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2. Mai 2009, NZZexecutive

Die Knallfolie eignet sich besonders gut zum Stressabbau

Errungenschaften der Technik

Von schützender Leichtigkeit: Die Luftpolsterfolie (Bild: Mathys Fischer)Zoom

Von schützender Leichtigkeit: Die Luftpolsterfolie (Bild: Mathys Fischer)

Wie zerplatzen Sie die Blasen der Luftpolsterfolie? Einzeln, mit zwei Fingern, strikt der Reihe nach oder wahllos und hastig? Die Art und Weise, wie man die Folie knallen lässt, offenbart Persönlichkeitszüge. Die Kunststoffblasen sprechen offensichtlich tiefliegende Instinkte in uns an. Kinder können stundenlang im Zerdrücken des «Blötterlipapiers» versinken. Und auch im Erwachsenenalter lassen die runden Luftpölsterchen viele nicht mehr los. Zahlreiche Websites, Fanartikel und Blogs zeugen davon. Das auch Knallfolie genannte Verpackungsmaterial ist zu einer Zeitgeist-Ikone aufgestiegen. Das New Yorker Museum of Modern Art hat den Transportschutz 2004 zu einem von 120 «Humble Masterpieces» des Alltagsdesigns gekürt.

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Eine abwaschbare Tapete

Als der amerikanische Ingenieur Alfred Fielding und der Schweizer Erfinder Marc Chavannes in den fünfziger Jahren in New York die Luftpolsterfolie erfanden, hatten sie nicht den Anspruch, ein Design-Objekt zu kreieren. Sie waren nicht einmal auf der Suche nach einem Verpackungsmaterial. Ihr Ziel war es, eine leicht abwaschbare, texturierte Tapete zu entwickeln, die über eine Papierschicht auf der Rückseite an die Wand geklebt werden kann. Die Tapete gelang nicht nach Wunsch. Stattdessen kam ihnen während der Arbeiten die Idee, dass die im Plastic eingeschlossene Luft ein ideales Verpackungsmaterial abgäbe. 1960 gründeten sie die Sealed Air Company, um die inzwischen urheberrechtlich geschützte Erfindung unter dem Namen «Bubble Wrap» zu vermarkten. Heute ist Sealed Air ein weltweiter Konzern, der mit Luftpolsterfolien und anderen Systemen zum Schutz von Produkten vor Transportschäden jährlich fast 5 Milliarden Dollar umsetzt.

Das Grundmaterial der Luftpolsterfolie ist Polyethylen. Dieser Kunststoff zeichnet sich durch eine hohe Zähigkeit und Dehnbarkeit aus. Da Polyethylen aber porös ist, wird es zusätzlich mit einer Saran-Beschichtung versiegelt. Dieses als Frischhaltefolie bekannte Polyvinylchlorid ist für Sauerstoff und Wasserdampf undurchlässig. Die Herstellung ist einfach: Um die regelmässige Wabenstruktur zu erhalten, wird ein Kunststofffilm um eine entsprechend gelochte Trommel gewickelt. Die Blasen entstehen, indem der Film durch die Löcher angesaugt wird. Danach wird ein zweiter Plasticfilm auf der Rückseite aufgebracht, um die Luft in den Blasen einzuschliessen.

In allen Farben erhältlich

Neben der verbreiteten, leicht milchigen Form ist die Luftpolsterfolie auch in einer rosafarbenen, antistatischen Version erhältlich. Sie kommt etwa als Transportverpackung von Computerchips zum Einsatz. Andere Färbungen werden auf Bestellung gefertigt. Zudem sind auch haftende, klebende, reflektierende, schwer entflammbare und laminierte Varianten oder mit der Folie ausgekleidete Kuverts verfügbar. Der Vorteil der Luftpolsterfolie liegt in ihrer Kombination aus einer grossen Schutzwirkung und einem geringen Gewicht. Die vielen kleinen Luftblasen dämpfen Schläge auch dann sehr wirkungsvoll ab, wenn ein grosser Teil zerplatzt ist. Besonders empfindliche Gegenstände werden dafür ganz einfach mehrfach umwickelt. Schon früh entdeckten auch Designer, Modemacher und Künstler das Verpackungsmaterial. Mit den schimmernden Blasen lassen sich spektakuläre Effekte erzielen. Die leichte Trübung und die Lichtbrechungen durch die runden Oberflächen laden zum Spiel mit Durchsichten ein. Vom Hochzeitskleid bis zur Unterhose gibt es kein Kleidungsstück, das nicht schon aus dem Verpackungsmaterial gefertigt wurde.

Zeit zerplatzen lassen

Populär ist die Folie aber nach wie vor wegen ihrer stressabbauenden Wirkung. Im Internetzeitalter kann man dem Blöterlizerquetschen auch virtuell frönen. Es existieren Simulatoren, mit denen man sich die Zeit am Computer totplatzen kann. Dabei geht allerdings das haptische Element verloren, das gerade Kinder so fasziniert. Die Fingerbeere, die im weichen Plastic versinkt. Das Gefühl, wenn der Druck schnell genug aufgebaut werden muss, damit die Blase knallt und sich nicht nur einfach ausdehnt. Oder wenn man seine Finger von der Gegenseite zu spüren beginnt, wenn die Luft draussen ist. Erwachsene scheinen dies weniger zu vermissen. Ihnen reicht die repetitive Handlung am Computer oder im iPhone.

Daniel Meierhans 

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