte Gefälligkeiten. Oft sei auch Bares nötig, etwa im Gesundheitswesen: «Ohne Zustupf ist es unmöglich, eine medizinische Untersuchung zu erhalten.» Sein Verband lege zwar den Finger auf die Missstände, die Regierung bleibe aber passiv.

Nun wird in Bosnien zwar oft Wasser gepredigt und Wein getrunken. Lokale Beobachter attestieren dem mehrfach ausgezeichneten Unternehmer aber eine recht saubere Weste. Zu Imamovics gutem Ruf trägt auch sein sportliches Engagement bei, sei es als ehemaliges Leitungsmitglied beim Fussballklub Sarajevo oder als Präsident des gesamtstaatlichen Basketballverbandes. Wie zahlreiche Bosnier hofft auch Imamovic, dass der Sport im ethnisch zerrissenen Land Brücken bilden kann. Sollte sich etwa die Fussballnationalmannschaft für den World Cup 2010 qualifizieren, hätte dies für die nationale Kohäsion wohl weitreichendere Folgen als alle politischen Initiativen der vergangenen Jahre. In seinen Betrieben stellt Imamovic keine Spannungen zwischen den Volksgruppen fest, und er verzichtet daher auch auf entsprechende Quotenregelungen. «Nicht die Bevölkerung ist das Problem», meint der Unternehmer, «sondern die Politik.»

 


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