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21. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Viel Kleinarbeit für Archäologen und ihre Helfer

Berufswelt der Technik

Vindonissa: Reste einer Hafenmauer an der Reuss. (Bild: KEY / Aargauer Kantonsarchäologie)Zoom

Vindonissa: Reste einer Hafenmauer an der Reuss. (Bild: KEY / Aargauer Kantonsarchäologie)

Robin Schwarzenbach

Berufswelt der Technik

Nachdem die Römer in der Schlacht im Teutoburger Wald den Cheruskern unterlegen waren, gab das Weltreich seine Provinz Germania auf und zog sich hinter den Rhein zurück. An der natürlichen Grenze des Imperiums wurden mehrere Legionen stationiert. So auch bei einer helvetischen Siedlung namens Vindonissa, dem heutigen Windisch im Kanton Aargau, wo um das Jahr 15 nach Christus ein Militärlager errichtet wurde. Der Standort zwischen der Aare und der Reuss war besonders geeignet, befand sich der Stützpunkt doch auf einer Anhöhe, von der man beide Flussläufe und die kreuzenden Verkehrsachsen überblicken konnte.

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Von Projekt zu Projekt

Die Bauten in dem befestigten Lager waren zunächst aus Holz gefertigt. Später wurden Gebäude aus Stein und Lehm errichtet; die Dächer bestanden aus Ziegelkonstruktionen. Die rötlichen Steine hierfür stammten vermutlich aus einer Ziegelei, deren Reste vor ein paar Jahren bei Hunzenschwil entdeckt worden sind. Ebenfalls verfügte die Verteidigungsanlage von Vindonissa über ein Aquädukt. Das Frischwasser wurde von Süden her in einen Turm geleitet, von dem aus die Leitungen im Lager gespeist wurden.

«Heute wissen wir, dass der Wasserspiegel im Reservoir neun Meter über Boden liegen musste, damit für die Versorgung des gesamten Stützpunkts genügend Druck vorhanden war», sagt Matthias Flück. Der 29-jährige Archäologe, der an der Universität Basel Ur- und Frühgeschichte studiert hat, leitet seit diesem Frühjahr eine Ausgrabung im Dorfzentrum von Windisch – auf Projektbasis, wie es in diesem Metier die Regel ist. Die historische Stätte befindet sich etwas ausserhalb der früheren Lagermauern. Anders als über das Innere des Heerespostens ist über dieses Areal noch wenig bekannt. Es wird vermutet, dass sich das Siedlungsgebiet der Helvetier im Laufe der Zeit bis hierher erstreckte.

Bisher jedoch sind die Mitarbeiter von Flück auf keine Wohnbauten gestossen. Hervorgetreten sind dafür die Fundamente von mehreren Pfeilern des erwähnten Aquädukts. Die Mörtelbauweise ist ein deutlicher Hinweis auf die Römerzeit. «Die Anlage ist wahrscheinlich noch in der Antike zurückgebaut worden, um Material für andere Massivbauten zu gewinnen», erläutert Flück mit Blick auf einen der steinernen Stummel im Untergrund. Die dunklen Partien im Erdreich, die an einer anderen Stelle freigelegt worden sind, deutet der Archäologe als Spuren von Schlacke – ein Indiz also, dass in der Nähe Metall verarbeitet wurde.

4500 Quadratmeter

Insgesamt steht dem 17-köpfigen Team des Wissenschafters eine 4500 Quadratmeter grosse Fläche zur Verfügung. Bis im Herbst 2012 müssen die Feldarbeiten beendet sein. Danach wird auf dem Grundstück ein Bauprojekt realisiert; die Relikte der römisch-helvetischen Vergangenheit werden dann wohl für immer verloren gehen.

Für den Moment indes sind die Überbleibsel des Altertums ganz nah. Tonscherben, Ziegelstücke, Münzen, Würfel, Sicherheitsnadeln von Kleidungsstücken, den Kieferknochen von einem Nutztier (einem Schwein?), den Längsschnitt einer Strasse gibt der Boden bereits nach einem Aushub von weniger als einem Meter frei. Gegraben wird mit Schaufel und Spaten. Festsitzende Fundstücke werden behutsam gelöst, mit Hilfe von Kellen und anderen Werkzeugen. Wenn grössere Mengen an Erdmaterial entfernt werden sollen, kommt ein Schaufelbagger zum Einsatz. Unter der Aufsicht einer Grabungstechnikerin, die für ihre Tätigkeit einen eidgenössischen Fachausweis besitzt, geht auch das mit der gebotenen Vorsicht vonstatten.

Aufwendiges Inventar

Auf archäologischen Stätten wie jener in Windisch werden diese Prozesse laufend dokumentiert. Zeichner bringen unterschiedliche Situationen vor Ort genau zu Papier, die Fortschritte der Grabungen werden stetig fotografiert, die gereinigten Fundstücke am Ende auch am Computer erfasst. Die eigentliche Inventarisierung steht dem verantwortlichen Archäologen dann jedoch erst bevor. Matthias Flück etwa hat sich dafür das kommende Winterhalbjahr reserviert, wenn die Grabungen in Windisch ruhen werden. Solche Dokumentationen nehmen viel Zeit in Anspruch. Das zeigt auch die Tatsache, dass eine Auswertung der Funde in dem zweijährigen Projekt gar nicht vorgesehen ist.


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