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7. Januar 2012, Neue Zürcher Zeitung / NZZexecutive

Drucktechnologen haben die Zeitung fest im Blick

Berufswelt der Technik

Berufswelt der Technik - Drucktechnologen haben die Zeitung fest im Blick (Bild: istock)Zoom

Berufswelt der Technik - Drucktechnologen haben die Zeitung fest im Blick (Bild: istock)

Robin Schwarzenbach

Wenn Sie den NZZ Kaderstellen-Bund in Händen halten, so haben daran nicht nur Verkaufsmitarbeitende, Illustratoren, Fotografen, Infografiker, Autoren, Redaktoren, Korrektoren, Layouter, angelernte Kräfte, Logistiker, Zeitungsträger sowie allenfalls Kioskangestellte mitgewirkt, sondern auch Drucktechnologen. Konkret handelt es sich um jene 20 Männer und eine Frau, die in der NZZ-Druckerei in Schlieren arbeiten. Hier, in einem schmucklosen Gebäude an den Gleisen, werden jeden Tag – beziehungsweise jede Nacht – zwischen 130 000 (NZZ) und 155 000 («NZZ am Sonntag») Zeitungsexemplare gedruckt. Hinzu kommen die «Wochenzeitung», mehrere Lokalanzeiger sowie Kundenaufträge wie zum Beispiel die Beilage eines Detailhändlers, die auf die Aktionen der kommenden Woche hinweisen will.

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24-Stunden-Betrieb

Die Offset-Anlage läuft praktisch im 24-Stunden-Betrieb. Für die Mitarbeitenden beginnt die erste Schicht um 6 Uhr morgens, heruntergefahren und gereinigt werden die Maschinen erst gegen halb 3 Uhr in der Früh. Der Arbeitsrhythmus gleicht einem Steigerungslauf. Externe Publikationen werden vorab in der ersten Tageshälfte gedruckt, wenn die Druckerei noch wenig ausgelastet ist. Es folgen jene Zeitungsressorts, die den Redaktionsschluss bereits hinter sich haben. Die Spitzenzeiten schliesslich sind von den tagesaktuellen Zeitungsseiten diktiert. Diese treffen – im definitiven Layout, aber noch nicht in druckfertiger Form – ab 21 Uhr 30 in Schlieren ein. Übermittelt werden sie elektronisch. Eine Aufgabe der Drucktechnologen besteht darin, die richtige Farbmenge zu bestimmen. «Wir können nicht davon ausgehen, dass eine Foto stets die gewünschten Farbtöne wiedergibt», sagt Balthasar Christen, der Druckleiter der NZZ. Daher seien alle Bilder zu überprüfen. Wenn eines einen unschönen Eindruck vermittle, so gelte es, dies unter Zugabe der entsprechenden Farbe zu korrigieren.

Drucktechnologen stehen für solche Manöver lediglich vier Farben zur Verfügung: Cyan, Magenta, Schwarz und Yellow, die Eckpfeiler des Vierfarbendrucks. Farbaufnahmen in einer Zeitung setzen sich immer aus diesen vier Grundtönen zusammen. Um da die passende Mischung zu treffen, braucht es ein gutes Auge und vor allem Erfahrung. Und es muss schnell gehen. Die Zeiten, als die Farbverteilung grundsätzlich auf Papier getestet wurde, sind vorbei. Im Idealfall erfolgen Korrekturen dieser Art direkt am Bildschirm, also dann, wenn die entsprechenden Seiten noch gar nicht gedruckt worden sind. «Inserate verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit», sagt Christen. Er ist sich bewusst, dass das Zeitungsgeschäft im Wesentlichen von Anzeigenkunden abhängig ist, und er weiss, dass diese mitunter ungehalten reagieren, wenn sie nicht zufrieden sind mit ihrem Auftritt in der Zeitung.

Farbkompositionen müssen stimmen, wichtig sind aber auch klare Konturen. In einer Zeitungsdruckerei geht auch das nicht von selbst. Das Vierfarbensystem bringt es nämlich mit sich, dass für jede Seite jeweils vier Platten benötigt werden. Im Druckprozess kommt es darauf an, dass diese vier Elemente passgenau übereinanderzuliegen kommen. Andernfalls verliert das Printprodukt an Schärfe – zumindest, was die Farbe derjenigen Platte angeht, die nicht exakt an der vorgesehenen Stelle angebracht worden ist. Zur Kontrolle dient das Farbregister – jene Pünktchen, die ganz unten auf den Zeitungsseiten zu finden sind. Liegen sie in einer Reihe, haben die Drucktechnologen ihren Job gemacht.

Und wenn einer dieser farbigen Doppelpunkte trotzdem aus der Reihe tanzt? «Dann müssen wir reagieren und die fehlerhaften Exemplare aus dem Verkehr ziehen», antwortet Christen. Makulaturen gehören in der Branche dazu. In Schlieren rechnet man damit, dass rund 5 Prozent der Zeitungen Schaden nehmen und aussortiert werden müssen. Auch die Schnittlage kann Probleme bereiten. Das Team von Balthasar Christen muss dafür sorgen, dass das Druckgut nicht zu weit oben, nicht zu weit unten, sondern waagrecht in der Mitte ansetzt auf der Zeitungsseite.

Ein Beruf mit Zukunft?

Er selbst, der in den 1970er Jahren als einer der ersten «Drucker» die Offset-Technik erlernt hat, hat nur noch selten an den Maschinen zu tun. Zu gross ist der Zeitaufwand für Betriebsleitung, Personalführung und Administration. «Technische Aufgaben sind bei meinen Mitarbeitenden besser aufgehoben», bekennt der 57-Jährige. Wie zum Beweis reisst an diesem Nachmittag das Papier von einer der über 20 Kilometer langen Rollen, die in der Druckanlage abgewickelt werden. Die Panne ist innert wenigen Minuten behoben.

Bleibt zu hoffen, dass die Fertigkeiten von Drucktechnologen auch in Zukunft gefragt sein werden. Den schlechten Gang des Printmedien-Geschäfts der letzten Jahre hat auch die Druckindustrie zu spüren bekommen.


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