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9. Juli 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Ziel Seuchenbekämpfung – der Bieneninspektor

Berufswelt der Technik

Bauernverband: «Schweiz zählt rund 173 000 Bienenvölker.» (Bild: Keystone)Zoom

Bauernverband: «Schweiz zählt rund 173 000 Bienenvölker.» (Bild: Keystone)

Michael Felber

Rund siebenhundert Bienenarten, die in Europa heimisch sind, leisten für Blütenpflanzen wertvolle Bestäubungsdienste. Um die sich rein vegetarisch ernährenden Insekten anzulocken, bieten Blütenpflanzen eine zuckerhaltige Flüssigkeit an, die sie mit Duftstoffen versetzen. Dieser saftige Nektar motiviert und belohnt die Bienen für ihren Bestäubungsdienst und bildet den Ausgangsstoff für die Honigvorräte, deren Farbe je nach Trachtgebiet von tiefem Dunkelbraun bis zu leuchtendem Hellgelb variiert. Mit dem in Waben eingelagerten Honig kann das Bienenvolk in der nahrungslosen Winterzeit sein Überleben sicherstellen.

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Staatenbildend

Gemäss den Zahlen des Schweizerischen Bauernverbandes für das Jahr 2009 zählt die Schweiz rund 173 000 Bienenvölker. Damit wird die bei uns heimische westliche Honigbiene (Apis mellifera) erfasst, die – anders als die vielen Wildbienenarten – staatenbildend ist und von Imkern betreut wird. «Die zentrale Aufgabe der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen kann aber nur ein gesundes Bienenvolk übernehmen», sagt der 47-jährige Hermann Villiger, der Imker und Bieneninspektor des Kantons Zug ist.

Frage des Gleichgewichts

Werden Bienen auch von Krankheiten befallen? «Natürlich.» Die hauptsächlichen Krankheiten teilt Villiger in drei Gruppen ein: bakterielle Erkrankungen wie Faul- und Sauerbrut, Virenerkrankungen, zu der die Varroatose zählt, sowie Pilzkrankheiten, welche ausschliesslich die noch nicht geschlüpften Tiere befallen.

«Die Gesundheit eines Bienenvolkes hängt von vielen Faktoren ab», erklärt Villiger. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Witterung und Klima, die Nahrungssituation sowie Vorräte, Volksstärke und Infektionsdruck. «Ein Bienenvolk ist oft aus eigener Kraft in der Lage, Bakterien, Viren oder Parasiten aufzuhalten oder zu eliminieren.» Der Putztrieb spielt dabei eine herausragende Rolle. Schmutz, Fremdkörper sowie tote und schwache Bienen werden rund um die Uhr aus den Wabenzellen und dem Bienenstock entfernt. Durch das stete Schlüpfen und Sterben erneuert sich ein Bienenvolk jährlich und gesamthaft acht Mal.

Schwärmen

«Auf diese Weise werden zwanzig Kilogramm Bienen samt ihren Krankheitserregern aus dem Bienenstock eliminiert», erklärt Villiger. Eine andere natürliche Abwehrmassnahme bildet das Schwärmen. Ein Teil des Bienenvolkes folgt der alten Königin und kann viele der Krankheitserreger, die sich vor allem in der Brut aufhalten, im alten Stock zurücklassen. Und dort weiss sich die junge Königin mit einem sofortigen Brutstopp zu helfen, wodurch sie gewisse Krankheitserreger an der Ausbreitung hindert. «Diese spezifischen Verhaltensweisen zeigen, wie sich die Biene auf natürliche Weise gegen Krankheitserreger zu helfen weiss», sagt der Bieneninspektor. «Die Varroatose, heute die schwerste Bienenkrankheit, erfordere jedoch zwingend imkerliche Unterstützung, soll das Eingehen eines Bienenvolkes verhindert werden. Mit ihrem natürlichen Putzverhalten gelinge es den bei uns heimischen Bienen nämlich nicht, diese Parasiten zu eliminieren. Viele der anderen Krankheiten würden durch die Varroamilbe begünstigt oder sogar verursacht.

Prävention

Die hauptsächliche Arbeit des Bieneninspektors besteht gemäss der Tierseuchengesetzgebung in der Prävention und Bekämpfung der Faul- und Sauerbrut. «Wir stehen den Imkern und Verbänden aber auch beratend zur Seite», erläutert Villiger sein Tätigkeitsfeld. «Wenn wir vom meldepflichtigen Imker über Anzeichen oder Ausbruch von Faul- und Sauerbrut informiert werden, leiten wir umgehend Untersuchungen ein und entnehmen Proben.»

Grossflächiger Einsatz

Bei positiver Probe werden Bekämpfungsmassnahmen ergriffen, welche aufgrund des Flug- und Aktionsradius der Tiere auch alle Bienenstände im Umkreis von zwei Kilometern berücksichtigen. Glücklicherweise sei es in den letzten vier Jahren nicht zu grösseren Seuchen gekommen, so Villiger. Der Bieneninspektor war mit seinen zwei Kollegen letztes Jahr 180 Stunden für die Gesundheit der 2600 Bienenvölker im Kanton Zug unterwegs.


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