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26. November 2011, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Helikopter-Mechanikerin – «Fliegen ist langweilig»

Berufswelt der Technik

Berufswelt der Technik - Helikopter-Mechanikerin - "Fliegen ist langweilig" (Bild: iStock)Zoom

Berufswelt der Technik - Helikopter-Mechanikerin - "Fliegen ist langweilig" (Bild: iStock)

Johanna Wedl

Sie entscheidet, ob das Luftfahrzeug am Boden bleiben muss oder abheben darf: die Helikopter-Mechanikerin. Aufregend sei ihr Beruf aber nicht, sagt Olivia Ernst. Seit acht Jahren arbeitet sie für die Swiss Helicopter Maintenance (SHM), eine Tochterfirma der Swiss Helicopter Group. Diese umfasst an vierzehn Schweizer Standorten sieben Helikopter-Organisationen sowie einen Unterhaltsbetrieb, die SHM. Die Firma wartet Typen wie Agusta, Eurocopter oder Kaman und Kamov. «Ein grosser Teil meiner Arbeit ist die Reinigung», erklärt die Mechanikerin. Nur wenn ein Stück sauber sei, sehe man, wo es defekt sei. In ihrem Beruf müsse man sehr geduldig sein und eine hohe Frustrationstoleranz haben, denn die Fehlersuche könne viel Zeit in Anspruch nehmen. Durchhaltevermögen allein reiche aber nicht, um zu bestehen. Gute Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch seien genauso wichtig, da viele Unterlagen nicht auf Deutsch vorlägen. Zentral sei zudem die Fähigkeit, zusammenhängend zu denken. «Wir können nicht einfach etwas ausprobieren, jeder Schritt hat in der Luft Konsequenzen.» Zudem müsse ein Helikopter-Mechaniker körperlich fit und schwindelfrei sein, da bei Einsätzen draussen öfters in luftiger Höhe gearbeitet werde. Olivia Ernst bekam dies beispielsweise zu spüren, als sie für einen Auftrag in Prag war. Ihr Helikopter musste Teile des Fernsehturms abtransportieren, die auszutauschen waren. Weiter sei Flexibilität eine wichtige Voraussetzung, Teilzeitarbeit komme kaum in Frage. Denn ein Auftrag könne unvorhergesehen eingehen, dann müsse man einsatzbereit sein. Manchmal daure die Arbeit auch länger als geplant.

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Einsätze «im Feld»

Die 32-Jährige repariert unter anderem Drehflügler des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU) und jene des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Zum Kundenstamm der Heli Swiss zählen auch private Eigentümer eines Helikopters. Der Job sei sehr abwechslungsreich, das gefalle ihr, sagt Oliva Ernst. Als Mechanikerin arbeitet sie in der «Garage», wie der Hangar genannt wird. Zudem überholt sie Einzelteile wie Zündmagnete oder Anlasser, prüft Risse und bemalt Helikopterteile neu. Zum Beruf gehören auch die Einsätze «im Feld», wo man eine Strecke täglich zahlreiche Male abfliegt.

Das Mitfliegen gefällt ihr nicht. «Ich mache das gar nicht gern, es ist langweilig», winkt sie ab, aber es gehöre halt dazu. Die Kommunikation mit den Berufspiloten sei sehr gut, weil man sich gegenseitig respektiere und sehr eng zusammenarbeite. «Wenn ein Pilot Kopfschmerzen bekommt, weil es zieht und die Türe undicht ist, will ich das Problem möglichst schnell lösen, damit er sich wieder gut fühlt.»

So schön der Job auch sei, habe er dennoch Kehrseiten. Das Schwierigste sei, nach einem Absturz damit umzugehen, dass ein Kollege oder eine Kollegin ums Leben gekommen sei. Es sei merkwürdig und auch sehr tragisch, wenn jemand, mit dem man so viel und so intensiv Zeit verbracht habe, plötzlich nicht mehr da sei. In solchen Fällen suche sie Rückhalt bei ihrer Familie, ihren Eltern, den Brüdern und ihren Hunden. Im Vergleich zu ihrer hohen Verantwortung sei ihr Lohn eher tief, nennt die Technikerin einen weiteren Nachteil. Zudem gebe es kaum Entwicklungsmöglichkeiten und wenn, dann brauche es dafür sehr viel Eigeninitiative. Den Schritt aus dem Hangar hinaus und hinein in ein Büro wolle sie dennoch nicht wagen. «Den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen, würde einen <handyman> wie sie nicht glücklich machen.»

Den Entscheid für ihren Beruf habe sie aus dem Bauch heraus getroffen, sagt Olivia Ernst. Wer als Helikopter-Mechaniker arbeiten wolle, könne nicht direkt einsteigen, sondern müsse einen technischen Beruf als Grundlage vorweisen können. Sie entschied sich für eine Lehre als Automechanikerin und reparierte danach als erste Frau bei den Verkehrsbetrieben Zürich Busse, bevor sie bei Swiss Helicopter startete. Dort absolvierte sie elf Wochenmodul-Kurse und legte eine Prüfung ab. Damit der Bund ihr eine Lizenz ausstellte, musste sie zudem drei Jahre «hands on»-Erfahrung mitbringen. Jede Stunde, die sie an einem Helikopter arbeitete, wurde akribisch notiert. An Flächenflugzeugen darf Olivia Ernst nicht arbeiten. Das Grundprinzip sei zwar bei jedem Luftfahrzeug gleich, je nach Grösse und Art variierten aber die Details.

Zerlegt in alle Einzelteile

Auch wenn vor ihr manchmal ein zerlegter Helikopter liegt, verliert Olivia Ernst die Nerven nicht. Vielmehr sorgt die Mechanikerin dafür, dass jedes Schräubchen wieder an den richtigen Ort gedreht wird und auf dem Tisch kein einziges Teilchen mehr übrig bleibt. Kehre eine Maschine defekt in den Hangar zurück, könne sie selbst schon einmal wütend werden und aufbrausen. «Ich pflege die Helis so sorgsam, wie wenn sie mir selbst gehörten», sagt sie dazu.


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