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6. August 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Sonnenschutz, Schatten, Sonderlösungen

Berufswelt der Technik

Sonnenstoren: Die technischen Lösungen sind zahlreich. (Bild: PD)Zoom

Sonnenstoren: Die technischen Lösungen sind zahlreich. (Bild: PD)

Guy A. Lang

Heiss brennt die Sonne durch die Scheiben auf die kunstvoll bemalten Wände, stürmisch klatscht der Regen an die Fenster des denkmalgeschützten Bauwerks – die Kräfte der Natur können grosse Schäden anrichten. Sie lassen Farben verblassen und setzen alte Holzrahmen der Verwitterung aus. Als Abhilfe eignen sich Fensterläden, Vorhänge oder Storen, kurz Wetterschutzanlagen. Selbstverständlich sind solche Einrichtungen nicht nur an besonders wertvollen Objekten zu finden, beinahe jedes Gebäude ist damit ausgestattet. Dabei gibt es je nach Bedarf ein grosses Angebot: Markisen, Rollläden oder Lamellenstoren aus verschiedensten Materialien und Formen. Ob sie mit einer Kurbel von Hand oder mittels eines Motors bewegt werden, spielt keine Rolle. Im Prinzip geht es immer darum, dass Stoffbahnen und aneinander befestigte Latten aus Holz, Metall oder Kunststoff durch ein Seilsystem aufgeklappt und wieder zusammengelegt werden können.

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«Wir suchen für jedes Problem eine individuelle Lösung, die dem Bedürfnis der Kunden, ihrer Ästhetik und ihrem Budget entspricht», sagt Dino Morandi. Er betreibt seit 25 Jahren eine Firma für Sonnen-, Wetter- und Einbruchschutz und ist auf Sonderlösungen spezialisiert. Den Umgang mit der Materie hat er von seinem Vater erlernt, der im Tessin einen Familienbetrieb unterhielt. Als Bub musste er mit seinen Geschwistern mitarbeiten. Mit 20 hatte er genug vom Kleinbetrieb, suchte etwas anderes im Leben und studierte am Konservatorium Zürich Gitarre. Nach dem Abschluss unterrichtete er an der Kantonsschule einige Jahre als Musiklehrer. Der Zufall wollte es, dass er seine Wohnung in einem Haus hatte, in dem ein älterer Mann als Einmannunternehmer Rollläden flickte; dieser hatte keinen Nachfolger. Morandi kaufte das Geschäft und begann den Betrieb aufzubauen, während er den Jugendlichen weiterhin Harmonielehre und Kontrapunkt beibrachte. Schliesslich musste er sich entscheiden – die Musik dient Morandi immer noch als unabdingbarer Ausgleich zur täglichen Arbeit. «Auch mein Beruf als Storenbauer hat viel mit Harmonie zu tun, ein Gebäude muss im Gesamtbild harmonisch erscheinen.»

Heute sind 15 Personen mit dem Bauen, Konstruieren und Montieren von Storen beschäftigt. Sie schweissen Metallstangen, ziehen feine Schnüre, bauen winzige Elektromotoren ein, regulieren den Druck von Metallfedern oder reparieren Gurtenwickler. Morandi: «Sie sind alle schon viele Jahre bei mir. Das Wichtigste ist, dass sie einen Sinn für Details haben und exakt arbeiten. Oft geht es um ein bis zwei Millimeter Toleranz.» Als Beispiel schildert er den Auftrag für ein Projekt an einem Jahrhundertwendebau, das von der Denkmalpflege mit der Auflage vergeben wurde, die alten Storen zu erneuern, ohne sie optisch zu verändern.

Über den Fenstern befanden sich Kästen für die Rollläden, die Markisen sollten in einer Nische darin verschwinden, wenn sie hochgezogen waren. Platz war eigentlich viel zu wenig vorhanden. Als weitere Auflage sollte der Stoff zuerst herunterkommen und dann erst ausfahren. Morandi schlug vor, einen Lift auf der Seite zu konstruieren, der das Gestänge nachzog, nachdem der Stoff eingerollt worden war. Zudem zeichnete er ein schönes Abschlussprofil, welches die Öffnung nach dem Hochfahren verschloss. Der Vorschlag wurde akzeptiert. Morandi erklärte einem Schlosser genau, was er brauchte. «Es war äusserst präzise Handarbeit. Solche Tüfteleien machen mir Spass.»

Ob ein bestückter Wohnwagen, eine beschattete Terrasse oder ein einbruchsicheres Rollgitter an einem Geschäft – von aussen sehen die Lösungen immer unspektakulär aus. Denn sie fügen sich nahtlos in die Gesamtansicht eines Gebäudes. Doch es spielt für die Auswahl der Materialien oder die Konstruktion des Gestänges eine wesentliche Rolle, wo sich der Wetterschutz befindet: Im Engadin drückt das Gewicht von grossen Schneemengen, an exponierten Stellen rüttelt der Wind, in See- oder Flussnähe beschleunigt die Feuchtigkeit den Alterungsprozess des Materials.

Eine weitere Herausforderung sind Form und Grösse. Für die Beschattung eines Innenhofs mit einer Bar entwickelten Morandi und sein Team vier wasserfeste Storen von je 10 Metern Länge und 200 Quadratmetern Fläche, die von der Mitte des Hofs aus gespannt sind. Morandi: «Meine Vision? Einmal eine Lösung für ein besonderes Objekt zu finden, welches derart ästhetisch und raffiniert ist, dass der Sonnenschutz einen künstlerischen Anspruch erfüllt.»


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