20. Juli 2009, Neue Zürcher Zeitung
«Lügen kann ich nicht ausstehen»
Wirtschaft im Gespräch: Patrick De Maeseneire bringt frischen Wind in den Adecco-Konzern
am.
Hobbys? Bei dieser Frage muss Patrick De Maeseneire, der neue Chef des weltgrössten Personalvermittlers, Adecco , passen. Hobbys habe er eigentlich keine mehr, seit er mit dem Marathonlaufen aufhören musste; zumindest keine anderen mehr neben dem Job, den er mit grosser Leidenschaft mache.
Dass der 51-jährige Belgier mit Leib und Seele hinter seiner Arbeit steht, wird im Gespräch rasch deutlich. Mit Begeisterung erzählt er von den vielen Unterredungen, die er in den sieben Wochen seit seinem Amtsantritt mit Kunden und Mitarbeitern rund um den Globus geführt hat, um den Puls der Märkte zu fühlen. Die Tatsache, dass er seinen neuen Job zu einem Zeitpunkt antreten musste, da auch die Personalvermittler schwere Zeiten wie noch nie durchleben, stört den studierten Wirtschaftsingenieur und Marketingspezialisten nicht. Im Gegenteil, dann könne es ja nur besser werden, fügt er an. Und dass es konjunkturell schon bald wieder aufwärtsgehen wird, davon ist der geborene Optimist, wie er sich selber bezeichnet, überzeugt. Bereits gegen Ende Jahr erwartet er eine Erholung in den USA, im Sommer 2010 dann auch in Europa.
Der Wechsel zu Adecco gefällt De Maeseneire auch insofern, als er einer ist, der die Herausforderung sucht. So war für ihn bereits letzten Sommer klar, dass er den Schokoladenhersteller Barry Callebaut, den er sieben Jahre erfolgreich geführt hatte, 2009 verlassen würde. Die wichtigen Ziele – geografische Expansion, Kostenführerschaft und Innovationsstärke – seien umgesetzt gewesen, nun müssten neue Leute mit neuen Ideen ans Ruder. Der Drang, immer wieder Neues zu bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch De Maeseneires Karriere. Nach verschiedenen Positionen bei Arthur Andersen, Wang, Apple, Sun International und der belgischen Fernsehstation VTM stiess er bereits 1998 ein erstes Mal zu Adecco, wo er zunächst die Region Benelux leitete, bevor er von New York aus die weltweite Verantwortung für die Fachkräftevermittlung übernahm. Klaus Jacobs, dessen Jacobs Holding sowohl bei Adecco als auch bei Barry Callebaut Hauptaktionärin ist, war es dann, der ihn 2002 an die Spitze des Schokoladenherstellers holte. Den Entscheid, zu einem früheren Arbeitsort zurückzukehren, machte sich der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern allerdings nicht leicht. Erst als er gesehen habe, dass Adecco heute mit der Firma, die er 2002 verlassen habe, nicht mehr viel gemein habe, und er sich der Unterstützung aller Verwaltungsratsmitglieder sicher sein konnte, habe er zugesagt.
Seit der extrovertierte Belgier bei Adecco das Zepter übernommen hat, weht beim Zeitarbeitskonzern ein anderer Wind. Von aussen mag dies noch nicht ersichtlich sein, intern sind die Zeichen der Veränderung jedoch deutlich: vom Chefbüro, das statt von Mauern nur noch von Glaswänden umgeben ist, um Mitarbeiter zum direkten Kontakt aufzufordern, bis hin zu den Mails, die vom CEO auch aus den Ferien prompt beantwortet werden. De Maeseneires Kommunikationsstil ist, wie überhaupt seine ganze Art, offen, direkt und ehrlich – und diese Eigenschaften verlangt er auch von seinen Mitarbeitenden. Was er nicht ausstehen könne, seien Lügen oder ausweichende Antworten. Da reagiere er hart, sehr hart. Ihm sei ein aufrichtiges «Ich weiss es nicht, werde es jedoch bis heute Abend herausfinden» lieber als ein langes Gerede um den heissen Brei.
Auf seine Mitarbeiter will sich der Vollblut-Manager absolut verlassen können. «Trust» ist denn auch eines der drei «T», auf die er in der Führung setzt, neben Talent und Team. Team heisst unter anderem, dass bei Entscheidungen konsequent auf das Vier-Augen-Prinzip gesetzt wird, wobei sich De Maeseneire bewusst mit Leuten umgibt, die dort ihre Stärken haben, wo er selbst seine Schwächen ortet. Fehlende Visionen oder mangelnder Wille, diese umzusetzen, dürften allerdings nicht zu den Schwächen gehören bei dem Mann, der sich Walt Disneys Motto «If you can dream it, you can do it» sogar unter das Familienwappen geschrieben hat.
Über seine konkreten Ziele bei Adecco und die Zukunft des Marktes für Personaldienstleistungen möchte De Maeseneire zwar noch nicht Stellung nehmen. Aber eines ist für ihn klar: Die westlichen Unternehmen müssen noch viel flexibler werden, wenn sie in der immer stärkeren Konkurrenz überleben wollen. Dies betrifft nicht zuletzt auch das Kerngeschäft von Adecco, den Einsatz von Arbeitskräften.
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Controller / Business Planning Analyst
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