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21. März 2009, NZZexecutive

Der Mikrowellenofen ist praktisch, aber bleibt unbeliebt

Errungenschaften der Technik

Schnelle Wärme: Praktisch für den Fast-Food-Konsum. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER )Zoom

Schnelle Wärme: Praktisch für den Fast-Food-Konsum. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER )

Vorteile sind kein Garant für eine allgemeine Akzeptanz: Sein grosser Nutzen ist beim Mikrowellenofen gleichzeitig auch für seinen schlechten Ruf verantwortlich. Weil mit ihm Essen viel schneller und bequemer erwärmt werden kann als mit jedem anderen Kochmittel, ist er vor allem bei Fast-Food-Konsumenten beliebt. Gesundheitsbewusste und Feinschmecker machen im Gegenzug einen Bogen um «die Mikrowelle». Einige fürchten den Apparat gar als Quelle gefährlicher Strahlung. Trotzdem gehört der Mikrowellenofen zu den am meisten verbreiteten Küchengeräten. Die British Science Association hat ihn denn auch kürzlich zu einer der zehn Erfindungen erklärt, die unseren Alltag am stärksten prägen.

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Wärme durch Bewegung

Physikalisch beruht das Erwärmen von Nahrungsmitteln mit Hilfe von Mikrowellenstrahlung auf einer Anregung der Bewegungen der Wassermoleküle im Essen. Dafür sorgt ein schneller Wechsel des elektrischen Feldes im Ofeninneren. Die zur Zeit üblichen Haushaltgeräte arbeiten mit einer Frequenz von 2,45 Gigahertz, was 4,9 Milliarden Feldwechseln pro Sekunde entspricht. Die Wasserteilchen, in denen die elektrische Ladung zwischen dem Sauerstoffatom und den zwei Wasserstoffatomen ungleich verteilt ist, versuchen sich dabei immer wieder optimal im Feld auszurichten. Neben Wasser weisen aber auch viele andere Moleküle in der Nahrung solche Dipol genannte, ungleichmässige Ladungsverteilungen auf. Auch sie werden durch das Wechselfeld in Bewegung versetzt und tragen so zur Erwärmung bei. Wasser ist aber das mit Abstand häufigste und beweglichste Dipolmolekül in den meisten Nahrungsmitteln.

Geschmolzener Schokoriegel

Die Entdeckung der Erwärmungsfähigkeiten von Mikrowellenstrahlung verdanken wir wie viele andere Technologieentwicklungen dem Zufall. Percy Spencer arbeitete Anfang der 1940er Jahre für den amerikanischen Hersteller Raytheon an einer Strahlungsquelle für Radargeräte, als er ein eigenartiges Gefühl verspürte. Der Schokoriegel in seiner Tasche war geschmolzen. Als erfahrener Ingenieur, der schon über 100 Patente hielt, verstand Spencer sofort, dass er einem interessanten Phänomen auf die Spur gekommen war. Als Nächstes versuchte er den Effekt mit Popcorn und mit einem Ei nachzuvollziehen. Spätestens als das Ei schon nach kurzer Zeit explodierte und sein heisses Inneres im ganzen Raum verspritzte, war Spencer klar, dass er eine neue, effiziente Kochmethode gefunden hatte.

Ende 1945 reichte Raytheon ein erstes Patent für den Mikrowellen-Kochprozess ein. 1947 kam schliesslich der erste Ofen auf den Markt. Der fast zwei Meter grosse und über 300 Kilogramm schwere Kasten war für Restaurants gedacht und schluckte mit 3000 Watt ungefähr die dreifache Energiemenge eines heutigen Geräts. Die erste Mikrowelle für den Heimgebrauch folgte 1954. Die Verbreitung in den Privathaushalten setzte Mitte der 1960er Jahre ein. Der Preis war in der Zwischenzeit von einigen tausend auf wenige hundert Dollar gefallen. Nun steht in 95 Prozent aller amerikanischen Küchen ein «Microwave». Parallel zur rasanten Verbreitung setzte eine Diskussion über die Gefährlichkeit der Mikrowellenöfen ein, die schon bald – wie im Strahlungsumfeld üblich – auf die Ebene der Glaubensfragen abdriftete. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) liegt die Belastung von korrekt betriebenen Geräten weit unter dem zulässigen Grenzwert. Metallgitter verhindern gemäss diversen Studien ein Austreten der an sich schädlichen Mikrowellen weitgehend. Einzelne Überschreitungen sind nur möglich, wenn die Türdichtung defekt oder stark verschmutzt ist. Gefährlich können Flüssigkeiten werden, die im Ofen über den Siedepunkt erhitzt werden und durch Erschütterungen explosionsartig verspritzen können.

Nährwert nicht vermindert

Auch für eine immer wieder angeführte, übermässige Verminderung des Nährwertes durch ein Erwärmen im Mikrowellenofen gibt es laut dem BAG keine wissenschaftlichen Beweise. Im Vergleich mit anderen Kochmethoden erweist sich die Mikrowelle sogar als eher schonend. Es entstehen weniger reaktive Radikale oder krebsfördernde, polyzyklische Aromaten, und auch Fette werden weniger stark oxidiert, als wenn konventionell in Pfannen gekocht wird. «Sein grosser Nutzen ist beim Mikrowellenofen gleichzeitig für seinen schlechten Ruf verantwortlich.»

Daniel Meierhans

 


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